Österreichs Universitäten stehen vor drastischen Einschnitten – und der Widerstand gegen den Sparkurs der Bundesregierung wächst. Für die Finanzierungsperiode 2028 bis 2030 sind knapp 15,9 Milliarden Euro vorgesehen, während die Hochschulen rund 18 Milliarden Euro gefordert hatten. Inflationsbereinigt bedeutet das laut den Rektoren eine Kürzung von rund zehn Prozent. Die Folgen könnten gravierend sein: Bis zu 6.800 Jobs stehen auf dem Spiel, Studienangebote könnten schrumpfen und Forschungsprojekte unter Druck geraten.
Besonders junge Wissenschaftler mit befristeten Verträgen fürchten um ihre berufliche Zukunft. Auch die größte Universität des Landes warnt vor Einschnitten bei Lehrveranstaltungen und Studienplätzen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) verteidigt das beschlossene Budget, während die Opposition der Regierung vorwirft, die Folgen für Wissenschaft und Forschung schönzureden. Die Grünen sprechen von einer "Bankrotterklärung" der Wissenschaftspolitik.
Besonders brisant sind die möglichen Auswirkungen auf die Patientenversorgung im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Die MedUni Wien stellt das ärztliche Personal des Spitals und warnt, dass durch die Kürzungen bis zu 170 Arztstellen nicht mehr finanziert werden könnten. Der Betriebsrat befürchtet längere Wartezeiten und weniger Operationen. Im schlimmsten Fall könnten laut seiner Warnung rund 5.000 Eingriffe ausfallen. MedUni-Rektor Markus Müller sieht zudem die medizinische Forschung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.
Am Donnerstag, dem 22. Oktober, erreicht der Protest gegen die Sparpläne einen vorläufigen Höhepunkt. Unter dem Motto "Alarmstufe Rot – #UnisRetten!" ruft die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) zur Großdemonstration in Wien auf. Die Veranstalter erwarten bis zu 20.000 Teilnehmer. Der Protest startet um 15 Uhr bei der TU Wien am Karlsplatz und zieht anschließend durch die Innenstadt bis zur Universität. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.
Brigitte Hütter, Präsidentin der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko), analysierte die Situation am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderatorin Margit Laufer. Im Zentrum des Gesprächs standen drastische Sparpläne, ein massives Loch im Budget und die Frage, ob die Hochschulen vor dem Kollaps stehen. Es geht hier nicht um ein bisschen "Zahlenjongliererei", sondern um eine fundamentale Lücke von 2,5 Milliarden Euro, hieß es von der uniko-Präsidentin
Der Vorwurf, dass die Unis Handlungsspielräume ignorieren und nur kritisieren würden, ließ Hütter nicht gelten. Die Gelder der vergangenen Jahre seien planvoll in Forschende, Lehrende, Betreuungsverhältnisse und Studienbedingungen geflossen, wodurch Österreichs Unis international im Ranking gestiegen sind, hieß es. Doch bei einem Budgetkürzungsschub lässt sich laut Hütter nicht einfach etwas wegrechnen. Da Unis personalintensive Institutionen sind, bedeute ein Minus von 10 Prozent beim Budget auch 10 Prozent weniger Personal.
Auf den Einwand, dass ein kleines Land wie Österreich mit 77 Hochschulen im internationalen Vergleich extrem viele Standorte hat, gab Hütter zu bedenken, dass dies politische Hausaufgaben sind: "Es sind politische Rahmenbedingungen, über die wir jetzt sprechen, die können wir als einzelne Universitäten nicht allein angehen, sondern da braucht es Rahmensetzungen, rechtliche Rahmensetzungen von Seiten der Bundesregierung." Ob auch Studienrichtungen reduziert werden müssen, müsse man sich im Fachbereich ansehen.
Nach der Großdemo im Sommer mit rund 40.000 Menschen gehen am Donnerstag erneut zahlreiche Studierende und Lehrende auf die Straße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Hütter zeigte sich solidarisch, betonte aber Richtung des Protests: "...dass diese Proteste in der Sache friedlich, vehement, aber gut ausgetragen werden... Es ist niemanden geholfen und wir wollen in keinem Fall Gewalt oder Ausschreitungen schüren, unterstützen oder in irgendeiner Form auch verursachen." Ob die Regierung noch einlenkt, ist indes fraglich.