Bei diesem Thema sind die Österreicher völlig gespalten. Eine aktuelle Studie des Online-Research-Instituts Marketagent (1.000 Interviews) zeigt, wie sehr Geschlechtsneutralität die heimische Bevölkerung polarisiert.
Zwar stehen drei Viertel der Bevölkerung dem Thema grundsätzlich offen oder neutral gegenüber, bei konkreten Maßnahmen überwiegt jedoch die Skepsis – besonders bei Unisex-Toiletten.
Rund 38 Prozent der Befragten bewerten Geschlechtsneutralität positiv, 37 Prozent neutral. Doch nur wenige unterstützen konkrete Umsetzungen: Lediglich 24 Prozent befürworten Lebensläufe ohne Geschlechtsangabe und nur 14 Prozent finden eine geschlechtsneutrale Sortierung von Kleidung im Handel attraktiv.
"Unsere Studie zeigt klar: Die Offenheit für Genderneutralität ist in Österreich da, aber sie verläuft entlang von Generationen und politischen Linien. Jüngere und progressiv eingestellte Menschen sind eher bereit, Neues auszuprobieren, während Ältere stärker an Gewohntem festhalten", erklärt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Besonders sensibel ist das Thema bei genderneutralen Toiletten. Nur 19 Prozent stehen Unisex-WCs positiv gegenüber, die Mehrheit lehnt sie ab. Dennoch spricht sich mit 53 Prozent eine knappe Mehrheit für ihre Einführung aus – allerdings überwiegend als zusätzliche Option zu getrennten Damen- und Herren-WCs. Bei Wahlfreiheit würden 86 Prozent weiterhin getrennte Toiletten nutzen, viele aus einem Gefühl des Unwohlseins, das vor allem Frauen äußern.
Die Vorteile von Unisex-Toiletten werden vor allem praktisch gesehen: als Hilfe für Familien, zur Vereinfachung der Planung, für geringere Baukosten oder zur Verkürzung von Wartezeiten. Nur rund ein Viertel sieht darin eine wichtige Erleichterung für Menschen, die sich keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen.
Gründer und Geschäftsführer von Marketagent, Thomas Schwabl: "Genderneutrale Toiletten sind weniger ein Kulturkampf als ein Komfortthema. Die meisten Österreicher*innen sind offen für neue Formen der Inklusion, wünschen sich jedoch Wahlfreiheit. Am Ende gilt wie so oft: Fortschritt funktioniert dann am besten, wenn er mit Menschen gestaltet wird und ihnen Raum lässt, Vertrautheit zu entwickeln."