Charly war gerade einmal vier Jahre alt, als er nach Gut Aiderbichl Iffeldorf kam. Davor führte der Kater ein durchaus selbstbestimmtes Leben: Während seine Besitzer arbeiteten, streifte er durch die Siedlung – und entdeckte dabei schnell seine besondere Leidenschaft.
Stand irgendwo eine Terrassentür offen, konnte dahinter schließlich ein gemütliches Sofa warten. Und Charly war offenbar überzeugt, dass Gastfreundschaft auch für Katzen gilt. So machte er es sich kurzerhand in fremden Wohnzimmern bequem und schlief dort seelenruhig ein.
Besonders angetan hatte es Charly schließlich die Wohnung einer tierlieben, über 80-jährigen Frau und ihres kranken Sohnes. Aus gelegentlichen Besuchen wurde immer mehr ein zweites Zuhause. Miaute Charly nachts, bekam er etwas zu fressen – und wenig später fand ihn die Dame zufrieden schlafend in ihrem Bett. Weil sie den lieb gewonnenen "Ziehkater" auch für die Zukunft gut versorgt wissen wollte, wandte sie sich schließlich an die Tiernotfallstelle von Gut Aiderbichl. So zog Charly nach Iffeldorf.
Dort begann ein neues Kapitel, das ganze zwölf Jahre dauern sollte. Im großen Katzenwohnzimmer fand Charly ein geschütztes Zuhause, Artgenossen und Menschen, die den kleinen "Spitzbuben" ins Herz schlossen. Seine Streifzüge durch fremde Wohnzimmer waren vorbei – an gemütlichen Schlafplätzen dürfte es ihm jedoch auch auf Gut Aiderbichl nicht gemangelt haben.
Doch mit dem hohen Alter kam schließlich die Krankheit. Tierärzte entdeckten mehrere bösartige Tumore in Charlys Körper. In seinen letzten Wochen wurde der Kater palliativ begleitet. Schließlich fraß er immer weniger, wurde körperlich schwächer und zog sich zunehmend vom Leben zurück. Obwohl sein Lebenswille noch da war, fehlte seinem Körper die Kraft. Schweren Herzens entschieden seine Betreuer, Charly friedlich gehen zu lassen.
16 Jahre durfte Charly alt werden, zwölf davon verbrachte er auf Gut Aiderbichl. Zurück bleibt die Erinnerung an einen ganz besonderen Kater, der offenbar schon früh eines der wichtigsten Geheimnisse eines guten Katzenlebens verstanden hatte: Das beste Sofa ist manchmal das, das eigentlich jemand anderem gehört.