Kaum etwas kann einen lauen Sommerabend so zuverlässig ruinieren wie dieses Geräusch: Ssssssss. Schon beginnt die Suche nach der Gelse, die irgendwo neben dem Ohr ihre Runden dreht. Doch so nervig die kleinen Blutsauger sein können – für die Natur sind sie alles andere als überflüssig.
Mehr als 50 Gelsenarten sind hierzulande nachgewiesen. Am häufigsten ist die Gemeine Hausgelse, die sich besonders in Städten wohlfühlt. Regentonnen, Vogeltränken oder andere Gefäße mit stehendem Wasser reichen ihr bereits als Kinderstube.
Nach Hochwasser können hingegen sogenannte Überschwemmungsgelsen für unangenehme Überraschungen sorgen. Ihre Eier können laut Naturschutzbund jahrelang im trockenen Boden überdauern. Wird die Fläche überflutet, schlüpfen die Tiere – mitunter in großen Mengen.
Dabei setzt der Klimawandel manchen heimischen Gelsen durchaus zu. Laut Naturschutzbund weisen Erhebungen aus Wien seit 2020 auf einen Rückgang der Gemeinen Hausgelse um rund 70 Prozent hin. Lange Trockenperioden lassen Brutgewässer verschwinden, milde Winter mit starken Temperaturschwankungen können überwinternde Tiere zusätzlich belasten.
Gleichzeitig machen sich neue Arten breit. Die Asiatische Tigermücke wurde 2012 erstmals in Österreich nachgewiesen und 2022 bereits in allen Bundesländern festgestellt. Anders als die heimische Hausgelse ist sie auch tagsüber unterwegs. Auch Japanische und Koreanische Buschmücken breiten sich aus.
So gerne man nach dem dritten Stich auf sie verzichten würde: Gelsen haben einen Job. Erwachsene Tiere ernähren sich großteils von Nektar und helfen bei der Bestäubung. Einige Pflanzen sind sogar besonders stark auf Mücken als Bestäuber angewiesen.
Und auch auf dem Speiseplan anderer Tiere stehen sie weit oben. Gelsenlarven werden von Fischen, Kaulquappen und Wasserinsekten gefressen, ausgewachsene Tiere unter anderem von Libellen, Schwalben und Fledermäusen. Selbst die Larven leisten ihren Beitrag: Sie filtern Mikroorganismen und Schwebstoffe aus dem Wasser und unterstützen damit die natürliche Reinigung von Gewässern.
Die nächste Gelse am Ohr wird dadurch vermutlich nicht sympathischer. Aber vielleicht hat sie sich zumindest ein kleines bisschen Respekt verdient – bevor wir wieder nach der Fliegenklatsche greifen.