Betriebsrat schlägt Alarm

Spar-Schock am AKH: Ausfall von 5.000 Operationen droht

MedUni-Betriebsratschef warnt in "Heute" vor Folgen der Budgetkürzung auf die Patientenversorgung: weniger Ärzte, weniger OPs, längere Wartezeiten.
21.10.2026, 14:15
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Das drastische Sparpaket der Regierung für die Universitäten sorgt für eine Welle des Protests. Für den 22. Oktober ruft die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) unter dem Motto "Alarmstufe Rot – #UnisRetten!" erneut zu einer Großdemonstration in Wien auf.

Die Koalition hatte sich, wie berichtet, am vergangenen Samstag auf das Budget für die Universitäten und Hochschulen für die Jahre 2028 bis 2030 geeinigt. Es wird knapp 16 Milliarden Euro geben. Gefordert hatten die Unis 18 Milliarden, allein um die Inflation abzugelten. Nun wackeln tausende Stellen, Einschnitte bei Forschung und Lehre drohen.

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Patientenversorgung in Gefahr

Stark betroffen vom Rotstift der Regierung ist auch das Wiener AKH. Die MedUni Wien stellt mit 1.630 Ärzten das gesamte ärztliche Personal des AKH, der Großteil ihres Budgets fließt in diesen Posten. MedUni-Rektor Markus Müller warnte jetzt im "Heute"-Interview, dass die Uni-Budgetkürzung die Streichung von rund  150 Ärztestellen am AKH bedeuten würde.

In Alarmstimmung ist auch der Betriebsrat, der schon im Vorfeld der Regierungsentscheidung in einem offenen Brief unter anderem an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und Finanzminister Markus Marterbauer (beide SPÖ) die Folgen der Geldkürzung für die Patientenversorgung drastisch dargelegt hatte.

Jetzt legt Stephan Konrad, MedUni-Betriebsratsvorsitzender für das wissenschaftliche Personal, im Gespräch mit "Heute" nach. "Die jetzt von der Regierung beschlossene Summe bedeutet eine Kürzung um zehn Prozent. Eins zu eins umgelegt, sind das zehn Prozent weniger Ärzte am AKH, also 150 bis 170 Stellen."

„Natürlich spüren das die Patienten. Das kommt in der Gesellschaft an.“
Stephan Konrad Betriebsratsvorsitzender MedUni Wien

Es sei klar, dass der Abbau einer dreistelligen Anzahl an Ärzten Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben werde, so Konrad. Die AKH-Mediziner würden ohnehin schon am Limit arbeiten, mit langen Dienstzeiten plus Rufbereitschaft.

"Domino-Effekt"

Wenn es weniger Ärzte gibt, könnten auch weniger Operationen durchgeführt werden, warnt der Betriebsratschef. Es gehe nicht nur um Chirurgen, sondern auch den gesamten prä-operativen Bereich, etwa Anästhesie. Am AKH werden 50.000 Operationen pro Jahr durchgeführt – "das wären dann 5.000 weniger", rechnet Konrad.

„Wir werden tolle Geräte haben, aber keine Köpfe, um sie zu bedienen. Es ist ein Drama.“
Stephan Konrad Betriebsratsvorsitzender MedUni Wien

Das könnten die umliegenden Spitäler, die ja ohnehin mit knappen Ressourcen zu kämpfen hätten, schwer auffangen. "Es ergibt sich eine Art Domino-Effekt, der zur Überlastung aller anderen Spitäler führt."

Und: "Natürlich spüren das die Patienten. Das kommt in der Gesellschaft an", ist Konrad überzeugt von Folgen der Kürzungspolitik auf das Gesundheitssystem weit über das AKH hinaus. Längere Wartezeiten auf OPs und Behandlungstermine würden vielfach unvermeidbar.

Folgen für Ambulanz, Dienstpläne

Und es gehe nicht "nur" um Operationen. Das AKH übernimmt rund ein Drittel der medizinischen Versorgung im Großraum Wien. Die Ambulanz im AKH verzeichnet jährlich über 1,2 Millionen Besuche. Den 24-Stunden-Betrieb, Nacht- und Wochenenddienste, Bereitschaften in der Form aufrechtzuerhalten, werde irgendwann schwierig, wenn die ausreichende Finanzierung wegfällt, warnt der Betriebsrat.

Auch auf Folgen für die Ärzteausbildung warnt Konrad. "Wir bilden die nächste Medizinergeneration aus, jedes Jahr beginnen 800 neue Studierende an der MedUni Wien." Kürzung der Mittel würde die Ausbildung betreffen, ebenso wie die Forschung: "Erst Anfang Oktober haben wir zwei neue Forschungsstationen eröffnet. Wir werden tolle Geräte haben, aber keine Köpfe, um sie zu bedienen", bringt er es auf den Punkt: "Es ist ein Drama." Die MedUni Wien drohe so in internationalen Rankings zurückzufallen.

Wie die Stimmung im Haus sei? Konrad beschreibt sie als "angespannte Unsicherheit". Das Personal frage sich, was die Budgetpläne konkret bedeuten, wie die Arbeitssituation werden wird...

sea, 21.10.2026, 14:15
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