Klare Ansage im ORF

"Sind meine Feinde" – Gewessler warnt vor Eskalation

Bei 32 Grad startete Leonore Gewessler die "Sommergespräche" – und gab bei Migration eigene Versäumnisse zu.
Newsdesk Heute
10.08.2026, 21:29
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Der Polit-Sommer geht im ORF in seine heißeste Phase: Zum Auftakt der "Sommergespräche 2026" stellt sich Grünen-Chefin Leonore Gewessler den Fragen von ORF-Innenpolitikjournalistin Simone Stribl, die das große Interviewformat nach 2020 nun zum zweiten Mal übernimmt.

Schon um 19:30 Uhr ging es am Küniglberg heiß her: Bei 32 Grad startete der Talk, der erst 90 Minuten später "Live on Tape" – also zeitversetzt und ungeschnitten – über die Mattscheiben der Österreicher flimmerte.

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"Es ist ein bisserl warm heute", scherzte die Grünen-Chefin bei der Begrüßung durch die ORF-Moderatorin. Im ORF-Sommergespräch ging es für Gewessler um deutlich mehr als nur um die Temperatur auf der Terrasse. Ihr Auftritt war politisch brisant: Ein Jahr nach der Neuaufstellung der Grünen musste sie zeigen, wie sie ihre Partei nach dem Wechsel in die Opposition positionieren will.

Die Grünen kämpfen derzeit zwischen Klimakrise, wirtschaftlichem Druck und gesellschaftlicher Polarisierung um Profil, Bedeutung und neues Vertrauen. Im Zentrum stand damit die Frage, ob Gewessler ihrer Fraktion ein klares Oppositionsprofil geben konnte – und wie die kleine Oppositionspartei wieder zu einer gestaltenden Kraft werden will.

"Haben einen Sommer der Extreme"

Das Hauptthema Klima ergab sich fast von selbst. Österreich erlebte den nächsten Hitzetag, auch die Kulisse der Polit-Talks lieferte die passende Zuspitzung. "Wir haben einen Sommer der Extreme. Die Menschen leiden darunter", sagte Gewessler. Sie denke an "die 75-jährige Nachbarin, die sich fragt, ob sie noch auf die Straße gehen kann", ebenso an die Hackler und Landwirte, deren wirtschaftliche Existenz vielfach von der Trockenheit bedroht ist.

Ihre Forderung: "All diese Menschen haben sich Unterstützung von der Bundesregierung verdient. Wir brauchen eine Regierung, die etwas beim Hitzeschutz tut und endlich wieder beginnt, Klimaschutz zu machen."

Bedrückender Nachsatz an Moderatorin Stribl: "Wenn es so weitergeht, wird es vielleicht der kühlste Sommer, den wir beide in unserem restlichen Leben erleben werden." Diese düsteren Aussichten sind für die Bundesparteiobfrau Grund, umso mehr für den Klimaschutz zu kämpfen.

"Am Parkplatz wächst ka Kartoffel"

Der Unterschied zur aktuellen Regierung sei aus ihrer Sicht klar. "Sie baut noch mehr Straßen. Am Parkplatz wächst ka Kartoffel", sagte Gewessler. Gerade die Landwirte bräuchten eine Regierung, die es mit dem Klimaschutz und der Renaturierung ernst nimmt.

Der Katastrophensommer müsse ein Signal für eine Kehrtwende des Irrwegs der ÖVP sein: "Jeder Baum ist so unglaublich wertvoll. Was kriegen wir von dieser Bundesregierung? Die nächste Autobahn betoniert."

"Diese Hitze wird gefährlich"

Klimaanlagen seien inzwischen notwendiger Teil der Lösung des Hitzeproblems in öffentlichen Gebäuden, sagt auch Gewessler. "Wir müssen in besonders sensiblen Räumen, den Pflegeheimen, den Krankenhäusern, den Schulen, den Kindergärten Kühlung nachrüsten, damit die Menschen dort lernen, gesund werden, arbeiten können. Da ist die Bundesregierung gefordert". Das bedeute gleichzeitig einen Ausbau des grünen Stroms.

„Wart ma bis der erste Mensch im Hitzestau umfallt beim Arbeiten? Darum geht's ja!“
Leonore Gewesslerüber Hitzeschutzmaßnahmen

Auch die Grünen-Chefin weiß: "Die Umrüstung kostet – aber Nichtstun kostet viel mehr." Sie wolle nicht warten, bis der erste Mensch aufgrund der Hitze kollabiert. "Diese Hitze wird gefährlich. Deswegen muss man da nachrüsten."

Auch Herbert Kickls FPÖ nahm die Grünen-Chefin ins Visier. Beim Klimaschutz seien die Freiheitlichen mit ihren "Es ist halt Sommer"-Parolen völlig "unverantwortlich": "Offensichtlich sind Herbert Kickl die Menschen auf den Baustellen komplett egal. Offensichtlich will er, dass unsere Probleme groß sind. Weil dann sind seine Umfragen hoch."

Zugleich positioniert sich Gewessler als Alternative für Menschen, die nach Orientierung suchen. Ihr Angebot: "Gehen wir ein Stück gemeinsam!"

"Müssen kontrollieren, wer kommt"

Neben Klima, Frauen und Freiheitlichen sprach Gewessler auch über Migration und Integration. Dabei räumte sie Versäumnisse ein. Zu den Bildern aus Ceuta sagte sie: "Ich verstehe, dass diese Bilder Sorgen machen." Ihr Kompass ruhe auf zwei Säulen: "Sicherheit und Ordnung. Wir müssen kontrollieren, wer kommt. Über die Unordnung und das Chaos freuen sich nur die, die am extrem rechten Rand das Gegenteil wollen und Deportationsfantasien haben."

Besonders deutlich wurde Gewessler beim Blick zurück auf 2015. "Ich habe 2015 gedacht, wenn bei meinem Nachbarn das Haus brennt, dann helfe ich mit beim Wasserschleppen", sagte sie. Heute sehe sie manches anders: "Es ist offensichtlich, dass wir uns das vielleicht zu einfach vorgestellt haben."

"Meine Feinde"

Auch beim Umgang mit Gegnern der liberalen Demokratie fand Gewessler klare Worte: "Islamistischer Extremismus ist das Gegenteil, von dem wofür ich arbeite, wofür ich politisch kämpfe. Die Feinde unserer liberalen Demokratie, die die Menschenrechte mit Füßen treten, die sind auch meine Feinde. Das haben wir vielleicht in der Vergangenheit – auch aus besten Absichten heraus – zu wenig deutlich gesagt. Und ich halte das für einen Fehler. Wir werden auch die Menschlichkeit nur aufrechterhalten können, wenn wir klare Grenzen ziehen. Sonst bleibt am Ende nur der blanke Rassismus der FPÖ – und da will ich nicht hin."

Ihre Aufgabe bis zur nächsten Wahl sei es, die Menschen von den Grünen als echte Alternative zum "Verwalten des Niedergangs der ehemaligen Großparteien und dem Demokratiezerstören der FPÖ" zu überzeugen. Sie wolle nicht, dass die FPÖ jemals Kanzlerpartei werde. "Ich sage mit vollster Überzeugung: Ich werde dieses Land nicht kampflos Herbert Kickl überlassen."

Als Gründe nennt Gewessler eine tiefe Verstrickung der Partei mit Rechtsextremen und teils gewaltbereiten Netzwerken. "Ich weiß nicht mehr, wo die Freiheitliche Jugend aufhört und wo die Identitären anfangen. Und das wachst ja nicht nur organisatorisch zusammen, sondern ist auch ideologisch ein Guss." Kickl würde mit Freude den Nationalrat mit Begriffen der Rechtsextremen beschämen. Auf dem Stephansplatz habe er zudem von einer "homogenen Gesellschaft schwadroniert"...

"T'schuldige, da wird mir anders", reagiert Gewessler: "Die historische Referenz, auf die er zurückgreift, heißt 'Alles nicht Homogene muss ausgeschieden und vernichtet werden'. Davor will ich meine Heimat schützen, denn meine Heimat ist ein weltoffenes Land, in dem jeder so leben kann, wie er möchte."

"Die FPÖ will zurück in eine dunkle Vergangenheit. Ich will in eine gute Zukunft, wo man wieder Zuversicht und Hoffnung haben kann", grenzt sich Gewessler klar ab. Ihre eindeutige Ansage: "Ich werde alles tun, um Herbert Kickl zu verhindern."

Für Gewessler war der Auftakt damit ein Testlauf unter schwierigen Bedingungen: Hitze, Opposition, Migrationsdebatte und der Kampf um ein neues grünes Profil. Ihre Botschaft: Die Grünen wollen wieder stärker erklären, wofür sie stehen – und wo sie früher zu wenig deutlich waren.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 10.08.2026, 22:13, 10.08.2026, 21:29
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