Seit rund eineinhalb Jahren werden in Österreich für viele Plastikflaschen und Getränkedosen beim Kauf zusätzlich 25 Cent Pfand fällig. Wer das Geld zurückhaben will, muss die leeren Gebinde wieder abgeben – zumeist passiert das an Automaten im Supermarkt.
Doch nicht wenige Kunden wollen davon nichts wissen. Denn 2025 wurden rund 100 Millionen Euro an Pfand nicht ausbezahlt. Der Grund: Etwa 400 Millionen Flaschen und Dosen wurden einfach nicht retourniert.
Dabei gibt es zahlreiche bedürftige Menschen, für die die 25 Cent pro Gebinde eine wertvolle Einnahmequelle bedeuten. Einer von ihnen: Johannes Seidl – "Heute" hat wiederholt über den langjährigen Verkäufer und Redakteur der Linzer Straßenzeitung "Kupfermuckn" berichtet.
"Es ist eine Möglichkeit, die es so bisher nicht gegeben hat", freute sich der Mann. An guten Tagen konnte er sich einiges dazuverdienen. Einmal habe er sogar mehr als 7 Euro zusammenbekommen, berichtete Johannes. Vergangenes Frühjahr dann die traurige Nachricht: Er starb mit gerade einmal 64 Jahren.
Unterdessen hat Steyr – mit rund 38.000 Einwohnern die drittgrößte OÖ-Stadt – dafür gesorgt, dass arme Menschen leichter ans wertvolle Pfand kommen: An fünf stark frequentierten Orten in der Innenstadt wurden nach Linzer Vorbild Behälter an Mülleimern montiert. Darin landen nicht mehr benötigte Gebinde, und wer sie braucht, gelangt ans einfach daran.
Man erfülle damit eine wichtige soziale Funktion. Es müsse nicht mehr nach Flaschen und Dosen gesucht werden. "Das erspart das Wühlen im Müll, erhöht die Würde der Pfandsammler und verbessert gleichzeitig die Hygiene rund um die Sammelstellen", heißt es vom Magistrat.
Und weiter: Man werde die Nutzung der neuen Module in den kommenden Monaten beobachten und die Erfahrungen auswerten. Bei positiver Entwicklung sei eine Ausweitung auf weitere Standorte denkbar, so die Stadt.