Apfel und Birne waren im Garten lange die sichere Wahl. Doch wer heute einen Obstbaum pflanzt, denkt nicht nur an den nächsten Sommer – sondern an die nächsten 20 oder 30 Jahre. Und genau da könnte ein Umdenken nötig sein. Denn Hitzewellen, lange Trockenphasen und heftige Regenperioden setzen heimischen Obstbäumen zunehmend zu.
Wer für die Zukunft pflanzen will, sollte deshalb laut Obstbau-Experte Eike Lüdeling von der Universität Bonn auch einen Blick in wärmere Regionen werfen.
Feigen, Marillen, Nektarinen oder Mandeln kennt mancher bisher eher aus dem Urlaub als aus dem eigenen Garten. Doch mit steigenden Temperaturen könnten diese Arten auch hierzulande interessanter werden. "Richtung mediterranes Klima gucken, ist auf jeden Fall spannend", sagt Lüdeling zu "24Garten". Wer einen Baum für die kommenden Jahrzehnte sucht, solle "tendenziell ein bisschen Richtung Süden schauen".
„Tendenziell ein bisschen Richtung Süden schauen.“
Das bedeutet allerdings nicht, dass nun jeder Garten zum kleinen Mittelmeer-Paradies wird. Auch mediterrane Obstbäume haben ihre Schwachstellen – vor allem bei Frost und extremen Wetterlagen.
Der Klimawandel bringt für Obstbäume nicht einfach nur mehr Sonne. Auch längere feuchte Wetterphasen können zum Problem werden. "Es ist ein bisschen schwer zu sagen. Wird es jetzt trockener, wird es jetzt feuchter, ja, da streiten sich die Klimamodelle", erklärt der Experte.
Entscheidend sei vielmehr, dass sich Wetterlagen länger festsetzen können. Wochenlange Trockenheit kann Bäume massiv schwächen. Bleibt es dagegen über längere Zeit nass, steigt das Risiko für Pilzkrankheiten. Ein wirklich perfekter "Superbaum", der mit allen Extremen problemlos zurechtkommt, ist deshalb nicht in Sicht.
Eine weitere Frage beschäftigt viele Gartenbesitzer: Was passiert mit der Ernte, wenn Bestäuber unter dem Klimawandel leiden? Hier gibt Lüdeling teilweise Entwarnung. Nicht jeder Obstbaum ist auf Insekten angewiesen. Walnüsse und Haselnüsse etwa werden durch den Wind bestäubt.
Bei Äpfeln und Kirschen ist Fremdbestäubung hingegen besonders wichtig. Trotzdem müsse man nicht damit rechnen, dass die Bienen plötzlich vollständig verschwinden. Die Landschaft in Deutschland sei bislang noch vielfältig genug, um Bestäubern geeignete Lebensräume zu bieten.
Auch selbstbestäubende Sorten können helfen. Eine Wunderlösung sind sie aber nicht: Selbst diese Bäume profitieren vom Besuch von Bienen.
Wer einen jungen Obstbaum pflanzt, sollte vor allem bei einem Punkt keine Kompromisse machen: Bewässerung. In den ersten Jahren besitzt ein Baum noch kein ausreichend großes Wurzelsystem. Längere Trockenperioden können deshalb bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Absterben führen.
Besonders wärmeliebende Arten sollten zudem einen geschützten Platz bekommen. Eine nach Süden ausgerichtete Hauswand kann beispielsweise zusätzliche Wärme liefern.
Nicht nur Hitze kann die Ernte gefährden. Auch ein später Frost kann die Blüte erwischen – und damit die Ernte eines ganzen Jahres zunichtemachen. Bei neuen Obstbäumen lohnt sich daher ein Blick auf Sorten, die möglichst spät blühen. Das kann das Risiko verringern, dass eine Frostnacht im Frühjahr sämtliche Hoffnungen auf Früchte zunichtemacht.
Außerdem empfiehlt sich, auf robuste Sorten zu setzen. Wer nicht unbedingt den klassischen Supermarkt-Apfel im Garten braucht, kann mit widerstandsfähigeren Züchtungen den Pflegeaufwand und den Bedarf an Pflanzenschutz reduzieren.