Diesel und Benzin waren laut Auswertung der Mobilitätsorganisation VCÖ im Juni deutlich günstiger als noch im Mai. Laut Daten der E-Control, die der VCÖ ausgewertet hat, lag der Medianpreis je Liter Diesel im Juni bei 1,779 Euro, um 13,8 Cent niedriger als im Mai. Eurosuper kostete im Median 1,694 Euro pro Liter, ein Minus von 10,5 Cent gegenüber dem Vormonat.
Noch deutlicher wird der Unterschied im Vergleich zum Höchstpreis vom 30. März: Damals kostete ein Liter Diesel im Höchstwert 2,244 Euro, aktuell sind es 1,699 Euro – ein Unterschied von 54,5 Cent. Bei Eurosuper ging es vom Höchstpreis 1,909 Euro auf aktuell 1,648 Euro, ein Minus von 26,1 Cent.
Was auffällt: Die staatliche Spritpreisbremse wurde von 4,5 Cent pro Liter im Mai auf nur noch 1,7 Cent im Juni reduziert. Trotzdem sind die Preise an der Zapfsäule nicht gestiegen, sondern weiter gesunken. "Die Spritpreisbremse hat keinen signifikanten Einfluss mehr auf die Treibstoffpreise", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.
Entscheidend sei es nun, so Schwendinger, Konsequenzen aus der Energiekrise zu ziehen. Besonders volatil war der Dieselpreis im März: Allein zwischen 1. und 30. März stieg er um 69 Cent. Weil ein Großteil der Lkw mit Diesel unterwegs ist, habe sich das direkt auf die Transportpreise ausgewirkt.
Schwendinger fordert deshalb zweierlei: Erstens sollen jene, die damals die Transportpreise erhöht haben, diese nun wieder senken. Zweitens sei die Politik gefordert, den Umstieg auf Elektro-Lkw sowie die Verlagerung auf die Schiene voranzutreiben, um Österreich unabhängiger von Dieselimporten zu machen.
In den Niederlanden etwa würden heuer bereits 83 Prozent der neu zugelassenen Klein-Lkw mit Elektromotor fahren – sechsmal so viele wie in Österreich, wo der Anteil erst bei 13,5 Prozent liegt. Während die Niederlande in fast 30 Städten sogenannte Null-Emissionszonen für Lkw eingeführt haben, hätte Österreich laut Schwendinger die NoVA für Diesel-Transporter sogar wieder abgeschafft. Laut VCÖ bremst das die dringend notwendige Energiewende bei Klein-Transportern massiv.
Auch die aktuelle Hitzewelle in Europa ist für den VCÖ ein Argument, den Treibstoffverbrauch zu senken. Das Ausmaß der Hitzewelle sei eine Folge des menschlich verursachten Klimawandels – und mit jedem weiteren Liter verbranntem Treibstoff werde dieser weiter angeheizt. "Je früher der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bei Neuwagen gelingt, desto besser für Gesundheit und Geldbörse der Bevölkerung und desto besser für Wirtschaft und Umwelt", fordert Schwendinger entsprechende Maßnahmen auf EU-Ebene und in Österreich.
Der VCÖ pocht zudem auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. So wie international bereits in einigen Ländern erfolgreich im Einsatz, sollten auch in Österreichs Ballungsräumen Schnellbusse mit eigener Busspur im Stadt-Umland-Verkehr eingesetzt werden. Das sollte Pendlerinnen und Pendlern auch dort eine Alternative zum Auto bieten, wo es keine optimalen Bahnverbindungen gibt.
Um das Potenzial des Radverkehrs und insbesondere der Elektrofahrräder nutzen zu können, müsse man zudem die Rad-Infrastruktur rascher und stärker ausbauen. "Einsparungen beim öffentlichen Verkehr und beim Ausbau der Radinfrastruktur kommen der Bevölkerung und der Umwelt teuer", sagt Michael Schwendinger. Der Anteil der Elektro-Pkw bei Neuwagen sei rascher zu erhöhen. In Dänemark seien heuer bereits 80 Prozent der neuzugelassenen Pkw Elektroautos, in Österreich erst 23 Prozent.
Auch Fahrgemeinschaften sollen stärker forciert werden: Das Mobilitätsministerium habe vor einigen Jahren eine eigene Sharing-Strategie präsentiert – an der Umsetzung der darin vorgeschlagenen Maßnahmen fehle es bisher aber.
Wer selbst sparen will, kann das laut VCÖ auch ganz ohne neue Gesetze: Langsamer fahren – etwa 100 oder 110 statt 130 km/h auf der Autobahn –, vorausschauend und niedertourig fahren, auf Dachboxen verzichten und auf den richtigen Reifendruck achten. Damit lasse sich der Verbrauch um rund 20 Prozent senken. Zum Vergleich: Eine Verbrauchsreduktion von 20 Prozent wirkt laut VCÖ so, als würde ein Liter Diesel statt 1,70 Euro nur noch 1,36 Euro kosten.