Mit mehr als 5.000 Rückmeldungen aus der Bevölkerung, von Unternehmen und aus der Verwaltung hat Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria den ersten Entbürokratisierungsbericht Österreichs vorgestellt.
Ziel des Berichts ist es, erstmals wissenschaftlich aufzuzeigen, wo Bürokratie entsteht, welche Kosten sie verursacht und wo Reformen den größten Nutzen bringen könnten.
"Über Bürokratie wurde jahrzehntelang diskutiert. Heute verlassen wir das Bauchgefühl. Wir wissen erstmals systematisch, wo und wie genau uns Bürokratie zurückhält. Das verändert die Art, wie wir künftig reformieren werden", sagte Schellhorn.
Laut Bericht zählen Digitalisierung, Föderalismus und Kompetenzverteilung sowie Berichts- und Dokumentationspflichten zu den größten Problemfeldern. Die begleitende Studie von EcoAustria sieht bei einem ambitionierten Bürokratieabbau ein volkswirtschaftliches Potenzial von bis zu 20 Milliarden Euro jährlich.
Mit Stand 1. Juli 2026 wurden bereits 58 Prozent der Maßnahmen umgesetzt bzw. befinden sich in den finalen Schritten der Umsetzung. Bei vier Prozent der Maßnahmen wurde bisher noch nicht mit der Umsetzung begonnen.
Wie "Heute" bereits vorab berichtete, fallen manche der eingelangten Beschwerden besonders kurios aus. So betrifft ein Beispiel etwa den Zoll: "Dem Zoll muss ich heute noch per Fax melden, wann ich Inventur mache. Ein Faxgerät besitzt zwar kaum noch jemand – E-Mail wäre aber nicht rechtsgültig."
Auch im Gesundheitsbereich sorgte Bürokratie für Frust. Ein Betroffener schilderte, dass er für eine Kostenrückerstattung fünf Stunden quer durchs Land fahren musste. Der Termin beim Chefarzt habe lediglich fünf Minuten gedauert – dieser machte ein Foto der Zahnschiene.
Das Staatssekretariat will die eingelangten Rückmeldungen auch künftig wissenschaftlich auswerten und Reformvorschläge daraus ableiten.
Schellhorn appellierte dabei an Bund, Länder und Gemeinden, den Bürokratieabbau gemeinsam voranzutreiben: "Ich kann zuhören. Ich kann Vorschläge sammeln. Ich kann sie wissenschaftlich fundieren, priorisieren und in die Regierungskoordinierung einbringen. Aber ein einzelner Staatssekretär allein kann Österreich nicht entbürokratisieren. Dafür braucht es den Reformwillen aller politischen Ebenen."