Abhörskandal entsetzt

Wanzen-Affäre bei OpenAI weitet sich immer mehr aus

Ein Ex-OpenAI-Ingenieur steht in den USA wegen mutmaßlicher Spionage im Fokus, Ermittlungen zu möglichen Verbindungen nach Saudi-Arabien laufen.
19.10.2026, 21:20
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Staatsanwälte in den USA fordern, dass Abdulrahman A., ein ehemaliger OpenAI-Ingenieur, bis zu seinem Prozess in Haft bleibt. Sie argumentieren, dass er ein erhebliches Fluchtrisiko darstellt. A., ein 35-jähriger Staatsbürger Saudi-Arabiens mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht in den USA, soll ein Abhörgerät in einem Besprechungsraum von OpenAI installiert haben.

Laut Gerichtsunterlagen stand er in engem Kontakt mit einem namentlich nicht genannten Mitglied der saudischen Königsfamilie. Außerdem soll ein saudischer Militärangehöriger für ein One-Way-Ticket für A.s Frau und den gemeinsamen kleinen Sohn bezahlt haben, damit diese nach seiner Festnahme nach Saudi-Arabien zurückkehren konnten. Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Ermittlungen noch laufen und weitere Anklagepunkte möglich sind.

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Das Abhörgerät soll speziell angefertigt und verschlüsselt gewesen sein und zielte auf vertrauliche Besprechungen mit OpenAI-Führungskräften, Geschäftspartnern und Regierungsvertretern ab.

Wanze hinter Fernseher versteckt

"Der Angeklagte hat beträchtlichen Aufwand betrieben, um maßgeschneiderte, verschlüsselte Aufnahmegeräte zu bauen, um heimlich hochsensible Treffen mit leitenden OpenAI-Mitarbeitern, hochrangigen Geschäftspartnern und Regierungsbeamten aufzuzeichnen, während er mit bedeutenden Personen in Saudi-Arabien kommunizierte und Möglichkeiten in Saudi-Arabien suchte sowie Reisen dorthin plante", heißt es in einem Memo der Staatsanwaltschaft. Der saudische Regierungssprecher reagierte bisher nicht auf Anfragen.

Auch A.s Anwalt äußerte sich vorerst nicht. Sein Verteidiger, William Pernik, hatte allerdings zuvor beantragt, A. unter Auflagen wie Aufenthaltsüberwachung und Abgabe des Reisepasses freizulassen. Er betonte, dass A. die letzten 15 Jahre in den USA gelebt und einen Antrag auf Staatsbürgerschaft gestellt habe. Laut Gerichtsdokumenten sei die geplante Reise nach Saudi-Arabien bereits gebucht gewesen, bevor A. ins Visier der Ermittler geriet. Sie habe familiäre und aufenthaltsrechtliche Gründe gehabt.

Laut Anklageschrift steckte A. das Abhörgerät hinter einen Fernseher in einem Besprechungsraum eines OpenAI-Gebäudes in San Francisco. Zur selben Zeit hätten dort auch Sitzungen mit Regierungsbeamten stattgefunden. Die Ermittlungen laufen weiter, zusätzliche Anklagen sind möglich.

Ein Mitglied der saudischen Königsfamilie versuchte, A. für eine auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Position in Saudi-Arabien zu gewinnen. In einer Nachricht hieß es: "Saudi braucht dich mehr als die USA!" A. antwortete darauf: "100", wie aus von den Staatsanwälten zitierten Nachrichten hervorgeht.

War zuvor bei Facebook tätig

Vor seiner Festnahme war A. für einen zweimonatigen Karenzurlaub nach Riad gebucht. Seine Frau sagte laut Ermittlern aus, sie und der gemeinsame Sohn wollten dauerhaft nach Saudi-Arabien übersiedeln. Auch A. habe vorgehabt, ihnen später zu folgen. In einem arabischsprachigen Podcast-Interview im vergangenen Monat sagte A., dass er Saudi-Arabien drei- bis viermal jährlich besucht, die Entwicklungen dort genau verfolgt und saudische Start-ups berät oder unterstützt.

Das Treffen mit Prinz Mohammed bin Salman, damals stellvertretender Kronprinz, bei einer Zusammenkunft mit jungen saudischen IT-Fachleuten im Silicon Valley im Jahr 2016 habe ihn überzeugt, zunächst bei einem führenden Tech-Unternehmen zu lernen, bevor er sein Wissen nach Hause bringt.

Als A. noch bei Facebook arbeitete, gründete er gemeinsam mit anderen Saudis im Silicon Valley eine Beratungsinitiative, die saudische Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Bereich mit Know-how in den Bereichen Big Data, Internet der Dinge und maschinelles Lernen vernetzte. OpenAI hatte das Abhörgerät am 30. September entdeckt und den Fall an das FBI übergeben.

red, Akt. 19.10.2026, 21:25, 19.10.2026, 21:20