Am Donnerstag beginnt am Wiener Straflandesgericht ein der wohl größte Spionage-Prozess der letzten Jahrzehnte: Egisto Ott, einst Chefinspektor im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), muss sich wegen Amtsmissbrauchs und geheimer Nachrichtendiensttätigkeit verantworten.
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Wien Ott vor, spätestens ab 2016 illegal Daten abgefragt und diese teils an Vertreter russischer Geheimdienste sowie den flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek weitergegeben zu haben. Zwischen 2017 und 2021 soll Ott regelmäßig polizeiliche Datenbanken für diese Zwecke genutzt haben. Ein ausländischer Geheimdienst warnte 2017 vor ihm – BVT-Direktor Peter Gridling informierte daraufhin die Staatsanwaltschaft.
Ott selbst bestreitet die Vorwürfe vehement: Die Vorwürfe gegen ihn seien "konstruiert". "Ich werde nicht lügen, obwohl ich das als Angeklagter dürfte. Ich werde die Wahrheit sagen", kündigte Ott an. Außerdem wolle er "einige Schweinereien aufdecken".
Dass sich Ott am Donnerstag vor Gericht äußern werde, kündigte seine neue Verteidigerin Anna Mair bereits an. Der Prozess beginnt um 9 Uhr, er ist bis in den Nachmittag angesetzt. Insgesamt sind mindestens zehn Verhandlungstage geplant.
Die Ermittlungen gegen Ott zogen sich bis 2025, zweimal wurde er in U-Haft genommen. In dieser Zeit soll es laut Anklage zu weiteren Verfehlungen gekommen sein. Die 172 Seiten starke Anklageschrift geht hart mit dem 63-Jährigen ins Gericht: Ott habe durch seine Handlungen "die nationale Sicherheit der Republik Österreich beeinträchtigt".