An Österreichs Universitäten drohen schwierige Jahre. Weil das Budget nicht mit den steigenden Kosten mithält, rechnen die Hochschulen mit Einsparungen von mindestens zehn Prozent. Besonders betroffen dürfte ausgerechnet jene Gruppe sein, die für die Forschung von morgen entscheidend ist: junge Wissenschaftler mit befristeten Verträgen.
Die Universitätenkonferenz (uniko) hat bereits vor einem umfangreichen Stellenabbau gewarnt. Da rund zwei Drittel der universitären Ausgaben auf das Personal entfallen, dürfte vor allem dort gespart werden.
Für die 23 öffentlichen Universitäten sind in den Jahren 2028 bis 2030 insgesamt 16 Milliarden Euro vorgesehen. Das entspricht nominell ungefähr dem bisherigen Budget. Nach Berechnungen der uniko wären allerdings 18 Milliarden Euro notwendig gewesen, um allein die Teuerung auszugleichen.
Uniko-Präsidentin Brigitte Hütter warnte deshalb bereits vor dem Budgetbeschluss, dass Lohnerhöhungen ohne zusätzliche Mittel des Bundes "zwangsläufig Kündigungen" nach sich ziehen würden. Andere Universitätsleitungen rechnen eher damit, dass frei werdende Stellen künftig nicht mehr oder erst deutlich später nachbesetzt werden.
Die größten Auswirkungen könnten die Sparmaßnahmen auf den sogenannten Mittelbau haben. Dazu zählen wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrende, Doktoranden und Forscher, die nach ihrer Promotion befristet an einer Universität arbeiten.
Mit rund 45.300 Beschäftigten stellt diese Gruppe den größten Teil des Universitätspersonals. Zum Vergleich: Im allgemeinen Personal arbeiten rund 21.700 Menschen, während es etwa 3.400 Professoren gibt.
Laut dem Universitätsbericht 2023 waren zuletzt knapp 80 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals nur befristet beschäftigt. Gerade diese Arbeitsverhältnisse könnten bei den anstehenden Einsparungen besonders unter Druck geraten.
Der Verband der Professoren der österreichischen Universitäten (UPV) befürchtet, dass vor allem sogenannte Postdocs betroffen sein werden. Dabei handelt es sich um Forscher, die ihr Doktorat bereits abgeschlossen haben.
Diese Gruppe leiste einen wichtigen Beitrag zur Forschung und zum Lehrbetrieb, erklärte UPV-Sprecherin Veronika Somoza gegenüber der APA – "obgleich sie viele und maßgebliche Forschungsleistungen erbringt, international publiziert und zu einem nicht unwesentlichen Teil auch die Pflichtlehre mitsichert".
Somoza warnt deshalb vor einem "Braindrain", also der Abwanderung hochqualifizierter Wissenschaftler. "Je nach Ausmaß der Kürzungen in diesem Bereich droht ein massives Ausbluten einer ganzen Generation von Spitzenforschenden."
Zusätzliche Sorgen bereitet der Professorenvertretung eine geplante Änderung des Universitätsgesetzes.
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) will den Paragrafen 109 abschaffen. Dieser erlaubt derzeit, befristete Arbeitsverträge an Universitäten unter bestimmten Voraussetzungen über mehrere Jahre aneinanderzureihen – bis zu einer Höchstdauer von acht Jahren.
Die Reform soll die Beschäftigungssituation von befristet angestelltem Personal verbessern. Die Professorenvertretung sieht allerdings die Gefahr unbeabsichtigter Folgen.
Nach Einschätzung von Somoza müssten die Hochschulen bei einer Abschaffung der bisherigen Regelung Personal künftig weitgehend unbefristet einstellen. Angesichts der knappen Budgets könnten dadurch noch weniger Stellen für junge Forscher entstehen.
Wer nach dem Doktorat keine Finanzierung erhält, müsste dann möglicherweise in die Privatwirtschaft oder ins Ausland wechseln. "Letztendlich wäre ein deutlicher Qualitätsverlust des Wissenschaftsstandorts Österreich zu erwarten."
Im Wissenschaftsministerium beurteilt man die Lage weniger pessimistisch. Ministerin Holzleitner verwies zuletzt auf die Verantwortung der Universitätsleitungen, selbst über die Besetzung von Stellen zu entscheiden.
Dabei müsse auch geprüft werden, welche Positionen weiterhin benötigt würden und welche "vielleicht nicht mehr zeitgemäß" seien. Bis 2030 sollen außerdem rund 4.000 Stellen durch Pensionierungen frei werden.
Das Ministerium sieht darin auch Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs. So könnte beispielsweise eine frei werdende Professur nicht nachbesetzt und das Geld stattdessen für mehrere günstigere Laufbahnstellen verwendet werden.
Damit ließe sich der Verlust an Nachwuchsforschern zumindest teilweise abfedern. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass Frauen bei solchen Entscheidungen nicht strukturell benachteiligt werden.
Die Universitätenkonferenz sieht die ausbleibende Nachbesetzung von Stellen hingegen kritisch. Denn wenn Beschäftigte in Pension gehen und ihre Positionen nicht neu besetzt werden, verschwinden die damit verbundenen Aufgaben nicht automatisch.
Aus Sicht der uniko müssten die verbleibenden Mitarbeiter diese zusätzliche Arbeit übernehmen. Damit könnten die Einsparungen nicht nur den wissenschaftlichen Nachwuchs treffen, sondern auch die Arbeitsbelastung an den Universitäten weiter erhöhen.