Die Teuerung verdirbt uns jetzt auch noch diesen Spaß! "Grundsätzlich hat sich das Konsumverhalten geändert", sagt Karl Zuser jun. vom Biergasthof Riedberg im Innviertel.
Viele Gäste bleiben heute kürzer als früher und gehen oft schon gegen 22 Uhr nach Hause, erzählt er im Gespräch mit "Heute". Während früher bis spät in die Nacht konsumiert wurde, ist heute oft schon gegen 22 Uhr Schluss. "Diesen Trend beobachten die meisten meiner Kollegen in der Gastronomie."
Besonders spürbar ist der Rückgang beim Umsatz nach dem Essen. "Wir sind zur Essenszeit gut gefüllt, aber die Gäste bestellen zum Essen deutlich weniger Getränke als früher", sagt Zuser, "und dann gehen die Leute schon bald nach Hause." Seit der Pandemie sperrt er das Wirtshaus am Wochenende nicht mehr auf, nur Montag bis Freitag gibt es die klassische österreichische Küche und mehr als 500 (!) Bierspezialitäten.
Die Energiepreise und die allgemeine Teuerung ziehen sich durch die ganze Gesellschaft, alle spüren es. "Die Leute sparen jetzt wieder", sagt der Chef des Familienunternehmens, „sie wollen auf unerwartete Nachzahlungen oder sonstige Kosten vorbereitet sein, deswegen wird weniger konsumiert, sie legen das Geld jetzt vermehrt auf die Bank."
Die Folgen spürt die Gastronomie. "Wirtschaftlich ist die Entwicklung belastend, weil vor allem der Konsum nach dem Essen zurückgeht", sagt Zuser zu "Heute". An schwachen Tagen würden sich lange Öffnungszeiten oft nicht mehr rechnen.
Auch bei den Preisen steht der Innviertler Wirt unter Druck. Einmal im Jahr, nämlich dann, wenn die Bierpreise erhöht werden, kalkuliert und prüft Zuser jede Position auf seiner Karte und überlegt, welche Anpassungen notwendig sind. Im April sind viele Speisen um ein bis zwei Euro teurer geworden. Ein großes Rindsgulasch etwa kostet jetzt zwei Euro mehr, "sonst bleibt uns nichts übrig."
Ein Gericht sucht man auf seiner Speisekarte vergeblich. "Ich führe bewusst keine Gerichte, die sich für unseren Betrieb nur schwer wirtschaftlich kalkulieren lassen. Also auch kein Schnitzel", sagt Zuser. Er wolle mit Gästen keine Diskussionen über Preise führen. Ausgerechnet Österreichs beliebtestes Wirtshausgericht wurde durch die Teuerung mehrfach getroffen: Fleisch, Öl, Butter und vor allem die Energie (Strom und Gas) sind alle empfindlich gestiegen.
Stattdessen konzentriert sich der leidenschaftliche Wirt auf Gerichte, die für ihn wirtschaftlich kalkulierbar sind: Schweinsbraten, Bierfleisch oder geröstete Knödel.
Es ist ein großes Dilemma: "Ich rechne damit, dass sich die Zahl der Betriebe weiter verringern wird, wenn Kosten und Kaufkraft weiter auseinandergehen." Die Betreiber müssen die Preise immer wieder erhöhen, um zu überleben, aber die Kunden haben immer weniger Kaufkraft.