Das Aus für den Tiefkühlriesen Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird für Hunderte Beschäftigte zur Zerreißprobe. Ende Dezember wird die Gemüseproduktion eingestellt, im August 2027 soll das Werk endgültig zusperren. Besonders bitter: Unter den Betroffenen sind zahlreiche Familien, in denen beide Elternteile bei Ardo arbeiten. Jetzt verrät Betriebsrat Dietmar Breiner im "Heute"-Gespräch, wie es für die Mitarbeiter weitergeht.
"Wir haben den ganzen Tag Verhandlungen über den Sozialplan. Die Verunsicherung unter unseren Mitarbeitern ist natürlich groß", berichtet Breiner am Freitag, 23. Oktober, im "Heute"-Gespräch. Für die Belegschaft gibt es bereits einen konkreten Zeitplan. "Es wird drei Kündigungswellen geben, Ende Dezember, im März und Ende Juni", erklärt der Betriebsrat.
Besonders belastend: Schon vor einer Woche erfuhren die Beschäftigten, mit welchem Datum sie voraussichtlich ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Damit ist für viele klar, wie lange sie noch bei Ardo arbeiten können. Wie es danach weitergeht, bleibt ungewiss.
Hinter den rund 240 betroffenen Arbeitsplätzen stehen zahlreiche persönliche Schicksale. Besonders hart trifft es Familien, deren gesamtes Einkommen am Ardo-Werk hängt. "Es gibt viele Familien, wo beide Elternteile bei Ardo arbeiten, Familien mit jungen Kindern, die gerade ein Haus bauen", schildert Breiner die dramatische Situation.
Für diese Familien steht damit besonders viel auf dem Spiel. Während Kreditraten und laufende Kosten weiterbezahlt werden müssen, droht beiden Elternteilen auf einen Schlag der Verlust des Arbeitsplatzes.
Breiner will die Belegschaft in dieser schwierigen Phase nicht alleinlassen. Derzeit wird intensiv über einen Sozialplan verhandelt, der die Folgen der Schließung für die Beschäftigten abfedern soll. Auch die Politik ist eingeschaltet. "Ich bin darum ständig im Austausch mit der Politik und habe schon im Parlament und im NÖ-Landtag darüber gesprochen", erklärt der Betriebsrat.
Doch nicht nur die Beschäftigten zittern um ihre Zukunft. Auch rund 500 bäuerliche Betriebe im Marchfeld könnten durch die Schließung ihren wichtigsten Abnehmer verlieren. Allein im Vorjahr wurden laut FPÖ rund 40.000 Tonnen Gemüse im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sucht deshalb nach einer alternativen Lösung für die heimische Tiefkühlgemüseproduktion – "Heute" berichtete. Mehrere Unternehmen und Investoren sollen bereits Interesse zeigen. Der Konzern selbst hält jedoch an der Schließung fest.
Besonders brisant: Im Ardo-Werk befindet sich Österreichs einzige Produktionslinie für Tiefkühlspinat. Ob es im kommenden Jahr weiterhin heimischen Tiefkühlspinat zu kaufen gibt, ist deshalb ungewiss.
Während die Politik noch um eine Lösung für die Gemüseproduktion ringt, läuft für die Ardo-Belegschaft bereits der Countdown. Die erste Kündigungswelle ist für Ende Dezember vorgesehen, weitere sollen Ende März und Ende Juni folgen.
Für jene Familien, in denen beide Eltern bei Ardo beschäftigt sind, könnte das Werks-Aus damit gleich zwei Arbeitsplätze auf einmal kosten. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der viele junge Familien jeden Euro brauchen.