Der Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher Rudolf Taschner hätte anlässlich des 50. Jahrestages seiner Promotion von der Universität Wien mit dem Goldenen Doktordiplom ausgezeichnet werden sollen. Nun wurde die Ehrung jedoch kurzfristig zurückgezogen.
Ausschlaggebend waren laut dem Vorsitzenden des Uni-Senats, Stefan Krammer, Taschners Aussagen zu Themen wie Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft, insbesondere im Zusammenhang mit Klimawandel, Vergaberichtlinien des FWF sowie Gender und Postcolonial Studies. Der Senat habe sich daher gegen die Vergabe ausgesprochen.
Wie der ORF berichtet, verwies Krammer darauf, dass Taschners wissenschaftliche Verdienste außer Frage stünden, dass er jedoch mit seinen kontroversen Äußerungen wiederholt angeeckt sei. Die Tageszeitung "Die Presse" hatte zuvor über die Entscheidung berichtet.
Taschner sorgte in der Vergangenheit mit mehreren Aussagen für Aufsehen. 2018 bezeichnete er etwa den Klimawandel als "Scheinproblem" im Vergleich zur Überbevölkerung in Afrika. Bereits 2015 sprach er in Bezug auf den Klimawandel von einem "risikolosen, aber außerordentlich profitablen Geschäft".
2012 schrieb Taschner in einer "pädagogisch unkorrekten Notiz" über die Watsche als Gewitter mit "kurzem, reinigendem Schmerz" und stellte diese der seelischen Gewalt gegenüber. Im letzten Jahr sorgte er im Parlament für Diskussionen, als er ein Forschungsprojekt im Bereich Kunst, Gender Studies und Dekolonisation als "verbranntes Geld" bezeichnete.
Taschner, Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und ehemaliger "Wissenschafter des Jahres", ist auch durch seinen math.space im Wiener Museumsquartier bekannt. Seit 2017 ist er Wissenschaftssprecher der ÖVP im Nationalrat.
ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti übte scharfe Kritik an der Absage und bezeichnete sie als "im Wissenschaftsbetrieb untragbare ideologische Zensur". Wissenschaft müsse objektiv bleiben und dürfe nicht zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie werden, so Marchetti. Er forderte die Universität Wien auf, "ideologische Scheuklappen" abzulegen.