Zukunftsdepot im Check

Neuer Geld-Plan soll Tausende Euro für Kinder bringen

Der Staat schenkt Babys 500 € für ein Depot, über das Eltern steuerfrei für Kinder ansparen können. Wie es funktionieren soll und wo Kritikpunkte sind
21.10.2026, 21:40
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500 Euro geschenkt vom Staat für Neugeborene, bis zu 5.000 Euro Einzahlung pro Jahr, keine Steuer auf Wertzuwächse beim Auszahlen mit 18 Jahren: Die Bundesregierung hat am Dienstag die Details zum neuen Zukunftsdepot für Kinder präsentiert.

Die Koalitionsspitze hatte dieses Projekt, das Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ein besonderes Anliegen ist, am vergangenen Samstag in trockene Tücher gebracht.

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Die Idee: Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel oder Freunde können über das Zukunftsdepot von klein auf Geld für Kinder anlegen. Anders als beim klassischen Sparbuch soll das Geld aber in breit gestreuten Investmentfonds wachsen. Der Depotwert einschließlich der Wertzuwächse soll bis zum 18. Geburtstag von der Kapitalertragsteuer befreit sein.

„Das Zukunftsdepot soll der Bausparer der nächsten Generation werden.“
Claudia Bauer Familienministerin (ÖVP)

"Heute" erklärt, wie das Zukunftsdepot funktionieren soll. Und welche Kritikpunkte daran jetzt laut werden.

500 Euro für jedes Neugeborene

Besonders profitieren sollen Kinder, die ab 1. Jänner 2027 in Österreich geboren werden. Für sie legt der Staat automatisch 500 Euro Startguthaben drauf. Das Geld gibt es unabhängig davon, ob die Eltern selbst etwas einzahlen.

Wird bis zum dritten Geburtstag kein Depot eröffnet, wandert das Startguthaben automatisch in den Bundesschatz – dem staatlichen Anlageprodukt mit Wertpapieren der Republik Österreich. Später kann es samt Wertzuwachs in ein Zukunftsdepot bei einer Bank übertragen werden.

Wichtig: Ein Zukunftsdepot können ab 1. Juli 2027 grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren bekommen. Die staatlichen 500 Euro gibt es allerdings nur für jene, die ab 2027 geboren werden.

Beispiel 1: Aus 100 Euro monatlich werden 44.280 Euro

Wie viel das Zukunftsdepot bringen könnte, rechnete die Regierung bei der Präsentation gleich vor. Anhand von zwei Familien, die für ihre Kinder jeweils 100 Euro monatlich zurücklegen.

Die erste Familie entscheidet sich für einen klassischen Bausparer und zahlt einmalig 500 Euro ein, danach pro Monat 100 Euro. Nach 18 Jahren stehen laut Beispielrechnung rund 25.900 Euro zur Verfügung.

Die zweite Familie nimmt das Angebot des Zukunftsdepots in Anspruch. Sie lassen sich beraten und entscheiden sich, dass das Geld in diesem Rahmen in einen breit gestreuten Wertpapierfonds investiert wird. Zum staatlichen Startkapital von 500 Euro zahlen sie weitere 500 Euro dazu, und dann monatlich 100 Euro. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sieben Prozent sollen nach 18 Jahren 44.280 Euro herauskommen – laut Regierung steuerfrei.

Das wäre fast doppelt so viel Geld, wie der Bausparer bringt. Allerdings handelt es sich um eine Modellrechnung: Die tatsächliche Rendite ist nicht garantiert, auch Verluste sind möglich.

„Wir wollen eine Politik, die Vermögensaufbau erleichtert, statt ihn zu erschweren und gleichzeitig die Finanzbildung stärken.“
Christoph Pramhofer Neos-Kapitalmarktsprecher

Beispiel 2: So viel wird aus 10 Euro monatlich

Wer monatlich zehn Euro in einen Bausparer einzahlt, kommt nach 18 Jahren laut Berechnung auf rund 2.300 Euro.

Beim Zukunftsdepot könnten es mit den zusätzlichen 500 Euro vom Staat rund 6.000 Euro werden – vorausgesetzt, die angenommene Wertentwicklung tritt tatsächlich ein.

So funktioniert es

Das Gesetzespaket soll noch im Oktober in Begutachtung gehen. Die ersten Depots sollen ab 1. Juli 2027 bei teilnehmenden Banken eröffnet werden können.

Diese Regeln gelten für das Zukunftsdepot:

Eröffnung ab 1. Juli 2027 möglich

500 Euro Startguthaben für ab 1. Jänner 2027 geborene Babys

Maximal 5.000 Euro jährlich können eingezahlt werden

Keine Kapitalertragssteuer (KESt) für den Depotwert einschließlich der Wertzuwächse bis zum 18. Geburtstag

Kostenlose Depotführung bei teilnehmenden Banken

Fondsgebühren bis maximal ein Prozent jährlich.

Nur breit gestreute Fonds sind erlaubt. Einzelaktien und Kryptowährungen sind ausgeschlossen

Geld gehört dem Kind: Bis zum 18. Geburtstag bleibt das Vermögen grundsätzlich gesperrt

Mit 18 Jahren können die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie das Geld etwa für Führerschein, Ausbildung oder die erste eigene Wohnung verwenden oder weiter investieren.

40 Millionen für "Babyprämie"

Finanziert wird die Maßnahme aus dem Familienlastenausgleichsfonds. Die "Babyprämie", also den Startbonus, kostet 40 Millionen Euro im Jahr. Die sind im Doppelbudget 2027/28 vorgesehen. Danach bräuchte es eine neue Finanzierung.

Was die KESt-Befreiung betrifft, rechnet das Finanzministerium mit entgangenen Einnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro bis 2031.

"Das Zukunftsdepot soll der Bausparer der nächsten Generation werden", erklärt Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP): "Wer früh beginnt, gibt auch kleinen Beträgen viele Jahre, um zu wachsen."

Neos-Kapitalmarktsprecher Christoph Pramhofer betont: "Wir wollen eine Politik, die Vermögensaufbau erleichtert, statt ihn zu erschweren und gleichzeitig die Finanzbildung stärken."

Kritik: "Wohlhabende profitieren mehr"

Kritik gibt es allerdings an der sozialen Treffsicherheit. Volkshilfe und Arbeiterkammer (AK) prangern an, dass vor allem finanziell besser gestellte Familien profitieren. Jene, die jährlich 5.000 Euro für ihre Kinder anlegen können, würden von der Steuerbegünstigung wesentlich stärker profitieren als jene, denen am Monatsende nichts übrig bleibt.

Laut einer AK-Analyse leben nur vier Prozent der Kinder in Haushalten, die das Zukunftsdepot aufgrund ihres bisherigen Sparverhaltens voll ausschöpfen könnten. Die Hälfte der Familien kann hingegen gar nichts sparen oder veranlagen.

„Zuerst wird mit einem steuerfreien Zukunftsdepot geworben, dann kommt die Einschränkung im Kleingedruckten.“
Nina Tomaselli Finanzsprecherin der Grünen

Grüne sehen "Mogelpackung"

Grünen-Finanzsprecherin Nina Tomaselli geht mit dem Regierungsprojekt ebenfalls hart ins Gericht: "Die Regierung verspricht Geldvermehrung im Schlaf. Wer das Risiko trägt und wie das Vermögen der Kinder geschützt wird, bleibt offen“, kritisiert sie.

Vom Versprechen einer umfassenden Steuerbefreiung bleibe bei näherem Hinsehen weniger übrig, so Tomaselli. So sollen laufende Zinsen und ausgeschüttete Dividenden weiterhin der Kapitalertragsteuer unterliegen. „Zuerst wird mit einem steuerfreien Zukunftsdepot geworben, dann kommt die Einschränkung im Kleingedruckten", ärgert sich die Grün-Politikerin.

sea, 21.10.2026, 21:40