Die französische Atlantikküste ist für viele Urlauber ein Sehnsuchtsort – doch über das Pfingstwochenende zeigte das Meer seine gefährlichste Seite. Im Département Gironde kamen am Sonntag zwei Menschen ums Leben. Behörden warnen eindringlich vor einem schwer erkennbaren Naturphänomen, das selbst erfahrene Schwimmer in Lebensgefahr bringen kann.
Der tragische Vorfall ereignete sich an mehreren Stränden der beliebten Ferienregion südwestlich von Bordeaux. Am Strand de l’Horizon in Lège-Cap-Ferret starb eine 56-jährige Urlauberin aus Deutschland. Wenige Kilometer entfernt ertrank am Strand Super Sud in Lacanau ein 63-jähriger Mann aus dem Département Corrèze.
Nach Angaben französischer Medien wurden beide von sogenannten Baïne-Strömungen erfasst. Trotz umfangreicher Rettungseinsätze konnten die Einsatzkräfte die Badegäste nicht mehr retten.
Baïnes sind besondere Rückströmungen, die typisch für die Atlantikküste Südwestfrankreichs sind. Das Meerwasser wird zunächst von den Wellen an den Strand gedrückt und fließt anschließend gebündelt durch schmale Öffnungen in Sandbänken zurück ins offene Meer.
Das Problem: Die Strömungen sind für Badegäste oft kaum sichtbar. Das Wasser wirkt vielerorts ruhig, kann Schwimmer jedoch innerhalb weniger Sekunden weit hinausziehen. Gerade ungeübte Badegäste geraten dabei rasch in Panik.
Experten warnen deshalb davor, gegen die Strömung anzuschwimmen. Stattdessen gilt: Ruhe bewahren und sich möglichst seitlich aus dem Sog bewegen.
Insgesamt gerieten seit Freitag mehr als 30 Menschen an der Küste in Not. Allein am Strand Grand Crohot in Lège-Cap-Ferret mussten zwölf Badegäste gleichzeitig aus gefährlichen Strömungen gerettet werden.
Die Präfektur der Gironde hatte bereits mehrere Tage vor den tödlichen Vorfällen eine offizielle Warnung für die gesamte Küste ausgesprochen. Diese bleiben auch nach den Unglücken aufrecht.
Präfektin Sophie Brocas sprach von einem "dramatischen Kontext" und verwies auf die intensive Präsenz der Rettungskräfte. Trotz schneller Einsätze und eines vorpositionierten Rettungshelikopters seien zwei Menschen ums Leben gekommen.
Zugleich forderte Brocas die Küstengemeinden auf, Sicherheitsmaßnahmen auszuweiten. Urlauberinnen und Urlaubern wird dringend geraten, ausschließlich bewachte Strände zu besuchen und Warnhinweise ernst zu nehmen.
Die Kombination aus hohen Temperaturen und scheinbar ruhiger See habe die Situation zusätzlich verschärft. Tausende Menschen strömten am Pfingstwochenende an die Strände der Gironde – viele unterschätzten offenbar die Gefahr.
Behörden mahnen deshalb zur Vorsicht: Gerade an der Atlantikküste könne das Meer selbst bei sonnigem Wetter unberechenbar werden. Besonders Baïne-Strömungen zählen zu den größten Risiken für Badegäste in der Region.