Der Skandal um möglicherweise verunreinigte Babymilch beschäftigt nun auch die österreichische Justiz. In Wien und Innsbruck wurden Ermittlungen gegen Lebensmittelkonzerne aufgenommen.
Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt im Zusammenhang mit Danone, die Staatsanwaltschaft Wien gegen Nestlé. Das bestätigten die Behörden. Zuvor hatte die Organisation Foodwatch Strafanzeige gegen die beiden Unternehmen erstattet.
Foodwatch erklärte am Donnerstag, mit den zuständigen Behörden in Kontakt zu stehen und Informationen für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung zu stellen.
Parallel dazu wurde in Dornbirn eine Zivilklage gegen Nestlé eingebracht. Foodwatch begrüßt diesen Schritt. Betroffene Eltern machen dabei Ansprüche nach dem Produkthaftungsgesetz sowie Schmerzensgeld und Kosten für den Pflegeaufwand geltend.
Die Familie ließ zudem ein mikrobiologisches Gutachten erstellen. Dieses könnte nach Einschätzung von Foodwatch auch für weitere Betroffene eine Grundlage für mögliche rechtliche Schritte bilden.
"Die aktuellen Geschehnisse stimmen uns vorsichtig optimistisch und zeigen, dass sich hartnäckige Aufklärungsarbeit lohnt. Endlich bekommt dieser Skandal die Aufmerksamkeit, die sich all die Betroffenen verdienen", sagte Markus Linkeseder von Foodwatch Österreich.
Nicht nur in Österreich beschäftigt der Fall die Justiz. Auch die französische Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer Anzeige von Foodwatch.
Nach Angaben der Organisation brachten Recherchen von Radio France, RTS und RTBF neue Erkenntnisse. Demnach soll die Staatsanwaltschaft einen konkreten Zusammenhang zwischen dem Konsum kontaminierter Säuglingsnahrung und dem Nachweis von Toxinen im Stuhl eines 24 Tage alten Babys bestätigt haben.
Foodwatch sieht darin einen möglicherweise wichtigen Bestandteil der Ermittlungen. Die betroffenen Konzerne hätten einen Zusammenhang bislang zurückgewiesen.
Seit Beginn des Skandals haben sich laut Foodwatch rund 90 Betroffene bei der Organisation gemeldet. Sie berichteten demnach von einem zeitlichen Zusammenhang zwischen der Verabreichung möglicherweise kontaminierter Babymilch und dem Auftreten von Symptomen.
Foodwatch kritisiert zudem den Informationsfluss in Österreich. "Laut unseren Informationen wurde das medizinische Personal in Österreich sehr spät über die Kontamination informiert, was zur Folge hatte, dass bei den erkrankten Säuglingen kaum Untersuchungen auf eine mögliche Cereulid-Vergiftung stattgefunden haben und wenn Stuhlproben genommen wurden, dann zu spät", erklärte Linkeseder.
Bereits im Winter hatten mehrere Hersteller in mehr als 60 Ländern Säuglingsnahrung zurückgerufen. Hintergrund war eine mögliche Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid. Dieser kann Durchfall und Erbrechen verursachen.
Neben Österreich wurden auch aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und dem Vereinigten Königreich Fälle gemeldet, die untersucht wurden.