Österreich will beim Lesen stärker gegensteuern. Tausende freiwillige Lesepaten unterstützen bereits Kinder und Jugendliche – nun stellt das Bildungsministerium zusätzliches Geld bereit, um das Programm weiter auszubauen.
Mehr als 4.600 Ehrenamtliche sind jede Woche in Schulen im Einsatz. Sie lesen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen oder erzählen ihnen Geschichten. Die Freiwilligen reichen dabei von Studierenden bis zu Pensionisten.
Die Lesepaten sind nicht nur an Schulen tätig, sondern auch in Bibliotheken und anderen Bildungseinrichtungen. Dort sollen sie Kindern zusätzliche individuelle Lesezeit ermöglichen. Ziel ist es, sowohl Leseflüssigkeit als auch Leseverständnis zu verbessern. Gleichzeitig sollen die Kinder mehr Freude am Lesen entwickeln und Selbstvertrauen gewinnen.
Das Bildungsministerium sieht in den Ehrenamtlichen einen "unverzichtbaren Beitrag zur Förderung der Lesefreude und der Sprachentwicklung".
Nun werden die Fördermittel für Organisationen, die Lesepaten ausbilden, begleiten und miteinander vernetzen, um 120.000 Euro erhöht. Das Ressort bezeichnet die zusätzlichen Mittel als "Grundlage für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Leseförderung in ganz Österreich".
Der Bedarf ist groß. Zuletzt erreichten 40 Prozent der Schüler am Ende der Volksschule die Bildungsstandards im Lesen nicht. Auch bei den Älteren zeigen sich Schwierigkeiten. Laut PISA-Studie hat fast ein Viertel der 15-Jährigen Probleme beim Lesen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) will deshalb die Grundkompetenzen und insbesondere die Lesekompetenz stärker in den Mittelpunkt rücken.
Lesen soll künftig nicht allein im Deutschunterricht trainiert werden. Die Förderung soll fächerübergreifend stattfinden. Ziel ist, dass alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft oder Familiensprache flüssig lesen und Texte verstehen können.
Neben dem Lesepatenprogramm sollen weitere Maßnahmen ausgebaut werden. Dazu gehören das Lesegütesiegel für Schulen, Fortbildungen für Lehrer sowie spezielles Unterrichtsmaterial. Wiederkehr hatte zudem eine tägliche Leseeinheit an den Schulen angekündigt.
Nach dem Vorbild des sogenannten "Lesebands" in Deutschland soll jeden Tag eine fixe Unterrichtszeit für gezieltes Lesetraining reserviert werden – unabhängig davon, welches Fach gerade auf dem Stundenplan steht.
Wie diese tägliche Lesezeit konkret umgesetzt werden soll, will das Bildungsministerium bis Ende des Jahres festlegen.