Das solltest du wissen

Warum "Echtleder" oft ein Werbetrick ist

"Genuine Leather" klingt für viele nach hochwertigem Leder. Aber Achtung: Der Begriff sagt nichts über die Qualität, Herkunft oder Verarbeitung aus.
Heute Life
19.02.2026, 12:34
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Viele glauben, dass "Genuine Leather" (also Echtleder) für besonders gute Ware steht. Aber so einfach ist das nicht. "Echtleder ist keine Qualitätsgarantie", warnt Alex Ma in einem TikTok-Video. Warum? Es kommt darauf an, welche Hautschicht vom Tier verwendet wird.

Auch Nina Conrad vom schweizerischen Label Marai kennt sich aus: Sie produziert nachhaltige Lederwaren und Lammfell. Im Gespräch mit der Schweizer Plattform "20 Minuten" sagt sie klar: "Der Begriff sagt nichts über Qualität, Herkunft oder Verarbeitung aus. Echtleder heißt einfach nur, dass das Material von einem Tier stammt – nicht mehr und nicht weniger. Der Begriff wurde ursprünglich eingeführt, um echtes Leder von Kunstleder zu unterscheiden, wird aber heute oft als Werbetrick verwendet, um auch einfache Qualitäten aufzuwerten."
Conrad betont, dass viele Hersteller mit dem Begriff spielen, um ihre Produkte besser dastehen zu lassen – auch wenn die Qualität nicht unbedingt stimmt.

Full Grain, Top Grain – was heißt das eigentlich?

Wenn du öfter Lederwaren kaufst, bist du vielleicht schon über Begriffe wie Full Grain Leather oder Top Grain Leather gestolpert. Aber was steckt dahinter? "Für viele ist das schwer zu unterscheiden", meint die Lederexpertin.

"Full Grain" ist das sogenannte Vollnarbenleder. Das ist die oberste Hautschicht, die komplett erhalten bleibt – samt der natürlichen Struktur.
"Top Grain" ist ebenfalls die oberste Schicht, aber sie wird behandelt, etwa geschliffen oder mit einer Schicht (oft aus Polyurethan) überzogen.

"Kaum jemand will natürliche Spuren auf Leder sehen"

Dass Echtleder immer die schlechteste Qualität sei, wie Alex Ma behauptet, lässt Conrad so nicht stehen. Der Begriff umfasst alles – vom feinen Nappaleder bis zum beschichteten Spaltleder. Spaltleder entsteht, wenn die Tierhaut in Schichten geteilt wird: Die obere Schicht wird zu hochwertigem Leder, die untere wird meist stark pigmentiert und geprägt, damit sie wie Glattleder aussieht.

Das große Problem dabei: "Konsumenten oder Marken wollen kaum natürliche Spuren auf Leder sehen. Dabei ist Leder ein Naturprodukt und zeigt Spuren vom Leben des Tieres." Die Industrie hat uns daran gewöhnt, dass alles makellos und gleichmäßig sein muss. "Es muss glatt, einheitlich und frei von kleinen Narben oder Farbunterschieden sein." Würden mehr Leute natürliche Spuren akzeptieren, bräuchte es laut Conrad viele Beschichtungen gar nicht.

So erkennst du gutes Leder

Leder ist mehr als nur ein Werkstoff, sagt man bei Marai. "Es zeigt, wie wir mit unseren Ressourcen, mit Tieren und mit Verantwortung umgehen." Da lohnt es sich, nachzufragen: "Herkunft, Gerbung und Verarbeitung – dort entscheidet sich, wie gut das Leder wirklich ist."

Wie merkt man als Laie, ob das Leder hochwertig ist? "Meist wirkt es natürlich und nicht ganz gleichmäßig. Kleine Unterschiede in Struktur oder Farbe sind normal und oft ein gutes Zeichen", verrät Conrad. Viele Leder – auch bei teuren Marken – sind stark beschichtet, geprägt oder bedruckt. So wirken sie sehr einheitlich. "Wie gut das Leder unter der Oberfläche ist, kann man dann kaum mehr beurteilen."

Echtes Qualitätsleder fühlt sich glatt und fein an, ohne künstlich perfekt zu wirken. Wenn du genau hinschaust, siehst du die Poren der Haut – je nach Tierart schauen die verschieden aus. Auch wie sich das Leder anfühlt, sagt viel: "Gutes Leder ist lebendig, warm und flexibel – nicht starr oder plastikartig. Es riecht dezent natürlich und nicht stark nach Chemie." Mit der Zeit verändert sich hochwertiges Leder – es bekommt eine Patina, wird weicher und bekommt Charakter, statt einfach nur alt zu werden.

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