Im ORF sorgt der nächste Fall für Aufsehen: Die Staatsanwaltschaft Wien führt Ermittlungen wegen eines Anfangsverdachts gegen den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer. Auslöser ist ein Telefonat mit dem damaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann aus dem Jahr 2025 – "Heute" berichtete.
Im Raum steht der Verdacht der Nötigung. Laut einem Bericht der "Kronen Zeitung" soll Lederer bei dem Gespräch Forderungen zu Personalentscheidungen – unter anderem rund um die Chefredaktion – sowie zu Produktionsaufträgen gestellt haben. Dabei soll auch der Satz gefallen sein: "Das war’s dann mit dem General!"
Im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" bestreitet Lederer ein Fehlverhalten. Gespräche mit der ORF-Geschäftsführung seien Teil seiner Aufgabe als Vorsitzender des Stiftungsrats.
"Das ist der übliche Vorgang", so Lederer. Aufsichtsräte müssten sich regelmäßig mit der Geschäftsführung abstimmen. "Da gibt es national und international keinen anderen Umgang. Man verkehrt ja nicht brieflich."
Er betont außerdem: "Ich sehe darin überhaupt nichts Verwerfliches. Es ist die Pflicht des Vorsitzenden, immer dran zu bleiben."
Laut Lederer sei ihm nicht bekannt, auf welches Telefonat sich die Ermittlungen beziehen. "Ich kenne diesen Vorfall nicht. Ich bin auch nicht einvernommen oder mit irgendetwas konfrontiert worden."
Auch die Darstellung eines aggressiven Gesprächs weist er zurück. Seine Gespräche hätten "nichts Mafiöses an sich". Welche konkreten Vorwürfe gegen ihn erhoben würden, wisse er derzeit ebenfalls nicht.
Hinter den Ermittlungen vermutet Lederer einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden Arbeitsrechtsprozess von Ex-Generaldirektor Roland Weißmann gegen den ORF.
"Ich halte das für eine Anpatzerei von Roland Weißmann, die er einsetzt, um für seinen Arbeitsrechtsprozess gegen den ORF in eine bessere Position zu kommen."
Weiter erklärt Lederer: "Er besudelt alles, um sich eine größere und bessere Rechtsposition für seine Geldansprüche zu organisieren. Er hat auch den 'Falter' geklagt, er hat das Opfer geklagt. Aber der ORF wird sich gut aufstellen und keinen Cent Gebührengeld mehr für den Generaldirektor außer Dienst ausgeben."
Zu weiteren Details wollte sich der Stiftungsratsvorsitzende mit Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht nicht äußern. Er zeigte sich dennoch gelassen: "Ich sehe dem Ganzen sehr gelassen entgegen, weil es Rechtsfakten gibt, die all das ad absurdum führen."
Die "Salzburger Nachrichten" ersuchten auch Roland Weißmann und dessen Anwalt Oliver Scherbaum um eine Stellungnahme. Diese lag zunächst nicht vor.