Vor 20 Jahren sorgte Al Gore mit "Eine unbequeme Wahrheit" (engl. An Inconvenient Truth) über die globale Erwärmung und ihre Ursachen weltweit für Aufsehen. Der Dokumentarfilm rüttelte wach – sogar die FPÖ.
"Veränderungen des Klimas und dadurch ausgelöste Naturkatastrophen sind die Folgen eines zu sorglosen Umganges mit unseren wertvollen Ressourcen", hielten die Freiheitlichen in einem Entschließungsantrag vom 16. Jänner 2007 folgend fest. Der Al-Gore-Film sei bestens dazu geeignet, um "Jung und Alt die Problematik des Klimawandels näher zu bringen".
Sie forderten daher, allen heimischen Schulen eine DVD des Klima-Films kostenlos zur Verfügung zu stellen. Geschätzte Gesamtkosten: 200.000 Euro. "Eine Investition, die vertretbar ist und dem Verständnis für Umwelt und Klima sehr zugute kommt", betonte Norbert Hofer damals in mehreren Aussendungen zu dem Thema. Die FPÖ rühmte sich darin sogar, diese Idee vor den Grünen gehabt zu haben.
20 Jahre später wollen die Blauen von der "unbequemen Wahrheit" nichts mehr wissen. Al Gore zieht im Gespräch mit dem US-Sender ABC jedoch ein klares Fazit zu seinen damaligen Warnungen: "Leider ja", antwortete er auf die Frage, ob die Warnungen von damals heute noch gültig seien. Die meisten Prognosen aus seinem Oscar-prämierten Film hätten sich inzwischen bewahrheitet. "Die Wissenschaft hatte völlig recht", sagte er.
Besonders die Entwicklung der globalen Temperaturen sieht Gore als Beleg. Die vergangenen elf Jahre waren laut internationalen Klimadaten die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die Zunahme extremer Wetterereignisse entspreche den damaligen Vorhersagen.
Der US-Politiker kritisierte scharf, dass weiterhin enorme Mengen an Treibhausgasen ausgestoßen werden. "Es ist wirklich wahnsinnig, dass wir den Himmel weiterhin als offene Kloake nutzen und jeden Tag so viel Wärme zurückhalten, dass dies der Menge entspricht, die freigesetzt würde, wenn täglich 800.000 Hiroshima-Atombomben auf der Erde explodieren würden", sagte Gore während des Interviews auf seiner Familienfarm in Tennessee.
Ein weiterer zentraler Punkt seines Films war der Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre. 2006 lag der Wert bei rund 380 Teilen pro Million, mittlerweile sind es mehr als 430. Damit liegt der CO2-Gehalt deutlich über dem Niveau vor der Industrialisierung.
Dass nicht bereits deutlich mehr ist, führt Gore vor allem auf den starken Ausbau erneuerbarer Energien in den letzten zehn Jahren zurück. Diese Entwicklung habe den Verbrauch fossiler Brennstoffe gebremst. "Das sind sehr gute Nachrichten".
Als positives Signal nennt Gore die rasante Entwicklung der Solarenergie. In den USA erzeugte Sonnenstrom zuletzt erstmals mehr Energie als Kohlekraftwerke. Trotzdem sei das Klimaproblem längst nicht gelöst.
Der Nobelpreisträger warnt zudem davor, den Klimawandel politisch kleinzureden. Besonders kritisch sieht er den Rückzug der USA aus internationalen Klimaschutzabkommen und die Lockerung von Umweltauflagen.
"Den USA geht es schlecht", sagte Gore. "Wir schaden uns selbst, indem wir so tun, als wäre das alles nicht real und als müssten wir nichts dagegen unternehmen." Inzwischen sprechen aber auch die Markt-Mächte in den Vereinigten Staaten eine deutliche Sprache. Sie gieren nach billiger erneuerbarer Energie – Windpark-Hasser Donald Trump zum Trotz.
Angesprochen auf den boomenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz, zeigte sich Gore zwar besorgt über den steigenden Energiebedarf von Rechenzentren. Diese seien aber "kein Grund zu Panik". Die Technologie biete nämlich auch großes Potenzial, um Emissionen zu senken und Energie effizienter zu nutzen.
Für Gore bleibt der Klimawandel vor allem eine moralische Verpflichtung. Er vergleicht den Kampf gegen die Erderwärmung mit historischen Bewegungen wie der Abschaffung der Sklaverei oder dem Einsatz für Frauenrechte. "Das ist keine politische Frage", betonte der 78-Jährige. "Es geht darum, was richtig ist."