Als Austrian Airlines während der Corona-Pandemie vor dem finanziellen Abgrund stand, sprang Österreich ein. 150 Millionen Euro Steuergeld flossen direkt an die Fluglinie, ohne Rückzahlungspflicht, geschenkt. Dazu kam ein staatlich besicherter Kredit über weitere 300 Millionen Euro. Die Republik half damit kräftig mit, die AUA zu retten.
Sechs Jahre später gibt es aus dem deutschen Mutterkonzern eine Nachricht, die vielen Österreichern sauer aufstoßen dürfte: Fünf fabriksneue Langstreckenflugzeuge, die eigentlich für die AUA vorgesehen waren, gehen nun an andere Fluglinien innerhalb des Konzerns.
Für die österreichischen Passagiere bedeutet das, dass die teilweise fast 30 Jahre alten Boeing 777 noch länger im Einsatz bleiben müssen.
Ein Blick zurück ins Jahr 2020 zeigt, wie viel damals auf dem Spiel stand. Die AUA konnte die Corona-Krise nicht aus eigener Kraft bewältigen. Was folgte, waren langwierige Verhandlungen zwischen der Republik Österreich und dem Lufthansa-Konzern als Eigentümer.
Am 8. Juni präsentierten dann die damalige Bundesregierung unter Sebastian Kurz (ÖVP) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein Rettungspaket über 600 Millionen Euro.
Davon kamen 150 Millionen Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss aus der österreichischen Staatskasse. Weitere 300 Millionen Euro stellte ein Bankenkonsortium als Kredit bereit. Die Republik übernahm dafür eine Garantie über 90 Prozent, also bis zu 270 Millionen Euro. Lufthansa selbst steuerte 150 Millionen Euro Eigenkapital bei.
Der staatlich garantierte Kredit wurde von der AUA Ende 2022 vorzeitig zurückgezahlt. Die 150 Millionen Euro direkte Staatshilfe konnte sie hingegen wie vereinbart behalten.
Die Gegenleistung sollte unter anderem eine langfristige Absicherung des Standorts Wien sein. Mit Lufthansa wurde eine Standortvereinbarung für zehn Jahre geschlossen, um das Drehkreuz und damit wichtige Flugverbindungen sowie Arbeitsplätze in Österreich zu sichern.
Jetzt steht die AUA bei der wirtschaftlich extrem wichtigen Erneuerung ihrer Langstreckenflotte vor einem heftigen Rückschlag. Ursprünglich sollten bis Ende 2028 zwölf Boeing 787-9 Dreamliner zur Fluglinie gehören. Die letzten fünf Maschinen wären ab Ende 2027 direkt vom Hersteller gekommen – und die ersten fabriksneuen Langstreckenjets für die AUA seit rund drei Jahrzehnten gewesen. Daraus wird allerdings nichts.
"Austrian Airlines bestätigt, dass die fünf fabriksneuen Dreamliner, die ab Ende 2027 zur Auslieferung stehen, innerhalb der Lufthansa Group anderweitig eingesetzt werden", teilte die Fluglinie Anfang November mit. Statt zwölf B787 bekommt die AUA damit nur sieben. Vier sind bereits da, drei gebrauchte Maschinen sollen 2027 aus dem Lufthansa-Bestand folgen.
Die alten Boeing 777 müssen deshalb jedenfalls bis Ende 2029 oder Anfang 2030 weiterfliegen. Eine andere Lösung für ihren Ersatz ist laut AUA zwar denkbar, allerdings alles andere als fix.
Lufthansa begründet ihre Investitionsentscheidungen mit der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Standorte. Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage der Austro-Airline nicht einfach. Von Jänner bis September 2026 erwirtschaftete Austrian einen bereinigten Betriebsgewinn von 48 Millionen Euro. Das waren 37 Prozent weniger als im Vorjahr.
AUA-Chefin Annette Mann sieht vor allem die Standortkosten als Problem. "Die strukturellen Belastungen des Standorts lassen kaum eine nachhaltige Zukunftsplanung zu", erklärte sie bei der Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen.
Besonders umstritten ist die Flugabgabe von zwölf Euro je abfliegendem Passagier. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kündigte zwar vor wenigen Tagen eine Senkung an, wann und in welcher Größenordnung die erfolgen soll, ist allerdings noch nicht klar.
Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack. Als die AUA 2020 in ihrer Existenz bedroht war, war die Unterstützung aus Österreich willkommen. Die Republik griff dazu tief ins Börsel und riskierte Hunderte Millionen. Jetzt entscheidet der Lufthansa-Konzern, dass sich die fünf neuen Flugzeuge anderswo besser einsetzen lassen.
Dabei geht es bei der Flottenerneuerung nicht bloß um den Komfort der Passagiere. Eine moderne Langstreckenflotte ist auch für die Betriebskosten, den Treibstoffverbrauch und die Wettbewerbsfähigkeit einer Fluglinie entscheidend.
Sechs Jahre nach der Rettung mit österreichischem Steuergeld wäre ein klares Bekenntnis zum Standort Wien angebracht gewesen. Stattdessen zieht die Lufthansa ihre bereits gegebene Zusage zur Kompletterneuerung der Langstreckenflotte zurück – und stößt damit die AUA und die österreichischen Steuerzahler vor den Kopf.