Bananenschale, Teebeutel und die schmutzige Küchenrolle wandern nach dem Frühstück schnell gemeinsam in den Biomüll. Schließlich ist das doch alles irgendwie biologisch abbaubar – oder? Ganz so einfach ist es bei uns nicht. Denn was in Salzburg oder Linz in die Biotonne darf, darf in Wien nicht hinein.
Obst- und Gemüseabfälle, Pflanzenreste oder Rasenschnitt sind relativ eindeutige Fälle. Schwieriger wird es bei Küchenrolle, Teebeuteln, Essensresten oder Zeitungspapier.
Denn bei der Biotonne gibt es innerhalb Österreichs Unterschiede. Welche Abfälle angenommen werden, hängt unter anderem von den örtlichen Sammel- und Verwertungssystemen ab. Selbst die Wiener Abfallberatung weist darauf hin, dass es bei der Biomüll-Sammlung regional noch Unterschiede geben kann.
In Wien gibt es dafür eine besonders einprägsame Faustregel. "Am einfachsten merkt man sich: Die Wiener Biotonne ist vegan", erklärt Sandra Holzinger, Mediensprecherin der MA 48, gegenüber "Heute". Hinein gehören demnach ausschließlich ungewürzte, rein pflanzliche Abfälle aus Haushalt und Garten.
Dahinter steckt ein klares Ziel: Aus dem gesammelten Material soll möglichst hochwertiger Kompost entstehen. "Wien setzt auf Qualität und nicht auf Quantität", so Holzinger. Der Wiener Kompost erreicht die höchste Qualitätsklasse A+ und darf dadurch sogar im biologischen Landbau eingesetzt werden. Tierische Küchenabfälle werden bewusst ausgeschlossen. In einer dicht verbauten Großstadt könnten sie laut MA 48 unter anderem Geruchsprobleme und Madenbildung begünstigen sowie Ratten und anderes Ungeziefer anlocken.
Nur rund 300 Kilometer weiter westlich gelten bereits andere Regeln. Die Stadt Salzburg erlaubt im Biomüll ausdrücklich Kaffeefilter und Teebeutel. Auch verschmutztes Papier wie Servietten und Küchenrolle darf laut städtischem Abfallservice mit hinein. Sogar Zeitungspapier bekommt hier eine besondere Rolle: Bioabfälle können darin eingeschlagen werden, außerdem darf das Vorsammelgefäß mit Altpapier ausgelegt werden.
Normales, sauberes Zeitungspapier gehört deshalb aber nicht einfach in den Biomüll. Dafür gibt es weiterhin die Altpapiersammlung.
Ähnlich sieht es in Linz aus. Dort dürfen neben Obst- und Gemüseresten unter anderem feste Speisereste, Teebeutel und Eierschalen in den Bioabfall. Die LINZ AG weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass Küchenrolle und Servietten zum Aufsaugen von Flüssigkeit und gegen Geruchsbildung in der Biotonne verwendet werden dürfen.
Auch Graz hat wieder eigene Vorgaben. In die Biotonne dürfen dort unter anderem Gemüse- und Obstabfälle, feste Speisereste, Eierschalen sowie Kaffee- und Teesud mit Papierfilter. Bei Papier lohnt sich allerdings genaues Hinsehen: Die aktuelle Trennübersicht der Stadt ordnet verschmutztes Papier, Taschentücher und Servietten dem Restmüll zu.
Beim Teebeutel lohnt sich ein Blick aufs Material: Seit 12. August 2026 gelten Teebeutel laut MA 48 auch als Verpackung, weshalb der richtige Entsorgungsweg davon abhängt, woraus der Beutel besteht. In Wien dürfen Teebeutel aus Papier in die Biotonne, Varianten aus Kunststoff gehören dagegen in die Gelbe Tonne beziehungsweise den Gelben Sack.
Wer sich beim Material unsicher ist, kann laut Holzinger einen einfachen Test machen: Lässt sich der Teebeutel leicht zerreißen, könne man davon ausgehen, dass er aus Papier besteht und über die Biotonne entsorgt werden darf. Das ist besonders relevant, weil moderne Teebeutel neben Papier auch Kunststofffasern oder andere Materialien enthalten können.
Dass richtige Mülltrennung nicht nur Theorie ist, zeigt sich besonders in dicht bebauten Teilen Wiens. Während die Bioabfall-Sammlung in den Grüngebieten laut MA 48 sehr gut funktioniere, seien öffentlich zugängliche Biotonnen in innerstädtischen Gebieten häufig stark verunreinigt. "Diese öffentlichen Biotonnen werden bewusst als Restmülltonnen missbraucht", sagt Holzinger. Dort finde sich teilweise praktisch alles – nur nicht ausschließlich Biomüll.
Auch gekochte oder gewürzte Speisereste haben in der Wiener Biotonne nichts verloren. Ein hoher Salzgehalt könne beispielsweise Pflanzen schaden und die Einsatzmöglichkeiten des fertigen Komposts einschränken.