Mehr als 40 Schulen aus ganz Österreich haben ihr Interesse bekundet, am Schulversuch der sechsjährigen Volksschule teilzunehmen. Darunter sind sowohl Volksschulen als auch Mittelschulen und Gymnasien, die in Betracht ziehen, den Schulversuch ab dem Schuljahr 2027/28 oder 2028/29 an ihren Standorten umzusetzen. Das hat das Bildungsministerium am Mittwoch per Aussendung mitgeteilt.
"Dass sich mehr als 40 Schulen aus ganz Österreich für den Schulversuch interessieren, ist ein starkes Signal. Es zeigt, dass viele Pädagoginnen und Pädagogen bereit sind, neue Wege zu gehen und die Bildung für unsere Kinder weiterzuentwickeln. Wir wollen Kindern mehr Zeit geben, ihre Stärken zu entdecken, ihre Grundkompetenzen zu festigen und ihren Bildungsweg selbstbewusst zu gestalten", sagt Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos).
Die eingelangten Interessensbekundungen sind laut Ministerium der Auftakt für die nächste Phase. Nun gehe es darum, die Voraussetzungen für eine Teilnahme zu klären und gemeinsam mit den Schulpartnern zu entscheiden, ob der Schulversuch am jeweiligen Standort umgesetzt werden soll.
Für die Durchführung eines Schulversuchs ist die Zustimmung von zwei Dritteln der involvierten Eltern und Lehrkräfte Voraussetzung. Die Schulen informieren dazu im Rahmen von Informationsabenden vor Ort. Dabei sollen offene Fragen geklärt und die Perspektiven von Eltern, Lehrkräften und weiteren Schulpartnern einbezogen werden.
Das Ziel des Bildungsministeriums bleibt, zunächst fünf Volksschulen mit passenden Kooperationsschulen in drei Bundesländern für den Start des Schulversuchs 2027/28 zu gewinnen.
Mit den interessierten Standorten wird eng zusammengearbeitet. Die Direktorinnen und Direktoren erhalten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Anregungen einzubringen und den Schulversuchsplan gemeinsam mit dem Ministerium zu gestalten.
"Ein Schulversuch wie dieser kann nur gelingen, wenn er von den Menschen getragen wird, die ihn vor Ort umsetzen. Deshalb wollen wir die Schulleitungen und Lehrpersonen frühzeitig einbinden und ihre Expertise nutzen. Unser Ziel ist ein pädagogisch überzeugendes Modell, das in der Praxis funktioniert und Kindern bessere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet", so Wiederkehr.
Mit der sechsjährigen Volksschule soll die Entscheidung zwischen AHS und Mittelschule künftig erst nach der sechsten Schulstufe und damit im Alter von zwölf statt zehn Jahren erfolgen. Kinder erhalten dadurch zwei zusätzliche Jahre, um ihre Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Grundkompetenzen zu festigen, betont das Ministerium. Ein durchgängiges pädagogisches Konzept, individuelle Förderung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen sollen einen sanfteren Übergang in die Sekundarstufe I ermöglichen.