"Sunshine Guilt"

Daher kommt der "Du musst das Wetter nutzen"-Druck

Schönes Wetter stresst dich? Eine Wiener Psychologin verrät gegenüber "Heute", warum die Sonne bei einigen plötzlichen Druck auslösen kann.
29.04.2026, 14:49
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Die Sonne knallt vom Himmel, Cafés sind voll, Parks überlaufen – überall scheint das Leben stattzufinden. Nur du sitzt drinnen. Eigentlich ganz bewusst, vielleicht sogar erschöpft. Und trotzdem fühlt es sich falsch an. Als würdest du gerade etwas verpassen. Dieses nagende Gefühl hat sogar einen Namen: "Sunshine Guilt" – das schlechte Gewissen, einen perfekten Tag nicht "genutzt" zu haben.

Wenn gutes Wetter Druck macht

Viele kennen das Phänomen: Bei schlechtem Wetter fällt es leicht, auf der Sofa zu bleiben. Es gibt eine einfache Erklärung – "Es zahlt sich eh nicht aus". Doch genau diese Rechtfertigung fehlt, sobald die Sonne scheint: "Schlechtes Wetter legitimiert unsere Lustlosigkeit, nicht hinauszugehen", erklärt Ida Raheb-Moranjkic, klinische Psychologin, gegenüber "Heute". "Bei Schönwetter fällt dieses Argument weg – und plötzlich müssen wir uns selbst erklären, warum wir drinnen bleiben."

Das Problem: Statt auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, entsteht Druck. Denn man kann das Wetter nicht mehr "verantwortlich machen" – und genau das sorgt bei vielen für ein schlechtes Gewissen.

Vergleiche machen unglücklich

Verstärkt wird dieses Gefühl durch die sozialen Medien. Während man selbst vielleicht im Pyjama auf der Couch sitzt, scrollt man durch perfekt inszenierte Bilder: Picknick im Park, Aperol im Gastgarten, Ausflug an den See. "Soziale Medien erhöhen den Druck zusätzlich", verrät die Gesundheitspsychologin. "Man wird mit Inhalten konfrontiert, die andere bei attraktiven Aktivitäten zeigen – und hat schnell das Gefühl, selbst nichts 'Herzeigbares' getan zu haben."

Die Folge: Man fühlt sich, als hätte man den Tag "verschwendet" – obwohl man vielleicht genau das getan hat, was einem guttut.

Auf die eigenen Bedürfnisse hören

Doch genau hier liegt der Schlüssel: weg vom Vergleich, hin zur eigenen Wahrnehmung. Denn nicht jeder sonnige Tag muss automatisch draußen verbracht werden. "Wichtig ist, auf den eigenen Körper und die eigene Psyche zu hören", betont die Expertin. "Es gibt kein allgemeingültiges Rezept – entscheidend ist, was dir persönlich guttut." Manchmal bedeutet das eben auch, drinnen zu bleiben und bewusst zu entspannen.

Zwischen Getriebenheit und Rückzug

"Sunshine Guilt" bewegt sich auf einem schmalen Grat. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe ist entscheidend – doch genau dieses kann schnell kippen: "Problematisch wird es, wenn man sich getrieben fühlt, jede sonnige Minute nutzen zu müssen – unabhängig davon, ob es einem guttut", erklärt Raheb-Moranjkic. Genauso kritisch sei aber auch das andere Extrem: starker Rückzug und soziale Isolation.

Die Lösung liegt in kleinen, realistischen Schritten: Statt sich zu viel vorzunehmen, empfiehlt die Psychologin, gezielt Aktivitäten auszuwählen, die wirklich Freude machen – und diese bewusst in den Alltag zu integrieren.

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