Die Ära von SPÖ-Chef Andreas Babler neigt sich dem Ende zu. In den rund dreieinhalb Jahren seit seinem Amtsantritt erzielte die einst stolze Sozialdemokratie ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Nationalratswahl (21,1 Prozent). In einer OGM-Umfrage vom Oktober lag die Partei nur noch bei zwölf Prozent – sogar hinter den Grünen.
Besonders deutlich wird der Absturz, wenn man die aktuellen Umfragewerte mit jenen der späten Rendi-Wagner-Ära vergleicht. Im Frühjahr 2023 lagen die Roten noch bei rund 24 Prozent, bevor Babler im Juni den Parteivorsitz übernahm. Seither ging es für die SPÖ in den Umfragen steil bergab.
Wie eine Auswertung des Meinungsforschungsinstituts OGM zeigt, wanderten in dreieinhalb Jahren rund 500.000 Wähler von der SPÖ ab. Für die Auswertung verglich OGM Umfragedaten aus der Zeit des Amtsantritts Bablers im Juni 2023, als die Sozialdemokraten bei 23 bis 24 Prozent lagen, mit den aktuellen Daten (13-14 Prozent).
Als Basis der Analyse wurden 1.074 Personen ausgewertet, die 2023 noch angaben, die SPÖ zu wählen, und seither bei anderen Parteien angedockt sind bzw. gar nicht wählen wollen. Es wurden also dieselben Personen wiederholt befragt. Ein Prozentpunkt in der Sonntagsfrage entspricht dabei in etwa 50.000 Wählern.
Die meisten Wähler verlor die Babler-SPÖ laut einer OGM-Auswertung an die Grünen (145.000). Auch die Kommunisten fischen im linken Lager mit: Rund 65.000 ehemalige SPÖ-Wähler wanderten zur KPÖ ab. Besonders brisant: Insgesamt 165.000 Wähler wechselten ins rechte bzw. konservative Lager. 110.000 wanderten in Richtung FPÖ ab, weitere 55.000 zur ÖVP. Auch die NEOS profitierten mit 60.000 Wählern. Rund 65.000 ehemalige SPÖ-Wähler wollen gar nicht mehr zur Urne schreiten.
In der noch verbliebenen SPÖ-Wählerschaft erkennt OGM-Analyst Johannes Klotz zwei Gruppen und ein Dilemma: "Junge, prononciert links geprägte Städter und ältere Stammwähler 65 plus." Es sei "also schwierig, diese beiden heterogenen Gruppen programmatisch anzusprechen".
Das versucht die Partei mit ihrer Neuausrichtung, für die am Mittwoch als erster Schritt der Außenauftritt auf allen Kanälen geändert wurde. Der unter Babler entwickelte Slogan "Ordnen statt Spalten" hat ausgedient. Künftig wirbt die SPÖ mit der Devise "Österreich braucht".