Spiele-Test

"Ancient Farm" – Wenn Ägyptens Sand zum Acker wird

Kein Traktor, kein Komfort – nur du und die Wüste: Wir haben "Ancient Farm" auf Steam getestet. Ist das Farming-Abenteuer ein Geheimtipp?
Rene Findenig
14.01.2026, 18:39
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"Ancient Farm" ist eine Bauernhof-Simulation – allerdings eine mit Besonderheiten. Sie ist ein ungewöhnlicher Ausflug in die Landwirtschaft des alten Ägyptens, bei dem kein Traktor und keine automatische Bewässerungsanlage in Sicht ist – sondern nur du, deine Hände und ein Stück unbebaute Wüste. Entwickelt vom Studio A2 Softworks und am 7. Jänner 2026 auf Steam veröffentlicht (PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2 folgen noch im heurigen Jahr), liefert dieses Spiel ein raues, entschleunigtes Farming-Erlebnis, das mit klassischer Farm-Routine und historischem Flair spielt.

Das Szenario von "Ancient Farm" wirft dich in der Ego-Perspektive auf ein Stück leeres Land im alten Ägypten, wo du von null startest und alles selbst aufbaust – ganz ohne moderne Hilfsmittel. Deine Werkzeuge sind ursprünglich, deine Aufgaben sind händisch: Pflügen, Säen, Bewässern, Düngen und Ernten müssen in jedem Fall selbst erledigt werden. Es gibt keine Automatisierung, keine Abkürzungen – jede Entscheidung und jede Handlung liegt in deiner Hand. Diese Rückkehr zu den Wurzeln der Landwirtschaft erzeugt eine besondere Atmosphäre: Der Spieler erlebt echte "Handarbeit", was spannend sein, aber auf Dauer auch frustrieren kann.

Manuelle Aufgaben als Kern des Gameplays

Das karge Setting unter der ägyptischen Sonne ist in jedem Fall spürbar. Für Fans klassischer Farm-Simulationen fühlt sich das wie eine Zeitreise an, bei der Ressourcenmanagement, Planung und körperliche Arbeit im Vordergrund stehen. Was "Ancient Farm" zudem besonders macht, ist die Art und Weise, wie viele Aufgaben völlig manuell sind. Du beginnst mit einfacher Feldarbeit: Jedes Beet muss persönlich bearbeitet werden, Wasser musst du aus dem Fluss holen, und jede Bewässerung will gründlich geplant sein. Es gibt sichtbare Wachstumsphasen, und falsche Entscheidungen – etwa zu spätes Bewässern – können deinen Ertrag schmälern.

Im schlimmsten Fall steht man gar vor dem Verlust der Ernte. Diese Herangehensweise vermittelt ein Gefühl von echter Arbeit, aber sie bringt auch Frustpotenzial mit sich. Wenn ein Großteil des Spiels darin besteht, dieselben Grundaufgaben zu wiederholen, kann das nach einer Weile monoton wirken – besonders wenn keine Automatisierung oder beschleunigende Mechaniken vorhanden sind. Zudem hat das Wirtschaftssystem seine Tücken: Das Verkaufen großer Mengen von Erntegut kann den Marktpreis negativ beeinflussen, und ohne schnelle Verkaufsschnittstelle werden aus simplen Verkäufen schnell mühselige Klick-Marathons.

Tiere, Werkzeuge und Dorfleben für langfristige Ziele

Im Laufe des Spiels kannst du mehr als nur Pflanzen anbauen: Es gibt Viehhaltung, Werkzeuge zum Herstellen und Waldbewirtschaftung. Du hältst Kühe, Schafe, Schweine und Hühner, die weitere Ressourcen liefern, und sogar Ochsen, die dir das Pflügen erleichtern. Zusätzlich dienen Händler, die saisonal auftauchen, als Marktplatz, wo du Saatgut und Tiere kaufen und deine Waren verkaufen kannst. Diese Elemente fügen dem Spiel Tiefe hinzu und geben dir langfristige Ziele. Allerdings bleibt die Welt grafisch und erzählerisch relativ ruhig und unverändert, was auf Dauer die Immersion etwas dämpfen kann.

Tiere und Werkzeuge sind zwar funktional, aber nicht sonderlich aufregend, sobald man sich an die Mechaniken gewöhnt hat. Optisch bewegt sich "Ancient Farm" auf einem soliden Niveau, das die rustikale, historische Stimmung gut transportiert. Die Farbpalette ist warm und erdig, und die Darstellung des Ackerlands und der umgebenden Flusslandschaften passt zum Thema. Doch während die Optik funktional und angenehm ist, fehlt es an spektakulären Details oder visuellen Highlights, die den Titel aus der Masse der Farm-Simulationen herausheben würden. Klänge und Musik sind ebenso dezent gehalten.

Gute Idee mit eher dezenter, aber spaßiger Umsetzung

Die Tonkulisse unterstreicht eher die ruhige, geduldige Spielweise, als sie zu dramatisieren. Für manche mag dies zur Entspannung beitragen, andere wiederum könnten sich mehr akustische Lebendigkeit oder Atmosphäre wünschen – mehr Umgebungsgeräusche und charakteristische Melodien, die zur Welt passen. Das Setting im alten Ägypten verleiht "Ancient Farm" indes einen unverwechselbaren Charakter. Die Idee, Landwirtschaft ohne moderne Technik zu erleben, ist spannend und gelungen umgesetzt. Es ist eine Art Simulation der landwirtschaftlichen Lebenswirklichkeit vor Jahrhunderten, bei der jede Aufgabe spürbar Zeit und Fokus fordert.

Allerdings bleibt die Welt oft leise. Es gibt wenige andere NPCs außerhalb der Händler, keine dynamischen Ereignisse oder eine erzählerische Tiefe, die die Umgebung lebendig werden lässt. Dies führt dazu, dass die Welt sich manchmal ein wenig leer und unbewegt anfühlt. Auch wenn "Ancient Farm" viele faszinierende Konzepte bietet, zeigen sich im Spielverlauf auch klare Grenzen: Das Fehlen weiterer Progressionsmechaniken, wie etwa ein Wachstum deines Dorfes oder dynamischere Herausforderungen, sorgt dafür, dass das Gameplay auf Dauer repetitiv wirken kann. Pflanzenpflege, Handarbeit und Handel wiederholen sich ohne Überraschungen.

Charmante Simulation, aber mit Luft nach oben

Die Welt bietet bisher auch keine Tag-Nacht-Zyklen oder Wettereffekte. Dies mag für ein ruhiges Spiel kein Muss sein, doch aus Sicht mancher Spieler mindert es die Immersion und lässt das Spielerlebnis statisch erscheinen. "Ancient Farm" ist ein ungewöhnlicher Vertreter der Bauernhof-Simulationen: rau, geduldig, entschleunigt und vollgepackt mit manueller Arbeit – ein Erlebnis, das seine Stärken vor allem im historischen Setting und der direkten Spielweise hat. Für Spieler, die gern jede Aufgabe selbst erledigen und sich in eine ruhige, herausfordernde Farm-Routine vertiefen wollen, bietet der Titel viel Zeit zum Nachdenken und Planen.

Doch der mangelnde Fortschritt über die Grundmechaniken hinaus, das repetitiv werdende Gameplay und die eher funktionale Präsentation sorgen dafür, dass "Ancient Farm" nicht zum neuen Pflichtspiel im Genre wird. Es bleibt ein solider, aber nicht unbedingt spektakulärer Titel – ideal für Fans, die eine einzigartige historische Farm-Erfahrung suchen, aber mit den Gedulds- und Wiederholaufgaben leben können.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 14.01.2026, 18:39
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