Während die großen Namen der KI-Branche meist aus den USA stammen, kommt nun ein neues Angebot aus Wien. Das Startup eustella hat am Donnerstag seine KI-Agenten-Plattform für Smartphones und den Webbrowser gestartet. Das Unternehmen setzt dabei nach eigenen Angaben vollständig auf europäische Infrastruktur und will damit eine Alternative zu bekannten internationalen KI-Diensten schaffen.
Der Markt für Künstliche Intelligenz wächst seit Jahren rasant. Gleichzeitig wird in Europa immer häufiger darüber diskutiert, wo Daten verarbeitet werden, wer die technische Kontrolle über KI-Systeme besitzt und wie unabhängig europäische Unternehmen von außereuropäischen Anbietern tatsächlich sind. Genau an diesem Punkt setzt eustella an. Das Wiener Unternehmen präsentiert seine Plattform als europäische Lösung, bei der sämtliche Datenverarbeitung innerhalb der Europäischen Union erfolgen soll.
Die neue Anwendung steht für iPhone, Android und im Browser zur Verfügung. Nutzer können damit klassische KI-Aufgaben erledigen, etwa Informationen recherchieren, Reisen planen, Nachrichten zusammenfassen, Bilder erzeugen oder Präsentationen erstellen. Darüber hinaus bietet die Plattform die Möglichkeit, eigene KI-Agenten anzulegen, Projekte zu organisieren und gemeinsam mit anderen Personen in Gruppen zu arbeiten. Eine sogenannte Memory-Funktion soll zudem frühere Vorlieben und Inhalte speichern, damit die KI auf frühere Interaktionen zurückgreifen kann.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Start auch deshalb, weil eustella seinen Firmensitz im Coworking Hub der AI Factory Austria AI:AT hat. Die Initiative versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Künstliche Intelligenz in Österreich und soll Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Stellen miteinander vernetzen. Für die Verantwortlichen der AI Factory Austria gilt der Produktstart als Beispiel dafür, wie aus Forschung, Infrastruktur und Vernetzung konkrete Anwendungen entstehen können.
Karl Kugler, Co-Lead der AI Factory Austria AI:AT, sieht darin ein positives Signal für den Standort Österreich. "eustella zeigt, was entsteht, wenn KI-Kompetenz, souveräne Infrastruktur und ein starkes Ökosystem zusammenwirken. Genau dafür wurde die AI Factory Austria AI:AT aufgebaut: Wir schaffen Zugang zu Expertise, Orientierung, Infrastrukturpfaden und Partnern. Dass ein Startup mit Firmensitz in unserem Coworking Hub eine europäische KI-Lösung in den Markt bringt, ist ein starkes Signal für den Standort."
Die Betreiber von AI:AT verweisen darauf, dass ihr Angebot von der ersten Orientierung über Pilotprojekte bis hin zur praktischen Umsetzung von KI-Anwendungen reicht. Ziel sei es, Unternehmen den Zugang zu technischem Know-how, Rechenleistung und möglichen Partnern zu erleichtern. Gerade junge Unternehmen und Ausgründungen sollen davon profitieren.
Auch Markus Stöhr, ebenfalls Co-Lead von AI:AT, betont die Bedeutung eines europäischen KI-Ökosystems. "Souveräne KI entsteht nicht allein durch Modelle, sondern durch das Zusammenspiel von Infrastruktur, Daten, Sicherheit und Umsetzungskompetenz. Der Launch von eustella macht sichtbar, warum Europa eigene handlungsfähige KI-Ökosysteme braucht."
Das Wiener Startup begründet seinen Ansatz unter anderem mit aktuellen Entwicklungen am internationalen KI-Markt. Nach Angaben des Unternehmens habe der jüngste Ausschluss bestimmter Nutzer außerhalb der USA von einzelnen KI-Angeboten erneut gezeigt, wie abhängig Europa von internationalen Plattformen sei. eustella will deshalb eine Lösung anbieten, bei der technische Infrastruktur, Datenverarbeitung und Betrieb innerhalb Europas verbleiben.
Laut Unternehmensangaben kommen dabei mehrere sogenannte Open-Weights-Modelle zum Einsatz. Genannt werden Gemma 4 von Google, Qwen 3.5 und Qwen 3.7 von Alibaba, gpt-oss-120b von OpenAI sowie Modelle von Mistral AI. Für die Bildgenerierung werde Flux von Black Forest Labs genutzt. eustella betont, dass die Modelle auf eigener Infrastruktur betrieben würden und Nutzerdaten nicht für das Training der Systeme verwendet werden sollen.
Für den technischen Betrieb setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf Rechenzentren von Ionos Cloud in Berlin, Frankfurt und weiteren europäischen Städten. Die gesamte Verarbeitung soll innerhalb der Europäischen Union stattfinden. Interessant ist auch die Einbindung weiterer europäischer Partner. So greift die Plattform bei Informationen zu Kryptowährungen auf Daten von Bitpanda zurück. Bei Produktsuchen werden Informationen aus der Datenbank von Geizhals eingebunden. Dadurch soll die KI nicht nur allgemeine Antworten liefern, sondern auch aktuelle Daten aus spezialisierten Quellen berücksichtigen.
Christian Trummer, Chief Scientist und Mitgründer von Bitpanda, sieht darin einen konkreten Nutzen für Anwender. "KI-Agenten werden verändern, wie Menschen digitale Services nutzen. Bei Finanzinformationen ist besonders wichtig, dass Antworten auf aktuellen und verlässlichen Daten basieren. Mit Bitpanda als Datenquelle können Nutzerinnen und Nutzer über eustella aktuelle Krypto-Preise in Echtzeit abrufen."
Auch Geizhals beteiligt sich an dem Projekt. Vorstand Markus Nigl erklärt dazu: "Mit eustella entsteht ein KI-Agent, der nicht nur berät, sondern für seine Nutzer:innen handelt – und genau hier entfaltet die Integration von Geizhals ihren Wert. Unsere über viele Jahre gewachsene Preis- und Produktdatenbank macht aus jeder Empfehlung eine fundierte, nachvollziehbare Entscheidung."
Unterstützung erhält das Thema digitale Unabhängigkeit auch aus der Politik. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll bezeichnet europäische KI-Lösungen als wichtigen Faktor für die Zukunft des Standorts. "Mit eustella zeigt sich, dass digitale Souveränität in Europa kein Schlagwort bleibt, sondern Realität wird. Eine europäische KI-Alternative, die vollständig auf europäischer Infrastruktur und auf offenen Modellen aufbaut, ist der Weg, den wir gehen müssen."
Nach Angaben des Unternehmens wurde die Plattform bereits vor dem offiziellen Marktstart getestet. Knapp 5.000 Nutzerinnen und Nutzer hätten an dieser Phase teilgenommen. Nun startet eustella offiziell in den regulären Betrieb. Das Unternehmen verweist dabei auf einen europäischen Markt mit mehr als 130 Millionen KI-Nutzerinnen und KI-Nutzern. Ein großer Teil davon verwende bislang Angebote aus den USA.
Für eustella-Gründer und CEO Matteo Rosoli ist der Zeitpunkt günstig. "Der Markt wartet nicht auf die perfekte Lösung von morgen, er braucht die souveräne Lösung von heute. Mit eustella ist sie ab sofort für alle verfügbar, die bei ihrem Datenschutz keine Kompromisse mehr eingehen wollen."