In vielen Haushalten stehen sie noch herum: alte Teller, Tassen, Schüsseln oder komplette Kaffeeservices, die längst aus der Mode schienen. Oft liegen sie seit Jahren in Kartons am Dachboden oder verschwinden unbeachtet in Keller und Vitrine.
Doch ausgerechnet solche Stücke könnten derzeit wieder gefragt sein. Besonders Vintage-Porzellan aus dem Raum Karlsbad in Tschechien rückt ins Interesse von Liebhabern und Sammlern.
Der Trend hat dabei nicht nur mit Nostalgie zu tun. Alte, verspielte Wohnaccessoires feiern derzeit ein Comeback – und damit steigt auch die Aufmerksamkeit für manches Porzellan aus vergangenen Jahrzehnten.
Ein Grund für die neue Begeisterung ist der Wohntrend "Grandma Chic", auch als "Grandmacore" bezeichnet. Statt kühler, minimalistischer Einrichtungen setzen viele Menschen wieder auf warme Farben, florale Muster, verspielte Details und Gegenstände mit Geschichte. Was früher als altmodisch galt, kann damit plötzlich wieder zum Hingucker werden.
Besonders spannend: Porzellan aus der Region Karlovy Vary, dem früheren Karlsbad, blickt auf eine lange Tradition zurück. Westböhmen gilt als bedeutendes Zentrum der tschechischen Porzellanproduktion. Genau diese Herkunft kann alte Stücke für Sammler interessanter machen.
Im Fokus stehen unter anderem ältere rosa Service- und Zierteile aus Chodov und Loučky. Auch Porzellan von Pirkenhammer beziehungsweise Fischer & Mieg findet sich auf internationalen Vintage-Plattformen. Dort werden einzelne Schalen, Teller und dekorative Stücke teilweise für mehrere Hundert Euro angeboten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes alte rosa Kaffeegeschirr automatisch ein kleines Vermögen wert ist. Entscheidend sind Hersteller, Serie, Dekor, Zustand und Seltenheit. Besonders interessant können vollständige Services, seltene Muster und handgemalte Details sein.
Wer altes Porzellan besitzt, sollte deshalb nicht nur auf das Aussehen achten. Ein genauer Blick auf die Unterseite kann sich lohnen. Dort befinden sich häufig Herstellerstempel, Zeichen oder Ortsangaben. Namen wie Pirkenhammer, Fischer & Mieg oder Thun sowie Hinweise auf Karlsbad beziehungsweise Karlovy Vary können für die weitere Recherche entscheidend sein.
Auch der Zustand spielt eine große Rolle. Risse, Absplitterungen oder stark abgeriebene Verzierungen können den Wert deutlich mindern. Gut erhaltene und vollständige Stücke haben dagegen bessere Chancen auf einen höheren Verkaufspreis.
Wer auf dem Dachboden einen alten rosa Schatz entdeckt, sollte deshalb nicht vorschnell handeln. Zunächst empfiehlt es sich, den Herstellerstempel zu fotografieren, das Service auf Vollständigkeit zu prüfen und vergleichbare Stücke auf seriösen Auktions- und Vintage-Plattformen zu suchen.
Dabei ist allerdings Vorsicht geboten: Ein geforderter Preis ist noch lange kein erzielter Preis. Nur weil ein Teller für 500 Euro angeboten wird, heißt das nicht, dass tatsächlich jemand diese Summe bezahlt.
Wer den Wert eines ungewöhnlichen Stücks genauer einschätzen lassen möchte, sollte daher mehrere Vergleichsangebote heranziehen – oder sich an einen spezialisierten Händler beziehungsweise ein Auktionshaus wenden.