Aufgeklärt

7 häufige Cholesterin-Mythen – das stimmt wirklich

Viele gängige Annahmen halten sich hartnäckig, sind aber längst widerlegt.
Heute Life
26.03.2026, 18:20
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Die meisten von uns haben wahrscheinlich ein bestimmtes Bild von der Person vor Augen, die am ehesten einen Herzinfarkt erleidet: übergewichtig, vielleicht mittleren bis höheren Alters, ernährt sich von frittierten Speisen und treibt kaum Sport. Doch laut dem britischen Kardiologen Dr. Oliver Guttman kann dieses Klischee gefährlich irreführend sein. Einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei ein hoher Cholesterinspiegel – und dieser könne auch Menschen betreffen, die schlank, fit und ansonsten gesund erscheinen.

"Stiller Killer"

Zwar können ungesunde Gewohnheiten wie eine Ernährung mit hohem Gehalt an gesättigten Fetten, starker Alkoholkonsum und Bewegungsmangel das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen, doch die Körperform allein ist nicht alles. "Der Cholesterinspiegel wird von vielen Faktoren beeinflusst, die über das Körpergewicht hinausgehen", sagt er gegenüber der "Daily Mail". "Genetik, Ernährung, Alter und körperliche Aktivität können sich alle auf den Cholesterinspiegel auswirken. Das Problem ist, dass ein hoher Cholesterinspiegel in der Regel keine Symptome verursacht – bis es zu spät ist." Oft als "stiller Killer" bezeichnet, erhöht ein hoher Cholesterinspiegel das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Formen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist fettähnlicher Stoff im Blut, den der Körper selbst produziert und über die Nahrung aufnimmt. Er ist wichtig für Zellen, Hormone und Vitamin D.

Der Cholesterin unterteilt sich in 4 verschiedene Werte:
• Gesamtcholesterin: Summe aller Cholesterinwerte im Blut
→ gibt einen ersten Überblick, sagt aber allein wenig über das Risiko aus
• LDL ("schlechtes" Cholesterin)
→ zu viel LDL lagert sich in Gefäßen ab
Erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
• HDL ("gutes" Cholesterin)
→ schützt die Gefäße
✔️ je höher, desto besser
• Triglyceride: Blutfette, die Energie speichern
→ entstehen vor allem durch Zucker und Fett in der Ernährung
Hohe Werte erhöhen ebenfalls das Herz-Kreislauf-Risiko

Gut zu wissen

Hoher Cholesterinspiegel kann auch familiär gehäuft auftreten.
Cholesterinwerte können nur durch eine Blutuntersuchung ermittelt werden.
Cholesterin ist lebenswichtig – der Körper braucht es für Zellen, Hormone und Vitamin D. Problematisch wird es nur bei zu hohen LDL-Werten.

"Zwei Menschen können den gleichen Gesamtcholesterinspiegel haben, aber ein sehr unterschiedliches kardiovaskuläres Risiko, je nachdem, wie diese Komponenten im Verhältnis zueinander stehen", erklärt er. "Ärzte berücksichtigen bei der Beurteilung des Herzinfarktrisikos auch andere Faktoren wie Blutdruck, Alter, Raucherstatus, Diabetes und familiäre Vorbelastung – es geht also nie darum, sich nur auf eine einzige Zahl zu konzentrieren."

7 Cholesterin-Mythen erklärt

Ich bin schlank und gesund, kann ich trotzdem einen hohen Cholesterinspiegel haben?

Viele Menschen gehen davon aus, dass sie sich keine Sorgen um ihren Cholesterinspiegel machen müssen, wenn sie schlank und körperlich aktiv sind. Diese Annahme kann jedoch gefährlich irreführend sein. "Schlank zu sein, garantiert keine gesunden Cholesterinwerte", sagt er. "Der Cholesterinspiegel wird von vielen Faktoren beeinflusst, die über das Gewicht hinausgehen."

"Manche Menschen, die sehr fit aussehen und ein gesundes Gewicht haben, können trotzdem einen hohen Cholesterinspiegel haben, weil ihr Körper von Natur aus mehr davon produziert." Hoher Cholesterinspiegel kann auch familiär gehäuft auftreten.

Und es kommt nicht nur auf das gesamte Körperfett an, sondern auch auf das viszerale Fett – das Fett, das tief im Bauchraum um die Organe herum gespeichert ist. Diese Art von Fett wird mit höheren Werten des schädlichen LDL-Cholesterins und einem größeren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht. Untersuchungen zeigen, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und hochverarbeiteten Lebensmitteln die Speicherung von viszeralem Fett fördern kann, selbst bei Menschen, die schlank erscheinen.

Muss ich mir als Frau genauso viele Sorgen um meinen Cholesterinspiegel machen?

Obwohl Frauen im Allgemeinen seltener als Männer in jungen Jahren einen Herzinfarkt erleiden, ist Cholesterin dennoch ein wichtiger Risikofaktor. Dr. Guttman erklärt, dass Frauen dazu neigen, später Herzkrankheiten zu entwickeln, was teilweise auf die Schutzwirkung des Hormons Östrogen zurückzuführen ist. Das Risiko steigt jedoch nach der Menopause rapide an. "Herzkrankheiten gehören nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen bei Frauen", sagt er. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass die Symptome bei Frauen oft weniger typisch sind als die klassischen, drückenden Brustschmerzen, die häufig von Männern beschrieben werden.

Cholesterinsenker verursachen schlimme Nebenwirkungen

Cholesterinsenkende Medikamente (Statine) gehören zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten und sind äußerst wirksam bei der Senkung des Cholesterinspiegels. Trotzdem zögern viele Patienten, sie einzunehmen. Statine werden oft für Beschwerden und Schmerzen verantwortlich gemacht, die häufig in der Lebensmitte auftreten – obwohl große klinische Studien darauf hindeuten, dass echte Nebenwirkungen weitaus seltener auftreten, als viele Menschen glauben.

Eine der größten Herausforderungen für Ärzte besteht darin, dass viele Patienten die Medikamente einfach nicht regelmäßig einnehmen. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Patienten die Einnahme innerhalb der ersten paar Jahre abbricht, was ein Grund dafür ist, dass viele Menschen ihre gesunden Cholesterinwerte nicht erreichen. Für diejenigen, die ein bestimmtes Präparat wirklich nicht vertragen, können Ärzte oft einen anderen Typ ausprobieren oder die Dosis anpassen.

Wie alle Medikamente bergen auch Statine gewisse Risiken – schwerwiegende Komplikationen sind jedoch sehr selten. Eine schwere Muskelerkrankung namens Rhabdomyolyse, bei der Muskelgewebe abgebaut wird und die Nieren schädigen kann, tritt nur bei einem winzigen Bruchteil der Patienten auf. 
Muskelbeschwerden bleiben laut Fachleuten zwar die häufigste echte Nebenwirkung – sie sind jedoch meist dosisabhängig, verschwinden nach Absetzen und können durch Präparatwechsel oder alternative Medikamente oft gut in den Griff bekommen werden.
In Summe überwiegen die Vorteile dieser Arznei die Risiken bei weitem.

Kann eine Ernährungsumstellung einen hohen Cholesterinspiegel senken?

Statine sind zwar wirksame Medikamente, ersetzen aber keine gesunde Lebensweise. Die Ernährung spielt nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Senkung des Cholesterinspiegels. Der Verzehr von Lebensmitteln, die reich an löslichen Ballaststoffen sind, wie Hafer, Bohnen und Linsen, kann dazu beitragen, den Spiegel des schädlichen LDL-Cholesterins zu senken. Hafer enthält Beta-Glucan, eine Art löslicher Ballaststoffe, die im Darm eine gelartige Substanz bildet und sich an Cholesterin bindet, wodurch verhindert wird, dass ein Teil davon in den Blutkreislauf aufgenommen wird.
Eine aktuelle Studie ergab, dass der Verzehr von Haferflocken über nur zwei Tage den LDL-Cholesterinspiegel um bis zu 10 Prozent senken kann.

Eier erhöhen automatisch den Cholesterinspiegel

Der Mythos vom Ei als Cholesterinbombe ist längst überholt. Für die meisten Menschen haben Eier kaum Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Es ist vielmehr die Kombination, in der sie verzehrt werden, die es ausmacht. Wenn es also um ein warmes Frühstück geht, sind es nicht die Eier, über die man sich Sorgen machen muss – es ist die zusätzliche Portion Speck oder die Wurstbeilage, die sich eher auf die Herzgesundheit auswirken kann.

Nur fettes Essen treibt Cholesterin hoch

Diese Annahme greift zu kurz. Nicht nur Fett, sondern auch Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel (Fertiggerichte) erhöhen ungünstige Blutfette.

Cholesterin kommt nur aus der Nahrung

Falsch. Der Körper produziert den Großteil selbst (vor allem in der Leber). Ernährung ist nur ein Teil der Gleichung. Hinzu kommen Genetik und Lebensstil.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.03.2026, 18:20
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