Am Dienstag stehen beim ORF wichtige Personalentscheidungen an: Der Stiftungsrat soll über die neuen Direktoren abstimmen. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler übt unmittelbar davor scharfe Kritik am Auswahlverfahren und spricht von einer "Bestellungs-Farce".
Insgesamt verfügt der ORF künftig über 13 Direktoren, vier davon sind direkt am Küniglberg angesiedelt. Westenthaler bezeichnet diese Zahl angesichts der laufenden Sparmaßnahmen als "unfassbar". Zudem kritisiert er eine aus seiner Sicht stattfindende "ÖVP-Totalmacht-Übernahme".
Vor der Abstimmung stellt der FPÖ-Stiftungsrat allerdings grundsätzlich infrage, wie die Personalentscheidungen zustande gekommen sind. Er bezeichnet das Verfahren als "Intransparent, nicht nachvollziehbar, nicht unabhängig und eine ganz üble Geheimnistuerei."
Nach seinen Angaben gab es insgesamt 140 Bewerbungen. Dem Stiftungsrat seien jedoch lediglich die Unterlagen der vier zur Abstimmung stehenden Direktoren vorgelegt worden. Auch die von den Bewerbern verlangten Konzepte über die Zukunft der jeweiligen Ressorts würden dem Gremium nicht vorliegen.
Westenthaler kritisiert zudem, dass für den Stiftungsrat nicht nachvollziehbar sei, nach welchen Kriterien Kandidaten zu Hearings eingeladen wurden und weshalb andere aus seiner Sicht qualifizierte Bewerber nicht zum Zug kamen.
Fragen wirft Westenthaler auch zu den angeblich eingesetzten Score-Cards auf, die ein objektives Auswahlverfahren ermöglichen sollten. Ebenso verlangt er Informationen über Personalberater aus Deutschland und der Schweiz, die in das Verfahren eingebunden gewesen sein sollen. Er spricht in diesem Zusammenhang von "Phantom-Berater", da er diese nie getroffen oder gesehen haben soll.
Westenthaler will seine Kritik bei der Sitzung am Dienstag vorbringen. Ohne die entsprechenden Informationen könne der Stiftungsrat aus seiner Sicht keine fundierte Personalentscheidung treffen. "Der Stiftungsrat wird für dumm verkauft", so der FPÖ-Stiftungsrat.
Offen ist für Westenthaler zudem, nach welchen Kriterien die Verträge der neuen Direktoren ausgehandelt werden und welche Gehaltsstrukturen dabei gelten. Er fordert eine Halbierung der Gehälter. Das sei "in Zeiten des Sparens notwendig".
Parallel dazu sorgt der Sparkurs beim ORF auch an anderer Stelle für Diskussionen. Der Sender reduziert schrittweise sein terrestrisches Sendernetz für Fernsehen über MUX A und Radio über UKW. Nach einem Test in Oberösterreich sollen ab 18. August weitere Standorte folgen.
Die FPÖ behauptet, rund 64.000 Menschen seien von den Maßnahmen betroffen, und kritisiert insbesondere mögliche Einschränkungen beim UKW-Empfang in Krisenfällen.
Der ORF widerspricht deutlich: "Diese Behauptung ist falsch." Die Netzabdeckung werde weiterhin bei 99 Prozent liegen. Mit der Optimierung sollen jährlich rund 1,5 Millionen Euro eingespart werden.
Nach Darstellung des ORF werden vor allem Kleinstsendeanlagen in Randlagen abgeschaltet, deren Gebiete größtenteils von anderen Anlagen versorgt werden. Von den theoretisch 64.000 Personen würden "wenn überhaupt, wenige Hundert Haushalte Änderungen in der TV-Versorgung bemerken."
Der ORF verweist zudem darauf, dass 94 Prozent der Bevölkerung Fernsehen über Satellit, Kabel oder Streaming empfangen und lediglich sechs Prozent über Antenne. In einzelnen begrenzten Gebieten könne es dennoch zu Einschränkungen beim Antennen- oder UKW-Empfang kommen.