Exzentrisches Training

Wer sich so hinsetzt, spart sich das Krafttraining

Muskeln stärken ohne Schmerz und völlige Erschöpfung? Eine neue Analyse zeigt, dass das möglich ist – mit einer oft unterschätzten Trainingsform.
Heute Life
29.04.2026, 18:11
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"No pain, no gain" (dt. "Kein Schmerz, kein Gewinn") – dieser Satz gehört zu den bekanntesten Fitness-Parolen. Doch genau dieses Denken hält viele Menschen davon ab, sich überhaupt zu bewegen. Dabei zeigt eine aktuelle Übersichtsarbeit: Muskeln können auch stärker werden, ohne dass Training weh tut oder völlig erschöpft.

Kraft ohne Qual

Der Sportwissenschaftler Ken Nosaka von der Edith Cowan University bringt es auf den Punkt:
Effektives Training muss nicht extrem anstrengend sein. Im Fokus steht dabei eine Trainingsform, die viele unbewusst täglich nutzen – ohne sie als solche zu erkennen.

Was ist exzentrisches Training?

Der Fachbegriff lautet exzentrische Muskelarbeit. Gemeint sind Bewegungen, bei denen ein Muskel unter Spannung langsamer nachgibt, statt sich zusammenzuziehen.

Das passiert zum Beispiel:

  • beim langsamen Hinsetzen
  • beim Treppenabwärtsgehen
  • beim Bergabgehen
  • beim kontrollierten Absenken einer Hantel

Der Muskel arbeitet also nicht nur beim Heben – sondern auch beim Abbremsen.

Mehr Effekt, weniger Anstrengung

Das Besondere: Bei dieser Art der Belastung können Muskeln viel Kraft entwickeln – bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch.

Vorteile:

  • weniger Belastung für Herz und Kreislauf
  • weniger Erschöpfung
  • trotzdem effektiver Trainingsreiz

"Bewegung muss nicht schmerzhaft sein", sagt Nosaka. Im Gegenteil: Zu viel Schmerz kann sogar ein Zeichen für falsches Training sein.

Besonders geeignet für viele Menschen

Exzentrisches Training ist für fast alle geeignet:

  • Ältere Menschen: verbessert Kraft und Gleichgewicht im Alltag
  • Einsteiger: weniger belastend als intensives Training
  • Sportler: wichtig für Bewegungen wie Stopps, Landungen und Richtungswechsel
  • Fitness-Muffel: kein Fitnessstudio nötig

Training im Alltag

Der große Vorteil: Viele Übungen lassen sich direkt in den Alltag integrieren.

Beispiele:

  • Langsam hinsetzen: nicht fallen lassen, sondern kontrolliert absenken
  • Treppen bewusst hinuntergehen: langsam und sicher
  • Bergab gehen: gezielt nutzen
  • Fersen absenken: auf einer Stufe langsam nach unten führen
  • Wandliegestütze: Rückbewegung bewusst verlangsamen

Schon wenige Minuten täglich können einen Unterschied machen.

Studien zeigen Wirkung

Eine Untersuchung mit älteren Frauen zeigte:

Regelmäßiges, langsames Treppenabwärtsgehen über zwölf Wochen führte zu

Wichtig: Langsam starten

Auch wenn das Training weniger anstrengend wirkt – übertreiben sollte man es nicht.

Grundregeln:

  • mit wenigen Wiederholungen beginnen
  • langsam und kontrolliert bewegen
  • keine ruckartigen Bewegungen, keine Sprünge
  • Belastung erst schrittweise steigern, wenn der Körper gut reagiert
  • Bei Treppen: Geländer benutzen

Muskelkater ist kein Qualitätsmerkmal. Zu viel Schmerz kann sogar ein Warnsignal sein. Muskeln brauchen Reize – aber keine Überforderung. Man kann stärker werden, indem man Bewegungen langsamer und bewusster ausführt – ganz ohne extremes Auspowern.

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