Tierischer Nachwuchs

Geschmuggelte Eier sorgen jetzt für Artenschutzerfolg

Aus einem spektakulären Schmuggelfall wurde 15 Jahre jetzt eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz im Tiergarten Schönbrunn.
Heute Tierisch
17.09.2026, 12:43
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Ihre Geschichte begann als spektakulärer Schmuggelfall am Flughafen Wien – 15 Jahre später schreiben die seltenen Papageien ein völlig neues Kapitel. Im Tiergarten Schönbrunn sind erstmals drei Rotspiegel-Amazonen auf natürliche Weise von ihren Eltern großgezogen worden.

Alles begann 2011 am Flughafen Wien-Schwechat: Der österreichische Zoll beschlagnahmte mehrere Dutzend geschmuggelte Papageien-Eier, 74 davonkamen in die Obhut des Tiergartens Schönbrunn. Aus den Eiern schlüpften Rotspiegel- und Jamaika-Amazonen. Insgesamt konnten damals 45 Papageien erfolgreich ausgebrütet und großgezogen werden. Einige dieser einst geretteten Vögel sind heute selbst Eltern.

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Drei Küken sorgen für besondere Premiere

Heuer gelang nun ein außergewöhnlicher Zuchterfolg: Erstmals haben Rotspiegel-Amazonen in Schönbrunn drei Küken selbstständig aufgezogen. "Aus einem dramatischen Fall von illegalem Wildtierhandel ist über viele Jahre hinweg ein bedeutender Erfolg für den Artenschutz geworden", freut sich Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck. Besonders bemerkenswert: Laut Tiergarten werden Rotspiegel-Amazonen in Europa derzeit nur noch in Schönbrunn und im Zoo Prag gehalten. Das einzige Zuchtpaar befindet sich demnach in Wien – damit ist Schönbrunn aktuell auch der einzige europäische Zoo, dem die Nachzucht gelingt.

Die Rotspiegel-Amazonen haben nun erstmals in Schönbrunn ihre Brut selbst aufgezogen.
©Daniel Zupanc

In ihrer Heimat stark gefährdet

Wie wertvoll die drei Küken sind, zeigt ein Blick nach Jamaika. Rotspiegel-Amazonen kommen ausschließlich dort und nur in zwei kleinen Gebieten vor. Nach Angaben des Tiergartens wird der Bestand in freier Wildbahn auf höchstens 15.000 Tiere geschätzt. Lebensraumverlust, invasive Arten und die Folgen des Klimawandels setzen den Papageien zunehmend zu. Reservepopulationen in menschlicher Obhut können deshalb für die langfristige Erhaltung bedrohter Arten eine wichtige Rolle spielen. Schönbrunn beteiligt sich mit zahlreichen Arten an europäischen Erhaltungszuchtprogrammen.

In freier Wildbahn zählen Forscher maximal 15.000 Tiere, weshalb die Rotschild-Amazonen als stark bedroht gelten.
©Daniel Zupanc

Hinter dem Erfolg steckt außerdem viel Geduld. Teamleiterin Petra Stefan begleitet die Papageien bereits seit der Beschlagnahme der Eier vor 15 Jahren. Und der Nachwuchs im Vogelrevier geht weiter: Neben den drei jungen Rotspiegel-Amazonen wachsen derzeit auch vier Küken der gefährdeten Jamaika-Amazonen heran. Aus einem Fall von Wildtierschmuggel ist damit zumindest für einige der damals beschlagnahmten Tiere eine bemerkenswerte Artenschutzgeschichte geworden.

red,17.09.2026, 12:43