Kind schwer erkrankt

Gift in Babymilch – Familie klagt jetzt Hersteller

Im Babymilch-Skandal gibt es nun die erste Strafanzeige in Österreich. Eine Tiroler Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen den Hersteller Danone.
Newsdesk Heute
23.03.2026, 09:39
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Im Skandal um mit Toxin belastete Babymilch gibt es nun erstmals rechtliche Konsequenzen in Österreich. Eine Tiroler Familie hat Strafanzeige gegen den Hersteller Danone eingebracht.

Hintergrund ist ein internationaler Lebensmittelskandal: Ein Unternehmen aus Wuhan lieferte 2025 mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigtes Öl, das in Milchpulver verarbeitet wurde. Laut "Foodwatch" meldeten sich allein in Österreich rund 220 Familien wegen erkrankter Kinder, das Gesundheitsministerium bestätigte neun Cereulid-Vergiftungen.

Fahrlässige Körperverletzung

Nun geht eine Tiroler Familie juristisch gegen einen Hersteller vor. Sie wirft Danone fahrlässige Körperverletzung bei ihrem im Juli 2025 geborenen Kind vor.

Der Innsbrucker Anwalt Lukas Staffler erklärt: "Es besteht der Verdacht, dass Verantwortliche des Unternehmens durch Inverkehrbringen eines möglicherweise mit Cereulid belasteten Produkts sowie durch unzureichende Qualitätskontrolle oder fehlerhafte Risikoanalyse sowie durch pflichtwidriges Unterlassen rechtzeitiger Gefahrenabwehrmaßnahmen nach Kenntniserlangung von Erkrankungen bereits im Oktober zumindest fahrlässig eine Körperverletzung verwirklicht haben können."

Kind zeigte schwere Symptome

Das betroffene Mädchen zeigte laut Ärzten mögliche Folgen der Vergiftung, darunter eine Gedeihstörung. Spätfolgen können nicht ausgeschlossen werden, inzwischen hat sich das Kind jedoch erholt.

"Ab Oktober hat sich das Kind dann immer wieder, teils schwallartig, übergeben. Weder für uns, die Hebamme oder den Kinderarzt waren ein Grund zu erkennen. Als das Kind dann schon in der unteren Gewichtskurve lag, sind wir in die Kinderklinik. Auch dort konnte erst nichts Konkretes festgestellt werden", so die Mutter gegenüber der "Tiroler Tageszeitung".

Auch danach habe sich der Zustand nicht verbessert: "Sie erbrach immer und immer wieder. Für uns war es eine enorme psychische Belastung. Auch die Kleine hatte erkennbar Angst und fing schon vor dem Füttern zu weinen an. Zum Schluss hatte sie das Flascherl regelrecht verweigert."

Hersteller reagierte – doch Problem blieb

Erst der Vater brachte die Babymilch als mögliche Ursache ins Spiel. Die Familie wandte sich daraufhin an den Hersteller. Zunächst reagierte Danone rasch und bat um Einsendung der Packung. Anfang November kam jedoch die Rückmeldung, dass "die sensorische und mikrobiologische Untersuchung einwandfrei" gewesen sei – gleichzeitig erhielt die Familie eine neue, ebenfalls belastete Packung.

Das Leid zog sich bis Ende Jänner. Noch kurz zuvor hatte Danone laut Familie erklärt, keine eigenen Produkte seien betroffen. Erst am 31. Jänner führte die AGES auch das verwendete Produkt in einer Warnliste. "Das machte mich richtig windig und ich fragte den Aptaclub, ob sie mich pflanzen wollen. Als Antwort kam dann nur noch ein Standardmail", so die Mutter.

Eine Entschuldigung habe sie bis heute nicht erhalten. Insgesamt fordert die Familie nun 21.000 Euro Schmerzensgeld. "Im Grunde kann kein Geld der Welt gutmachen, was man da meinem Kind angetan hat."

Konzern wechselte Lieferanten

Danone nahm zur Anzeige Stellung: "Wir bedauern zu hören, dass ein Kind krank war. Wir nehmen grundsätzlich jeden Hinweis auf gesundheitliche Beschwerden sehr ernst und prüfen ihn mit höchster Sorgfalt. Durch zusätzliche Kontrollen für Inhaltsstoffe können wir sicherstellen, dass alle jetzt im Handel erhältlichen Produkte sicher sind und den neuen Vorgaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) entsprechen. Darüber hinaus haben wir bereits den Lieferanten gewechselt."

Für die Angezeigten gilt die Unschuldsvermutung.

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