Vor knapp 40 Jahren trennten den Kalifornischen Kondor nur noch 22 Tiere vom Aussterben. Jetzt bereitet sich im US-Bundesstaat Oregon eine neue Generation der mächtigen Greifvögel auf den Sprung in die Freiheit vor.
Im Oregon Zoo wurden am Montag zwölf junge Kalifornische Kondore gezeigt, die derzeit für ihre ersten Flüge trainieren. Für den Artenschutz sind die Jungvögel weit mehr als nur beeindruckender Nachwuchs: Sie stehen für eines der aufwendigsten Rettungsprogramme für eine beinahe verschwundene Vogelart.
Der Kalifornische Kondor (Gymnogyps californianus) gehört zu den größten flugfähigen Vögeln Nordamerikas und erreicht eine Flügelspannweite von beinahe drei Metern. Doch Verfolgung, Lebensraumverlust und insbesondere Bleivergiftungen setzten der Art massiv zu. 1987 lebten weltweit nur noch 22 Tiere. Die letzten frei lebenden Kondore wurden schließlich eingefangen, um die Art durch ein kontrolliertes Zuchtprogramm vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren.
Was damals wie eine letzte verzweifelte Maßnahme wirkte, entwickelte sich zu einer bemerkenswerten Artenschutzgeschichte. Durch Nachzucht und die schrittweise Auswilderung der Vögel wuchs die Population wieder an. Heute gibt es insgesamt rund 600 Kalifornische Kondore – viele davon leben wieder in freier Wildbahn.
Kalifornischer Kondor: Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,9 Metern gehört er zu den größten flugfähigen Vögeln Nordamerikas. Er ernährt sich ausschließlich von Aas und kann in freier Wildbahn mehr als 50 Jahre alt werden. Kondore werden erst mit etwa sechs bis acht Jahren geschlechtsreif und bekommen meist nur ein Ei. 1987 existierten nur noch 22 Tiere – dank intensiver Zucht- und Auswilderungsprogramme umfasst der Bestand heute wieder rund 600 Vögel.
Auch die zwölf Jungvögel in Oregon sollen ihren Teil zur Zukunft ihrer Art beitragen. Bevor Kondore ausgewildert werden können, müssen sie jedoch körperlich fit sein und wichtige Verhaltensweisen entwickeln. Jeder Vogel, der schließlich seine mächtigen Schwingen über Nordamerika ausbreitet, ist deshalb ein kleiner Triumph für den Artenschutz.
Gerettet ist der Kalifornische Kondor damit allerdings noch lange nicht. Vor allem Bleivergiftungen durch verschluckte Munitionsreste in Tierkadavern bleiben eine bedeutende Gefahr. Die Geschichte der Kondore zeigt dennoch eindrucksvoll, was konsequenter Artenschutz bewirken kann: Aus gerade einmal 22 Überlebenden ist wieder eine Population von Hunderten Vögeln geworden.