Ein kleines Walkalb liegt leblos auf dem Meeresgrund. Doch seine Mutter schwimmt nicht davon. Immer wieder kehrt die Buckelwal-Dame zu ihrem Baby zurück, berührt den kleinen Körper sanft mit dem Kopf und ihrer mächtigen Brustflosse. Schließlich legt sie sich reglos neben ihr totes Jungtier. Mehr als eine Stunde lang bleibt sie bei ihm – begleitet von einem zweiten erwachsenen Buckelwal.
Die herzzerreißende Szene wurde vor der australischen Gold Coast gefilmt und nun wissenschaftlich ausgewertet. Die Aufnahmen gelten als die ersten weltweit, die unmittelbar zeigen, wie Buckelwale auf den Tod eines neugeborenen Kalbes reagieren. Hinweise auf eine Fruchtblase lassen die Forscher vermuten, dass das Jungtier tot zur Welt gekommen war.
Besonders bewegend: Auf dem Unterwasser-Video sind auch die dumpfen Laute der Tiere zu hören. Die Mutter hält immer wieder engen Körperkontakt zu ihrem Baby. Wissenschaftler sprechen dabei von "epimeletischem Verhalten" – Fürsorge und Aufmerksamkeit gegenüber hilflosen oder verletzten Artgenossen. Ähnliches kennt man etwa von Orcas, die ihre verstorbenen Kälber mitunter noch lange bei sich tragen.
Kennst du schon den "Tanz der Buckelwale"? Klick dich durch:
Ob die Buckelwal-Mutter tatsächlich trauert, können Forscher nicht beweisen. Gefühle von Tieren lassen sich nicht direkt messen. Möglich seien auch Fürsorgeinstinkt oder Verwirrung. Doch eines zeigen diese seltenen Bilder eindrucksvoll: Die enge Bindung zwischen einer Wal-Mutter und ihrem Kind kann offenbar selbst mit dessen Tod nicht einfach enden.