Zum Abschluss seiner mehrtägigen China-Visite traf Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) am Freitagnachmittag (Ortszeit) in Peking den mächtigen chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping zu einem Arbeitsgespräch. "Heute" sprach kurz danach am Telefon mit dem Kanzler und fragte ihn nach einer ersten Bilanz.
"Wir haben in aller Offenheit auch schwierige Themen angesprochen", so Stocker zu "Heute" – "den Konflikt in der Ukraine, die Situation im Nahen Osten". Es sei wichtig, angesichts der mannigfaltigen Herausforderungen im persönlichen Gespräch eine Vertrauensbasis zu schaffen.
Er habe Xi Jingping als "freundlich und sympathisch" empfunden, sagt Stocker. "Es gab von uns beiden das Bemühen um gegenseitiges Verständnis."
Wie lange das Treffen gedauert habe? "Eine Dreiviertelstunde, länger als geplant", so Stocker. Als Gastgeschenk brachte der Kanzler dem chinesischen Staatschef ein Teeservice der österreichischen Traditions-Marke Augarten sowie verschiedene Teesorten mit. Ob er sich gefreut habe? "Ich hoffe schon", sagt Stocker. Auch er bekam ein Geschenk von Xi – das hatte er aber dem Protokoll folgend noch nicht ausgepackt.
Im Fokus standen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und China. Das Reich der Mitte ist nach Deutschland und Italien unser größter Handelspartner. Allerdings gibt es ein Ungleichgewicht – während Österreich im Jahr 2025 aus China Waren im Wert von 17,5 Milliarden Euro importierte, betrug der Export nach China nur fünf Milliarden Euro. Das Ungleichgewicht besteht ebenso auf europäischer Ebene.
Auch das wurde mit Xi angesprochen. "Er hat betont, dass China kein Interesse an einem Handelsüberschuss hat", so Stocker. "China will keine Handelskonflikte, sondern wieder mehr Handelsfrieden."
Es gehe um den Ausbau der lang andauernden Zusammenarbeit zwischen China und Österreich auf verschiedenen Ebenen, "so dass beide davon profitieren können", so Stocker. Auch Xi wolle die Partnerschaft "vertiefen".
Hinsichtlich der Situation in der Ukraine habe man die beiderseitigen Standpunkte deutlich angesprochen. "Ich habe klar gemacht, dass ich auf dem Boden der europäischen strategischen Interessen stehe", sagt Stocker. Xi habe sich deutlich für die Teilnahme Europas an Gesprächen zu einer Lösung des Konflikts ausgesprochen.
Für Österreich sei dieses Treffen jedenfalls von großer Bedeutung gewesen. "Ein persönliches Gespräch schafft eine ganz andere Basis und ist auch im digitalen Zeitalter unersetzlich", so der Kanzler zu "Heute". Stocker erneuerte auch die bereits von Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausgesprochene Einladung an Xi zu einem Staatsbesuch in Wien.