Der größte Kostenfaktor ist bei den meisten Österreichern das Wohnen. Fast jeder Zehnte Haushalt gibt 40 Prozent des Einkommens dafür aus. Eine Umfrage von Innofact für ImmoScout24 untersuchte, worauf Österreicher verzichten würden, wenn das Wohnen deutlich günstiger wäre. Das Ergebnis: Vor allem bei der Optik der eigenen vier Wände zeigen sich viele kompromissbereit. Bei Lärm und Wohngegend schaut es dagegen ganz anders aus.
Für ein Drittel niedrigere Wohnkosten würden 27 Prozent der Befragten in ein weniger schönes Gebäude ziehen. Jeweils 24 Prozent wären bereit, auf Wohnfläche oder einen eigenen Parkplatz zu verzichten.
Auch bei der Infrastruktur würden manche Abstriche machen: 20 Prozent könnten mit einem schlechteren Angebot in der Umgebung leben, 16 Prozent würden auf Zimmer verzichten.
Ein längerer Arbeitsweg wäre ebenfalls für knapp jeden Fünften denkbar. Gerade rund um Wien kann sich ein größerer Suchradius bei der Wohnungssuche finanziell deutlich bemerkbar machen.
Bei einer 70 Quadratmeter großen Wohnung können laut den Daten bei 30 bis 60 Minuten Pendelzeit rund 660 Euro Bruttomiete pro Monat gegenüber einer preiswerten Wiener Wohnlage eingespart werden. Im Vergleich mit einer teuren Lage in Wien beträgt der Unterschied sogar mehr als 1.000 Euro.
Ein konkretes Beispiel zeigt die Unterschiede: Im vergleichsweise günstigen Wiener Bezirk Liesing werden für 70 Quadratmeter durchschnittlich 1.320 Euro Bruttomiete verlangt.
In Gänserndorf liegt die durchschnittliche Angebotsmiete für dieselbe Wohnungsgröße bei 900 Euro. Die Bahnfahrt zum Wiener Praterstern dauert rund 30 Minuten.
Auch Wiener Neustadt ist laut den Daten in etwa 30 Minuten vom Wiener Hauptbahnhof erreichbar. Dort werden für eine entsprechende Wohnung durchschnittlich 920 Euro verlangt. In Purkersdorf und Neulengbach sind es jeweils 880 Euro - damit rund ein Drittel weniger als in Liesing.
"Wer auch im Umland von größeren Städten sucht, kann bei der Miete deutlich sparen. Orte mit guter Bahnanbindung zeigen, dass ein längerer Arbeitsweg für viele eine attraktive Möglichkeit ist, die Wohnkosten zu senken", sagt Markus Dejmek, Geschäftsführer von ImmoScout24 Österreich.
Nicht jeder Nachteil kommt für Wohnungssuchende gleichermaßen infrage. Eine schlechtere öffentliche Anbindung würden 14 Prozent für niedrigere Wohnkosten akzeptieren. Mit weniger Grünflächen könnten sich 13 Prozent arrangieren.
Deutlich geringer ist die Bereitschaft bei der Ausstattung. Nur 7 Prozent würden hier Abstriche machen. Eine lautere Wohngegend kommt überhaupt nur für 5 Prozent infrage. Lediglich 4 Prozent würden für niedrigere Kosten in eine insgesamt schlechtere Wohngegend ziehen.
Für einen beträchtlichen Teil der Befragten kommt ein Tausch von Wohnqualität gegen niedrigere Kosten überhaupt nicht infrage. Ein Viertel würde keinen der abgefragten Nachteile akzeptieren.
Dabei gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: 27 Prozent der Frauen wollen keinerlei Verschlechterung hinnehmen, bei den Männern sind es 23 Prozent.
Für die Umfrage befragte die Innofact AG im April 2026 im Auftrag von ImmoScout24 insgesamt 535 Personen zwischen 18 und 65 Jahren. Die Online-Befragung ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung.