Ein Zaubersucher, neun Tiere und ein brodelnder Vulkan: Mit "Die Insel der unsichtbaren Tiere" schicken Arno Steinwender und Markus Slawitscheck Kinder auf eine magische Rettungsmission. Die Wiener Spieleautoren, erzählen, wie aus einer Idee von vor 20 Jahren nach vier Jahren Entwicklung am Ende ein fertiges Spiel wird – und warum man dafür vor allem eines braucht: jede Menge Spieltrieb.
Was aussieht wie Magie, hat seinen Ursprung in der Physik: Für ihr neues Kinderspiel "Die Insel der unsichtbaren Tiere" aus dem Hause Schmidt Spiele haben sich die beiden Spieleautoren einen besonderen Kniff einfallen lassen. Mithilfe eines Zaubersuchers werden Tiere sichtbar, die sich auf der Insel verstecken. Die Aufgabe der Kinder: neun Tiere aufspüren, mit ihrem Lieblingsfutter anlocken und in Sicherheit bringen – bevor der Vulkan ausbricht.
Die Idee dazu trug Steinwender schon länger mit sich herum. Der Spieleautor war früher Physiklehrer und kennt den Effekt aus dem Unterricht: "Unsichtbare Magnetfelder werden durch Eisenspäne sichtbar." Für ein Kinderspiel sei das in dieser Form allerdings ungeeignet gewesen. Lange habe er versucht, aus dem Gimmick ein funktionierendes Spiel zu machen – zunächst ohne Erfolg.
„Ich bin allein gescheitert, aber mit Markus gemeinsam ist die Idee zum Spiel geworden.“
Erst gemeinsam mit Slawitscheck, selbst hauptberuflich Physik- und Mathelehrer, nahm die Idee Gestalt an. "Ich bin allein gescheitert, aber mit Markus gemeinsam ist die Idee zum Spiel geworden", erzählt Steinwender. Was die beiden verbindet, ist nicht nur die Physik, sondern auch die Fähigkeit, Ideen weiterzudenken, ohne an der ersten Version festzuhalten. Das Ergebnis: ein magischer Spieleffekt, der Kinder staunen lassen soll.
Der Spielaufbau macht die Geschichte greifbar: Die Schachtel verwandelt sich in eine Insel, an deren Küste ein Rettungsboot wartet. Mit dem Zaubersucher suchen die Kinder nach Tieren, erkennen Umrisse und müssen herausfinden, welches Wesen sich wo versteckt. Dann gilt es, das passende Futter zu finden und die Tiere ins Boot zu locken.
Doch die Zeit drängt. Wer danebenliegt oder noch nicht das richtige Futter gefunden hat, lässt den Vulkan weiter brodeln. Nur wenn das Team alle neun Tiere rechtzeitig rettet, ist die Mission geschafft. Statt gegeneinander anzutreten, müssen die Kinder also gemeinsam überlegen, sich abstimmen und Entscheidungen treffen.
Doch wie wird man eigentlich Spieleautor? Eine klassische Ausbildung dafür gibt es nicht. "Du musst einfach gerne spielen und selber Spieler sein", erklärt Slawitscheck. Wer begeistert Spiele ausprobiert, komme irgendwann vielleicht auf die Idee, selbst eines entwickeln zu wollen. Und dafür brauche es nicht viel: "Man braucht eigentlich nur Zettel und vielleicht eine Schere."
„Man braucht eigentlich nur Zettel und vielleicht eine Schere.“
Dass die ersten Versuche selten Meisterwerke sind, gehört dazu. Entscheidend sei, dranzubleiben und immer wieder neue Ideen auszuprobieren. Und vor allem: zu lernen, Überflüssiges wegzulassen. Gerade am Anfang wollen viele angehende Spieleautoren möglichst alles in ein Spiel packen, was ihnen beim Spielen jemals eingefallen sei. "Dann packst du meistens aber viel zu viel hinein", sagt Steinwender. Sich von lieb gewonnenen Ideen zu trennen, sei ein schwieriger, aber notwendiger Lernprozess. Denn auch beim Spieleentwickeln gilt: Weniger kann mehr sein.
Wie gut ihr Zusammenspiel funktionieren kann, haben Steinwender und Slawitscheck bereits bewiesen. Ihr gemeinsames Kinderspiel "Die magischen Schlüssel" wurde 2024 zum Kinderspiel des Jahres gekürt. Nun folgt mit "Die Insel der unsichtbaren Tiere" das nächste gemeinsame Abenteuer.
Die Ausgangspunkte ihrer Spiele sind dabei durchaus unterschiedlich. Bei "Die magischen Schlüssel" stand eine Schatztruhe am Anfang der Entwicklung. Beim neuen Spiel war es der Zaubersucher, der Unsichtbares sichtbar machen kann. Erst danach stellte sich die Frage, welche Geschichte und welche Spielmechanik dazu passen könnten.
Prototypen werden getestet, verworfen und überarbeitet. Manchmal verändern sich dabei auch die Spielmechanismen grundlegend. Bei "Die Insel der unsichtbaren Tiere" gab es zwischenzeitlich etwa eine Version mit stärkerem Zockerelement. Am Ende ging es darum, jene Variante zu finden, die das Potenzial der Idee am besten zur Geltung bringt.
Und auch die Frage, für wen ein Spiel am besten geeignet ist, stellt sich oft erst im Entwicklungsprozess. Bei den beiden gemeinsamen Erfolgen führte der Weg jeweils zum Kinderspiel – obwohl sie nicht von Anfang an mit dem festen Vorsatz begonnen hatten, eines zu entwickeln.
Auch für die Zukunft haben die beiden einiges vor. Neben weiteren Projekten einzeln und gemeinsam kündigen sie ein neues Abenteuer an, das voraussichtlich im Frühjahr 2027 erstmals zu sehen sein soll. Dabei handle es sich dieses Mal nicht um ein Kinder-, sondern ein abenteuerliches Familienspiel. Mehr verraten die beiden Profispieler jetzt jedoch noch nicht.