Der Gesundheitsplan 2040+ werde konsequent umgesetzt, man wolle im Bundesland heute die Weichen für eine zukunftsfitte Gesundheitsversorgung stellen, gibt das Land die Marschroute vor.
Auch im Gesundheitsbereich im Weinviertel bleibt kein Stein auf dem anderen: Zuletzt hatte sich in der eigens eingesetzten Standortfindungskommission ein Favorit herauskristallisiert ("Heute" berichtete hier). Gestern gaben Politik und Landesgesundheitsagentur den fixen Standort für das neue Landesklinikum Weinviertel Süd-West offiziell bekannt: Der Bereich der Alten Au in Stockerau.
Der Bau werde zehn bis 15 Jahre dauern, das neue Schwerpunktklinikum in Stockerau soll dann die bisherigen Kliniken Hollabrunn, Korneuburg und Stockerau ersetzen. Das Leistungsspektrum im zweiten Weinviertler Schwerpunktklinikum Mistelbach soll erhalten bleiben.
Kliniken-Landesrat Anton Kasser (VP) betonte, dass der Standort "mit Abstand das Rennen gemacht" habe. Auch das von der Kommission am zweitbesten bewertete Grundstück sei in Stockerau gelegen.
Landesrat Martin Antauer (FP) und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (VP) versicherten, dass die Strukturen so lange aufrecht bleiben, "bis neue geschaffen werden".
Hollabrunn, das bei der Spitalswahl leer ausging, erhält einen Gesundheits- und Pflegecampus mit 288 Betten (inkludiert sind ein Pflege- und Betreuungszentrum mit 144 Betten, ein psychosoziales Zentrum, ein Mutter-Kind-Haus und eine Tagesstätte für Senioren). Dazu kommt noch ein Ambulatorium.
Ein weiteres Ambulatorium ist auch in Gänserndorf geplant. Zudem soll die Tagesklinik bestehen bleiben. Korneuburg bekommt einen Ausbildungscampus, dafür wird die bestehende Klinik adaptiert. Insgesamt wurden 14 Grundstücke für das neue Spital unter die Lupe genommen.
Lob für die Entscheidungsfindung durch Experten kam von den Neos, die Grünen kritisierten, dass man "den Norden medizinisch im Regen stehen lässt". Bei der SPÖ gehe man davon aus, dass diese die Entscheidung mittrage, so Kasser.
Laut Kasser gelte der Gesundheitsplan selbstverständlich auch für das Weinviertel. Wichtige Leitlinien seien: Versorgungssicherheit in allen Regionen des Landes, Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung an jedem Ort und zu jedem Wetter, höchste Versorgungssicherheit für alle Niederösterreicher.
Durch die Bündelung werden für jede Leistung die notwendigen Fallzahlen erreicht und die Qualität gesichert, heißt es. Um das zu erreichen, werde es im Weinviertel im Jahr 2040 zwei große Schwerpunktkliniken geben – Stockerau und Mistelbach (das künftig Landesklinikum Weinviertel Nord heißen wird).
Weiteres Ziel: Wie im Gesundheitsplan festgelegt, soll es in jeder Bezirkshauptstadt – in Hollabrunn, in Mistelbach, in Gänserndorf und in Korneuburg – eine Primärversorgungseinheit (PVE) für allgemeinmedizinische Leistungen sowie für die allgemeine Erst- und Akutversorgung geben. Hier steht der genaue Umsetzungszeitplan noch nicht fest.
"Mit der neuen Struktur für die Gesundheitsregion Weinviertel setzt Niederösterreich einen weiteren wegweisenden Schritt, denn zum ersten Mal in Österreich werden im Rahmen des Gesundheitsplans Niederösterreich 2040+ Medizin und Pflege konsequent aus einer Hand gedacht. Was hier entsteht, verbindet regionale Versorgung, höchste Qualität und nachhaltige Planung – und wird damit zum Vorbild für das ganze Land", betonte Landesrat Anton Kasser.
Jetzt liege es an den verantwortlichen Stellen in der Landesregierung gemeinsam mit der Landesgesundheitsagentur, "diese Entscheidung mit Verantwortung und Augenmaß in die Umsetzung zu bringen", so Landesrat und NÖGUS-Vorsitzender Martin Antauer.
Die Entwicklungen seien laut Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister eindeutig: "Wir sehen einen starken demografischen Wandel mit einer deutlich steigenden Zahl älterer Menschen. Wir gehen im Weinviertel von einem Zuwachs von rund 42 Prozent bei Menschen in stationärer Pflege aus. Darauf muss das Versorgungssystem vorbereitet sein."