Wer "Castlevania" hört, denkt sofort an düstere Schauplätze, übernatürliche Gegner und natürlich die Peitsche, mit der sich die Belmont-Familie seit Jahrzehnten gegen die Mächte der Finsternis wehrt. Mit "Castlevania: Belmont's Curse" kehrt die Serie auf Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC zum klassischen 2D-Action-Abenteuer zurück. Diesmal steht mit Rose Belmont eine neue Heldin im Mittelpunkt, die sich in einem von Monstern heimgesuchten Paris behaupten muss. Entwickelt wurde das Spiel in Zusammenarbeit von Konami, Evil Empire und Motion Twin. Die Handlung spielt im Jahr 1499. Paris versinkt im Chaos, während Feuer, Dunkelheit und Kreaturen aus einer anderen Welt die Stadt bedrohen.
Rose ist die Tochter des bekannten Vampirjägers Trevor Belmont und der Magierin Sypha Belnades. Sie tritt damit ein Erbe an, das eng mit der Geschichte der Reihe verbunden ist. Der Wechsel zu einer neuen Hauptfigur gibt dem Abenteuer eine andere Perspektive, ohne die bekannten Wurzeln aufzugeben. Rose muss sich gegen Monster durchsetzen, gefährliche Wege überwinden und ihre Fähigkeiten richtig einsetzen. Ihr Familienname ist dabei mehr als bloße Dekoration: Die Geschichte knüpft an die lange Tradition der Vampirjäger an, stellt aber eine neue Generation in den Mittelpunkt. Die Handlung bleibt vor allem der Rahmen für das Spielgeschehen, lange Dialoge und Nebenhandlungen stehen nicht im Vordergrund.
Stattdessen wird die Geschichte durch die Schauplätze, die Begegnungen mit Gegnern und den Fortschritt im Abenteuer vermittelt. Das hält das Tempo hoch, lässt aber auch Raum für mehr Charakterentwicklung. Gerade Rose hätte an manchen Stellen etwas mehr Tiefe vertragen. Die Spielwelt gehört hingegen zu den Stärken von "Belmont's Curse". Statt ausschließlich auf graue Steinmauern und dunkle Korridore zu setzen, kombiniert das Spiel gotische Architektur mit kräftigen Farben, aufwendigen Hintergründen und auffälligen Lichteffekten. Paris wirkt wie eine Stadt, deren vertraute Straßen von einer übernatürlichen Bedrohung verschlungen wurden. Die unterschiedlichen Schauplätze sorgen für Abwechslung.
Enge Gassen, gefährliche unterirdische Bereiche und düstere Schlossräume setzen jeweils eigene Akzente. Die Kulissen sind bewusst überzeichnet und verbinden mittelalterliche Architektur mit grotesken Kreaturen. Auch die Animationen passen dazu. Rose bewegt sich flüssig durch die Umgebung, Angriffe gehen in Ausweichmanöver über und Sprünge wirken nicht wie starre Bewegungen zwischen zwei Plattformen. Die visuellen Effekte bei Angriffen und Fähigkeiten geben den Kämpfen zusätzliche Dynamik. Bei vielen Effekten gleichzeitig kann es allerdings schwieriger werden, den Überblick zu behalten. Du musst gegnerische Angriffe erkennen und Rose kontrollieren, statt dich allein auf schnelle Reaktionen zu verlassen.
Das Herzstück des Spiels ist die Bewegung. In klassischen "Castlevania"-Abenteuern dient die Peitsche vor allem dazu, Gegner auf Distanz zu halten. In "Belmont's Curse" spielt sie zusätzlich bei der Fortbewegung eine wichtige Rolle. Rose kann sich an geeigneten Punkten festhalten, über Abgründe schwingen und schwer erreichbare Plattformen ansteuern. Immer wieder musst du überlegen, wie du eine Umgebung überwinden kannst – und ein falsch angesetzter Schwung kann dazu führen, dass du eine Kante verfehlst. Bei manchen Passagen müssen mehrere Bewegungen unmittelbar aufeinanderfolgen. Anfangs braucht es etwas Übung, bis man den Rhythmus des Abenteuers gefunden hat.
Neben der Fortbewegung bilden die Kämpfe die zweite große Säule. Rose kann ihre Peitsche einsetzen, verschiedene Waffen verwenden und besondere Fähigkeiten nutzen. Insgesamt stehen sieben Waffenkategorien zur Verfügung. Hinzu kommen Relikte, die zusätzliche offensive oder defensive Effekte ermöglichen. Dadurch lässt sich der eigene Kampfstil verändern, statt sich während des gesamten Abenteuers auf dieselbe Angriffsmethode zu verlassen. Nicht jeder Gegner lässt sich zudem gleich besiegen. Manche Kreaturen geraten durch schnelle Angriffe unter Druck, andere verlangen mehr Abstand oder ein besseres Timing. Wer einfach ununterbrochen zuschlägt, riskiert, selbst zu viele Treffer einzustecken.
Rose bleibt dabei beweglich. Angriffe, Sprünge und Ausweichmanöver greifen ineinander, sodass du nicht dauerhaft an einer Stelle stehen bleiben musst. Besonders die Bosskämpfe fordern Konzentration. Zu den "Castlevania"-typischen Gegnern gehören Medusa, Carmilla und der Tod. Daneben treten neue Figuren auf, die sich in das düstere Universum einfügen. Diese Begegnungen sind mehr als gewöhnliche Kämpfe mit einem größeren Lebensbalken. Du musst Angriffsmuster erkennen, passende Zeitpunkte für eigene Treffer finden und deine Fähigkeiten sinnvoll kombinieren. Wer ungeduldig wird, verliert schnell die Kontrolle über die Situation. Wenn ein Boss mehrere Angriffe hintereinander ausführt, bleibt wenig Spielraum für Fehler.
Für zusätzliche Abwechslung sorgt das Arcana-System. Besiegte Bosse können in Tarotkarten gebunden werden, die Rose besondere Fähigkeiten verleihen. Die zusätzlichen Möglichkeiten ergänzen das Waffenarsenal, ohne die Bedeutung von Bewegung und Timing zu verdrängen. Auch Ausrüstungsgegenstände, die du während der Erkundung findest, eröffnen weitere Varianten. Waffen und Relikte ermöglichen es, einen eigenen Stil zu entwickeln. Du kannst offensiver vorgehen oder stärker auf taktisches Vorgehen setzen. Die Möglichkeiten verändern die Kämpfe, machen sie aber nicht automatisch einfach. Gute Reaktionen und ein Gefühl für die Bewegungen der Gegner bleiben in allen Fällen entscheidend.
"Belmont's Curse" folgt dem Prinzip eines Metroidvania. Dabei sind verschiedene Gebiete miteinander verbunden, während neue Fähigkeiten nach und nach weitere Wege öffnen. Du kehrst deshalb immer wieder an Orte zurück, die du bereits kennst, und entdeckst neue Abzweigungen oder versteckte Räume. Ein Weg, der zunächst in einer Sackgasse endet, kann nach dem Erlernen einer neuen Fähigkeit plötzlich weiterführen. Andere Bereiche verlangen, dass du einen Mechanismus verstehst oder deine Bewegungsfähigkeiten geschickt einsetzt. So entsteht ein Wechsel zwischen Kämpfen, Suchen und dem Überwinden von Hindernissen, der im neuen "Castlevania"-Abenteuer überraschend gut funktioniert.
Die Karte hilft dir, offene Wege im Blick zu behalten und unnötiges Herumlaufen zu vermeiden. Die Erkundung dreht sich nicht ausschließlich um Geheimnisse und verschachtelte Gebiete. Einen wichtigen Platz nehmen auch anspruchsvolle Plattformpassagen ein. Du musst Fallen überwinden, Sprünge richtig timen und mehrere Bewegungsabläufe miteinander verbinden. Sägeblätter, tödliche Abgründe und andere Hindernisse machen selbst kurze Wege zu einer Herausforderung. Wenn mehrere Hindernisse unmittelbar aufeinanderfolgen, kann ein kleiner Fehler den gesamten Bewegungsablauf zunichtemachen. Gleichzeitig ist es befriedigend, eine Passage nach mehreren Versuchen endlich zu schaffen.
Die Schwierigkeit ist allerdings Geschmackssache. Wer präzise Plattformspiele mag, wird die Herausforderungen schätzen. Wer bei solchen Passagen rasch die Geduld verliert, könnte sich wünschen, dass das Spiel weniger streng vorgeht. Vor allem längere Abschnitte können mühsam werden, wenn du eine Passage immer wieder von vorne angehen musst. Die Einstellungen erlauben es jedoch, die Herausforderung deutlich zu reduzieren. Selbst das Sterben lässt sich deaktivieren. Das macht das Abenteuer zugänglicher für Menschen, denen die Geschichte und das Erkunden wichtiger sind als möglichst schwierige Kämpfe. Schade, dass die Geschichte eher knapp bemessen bleibt.
Rose Belmont ist eine neue Hauptfigur, die in eine traditionsreiche Welt eingeführt werden muss. Als Tochter von Trevor Belmont und Sypha Belnades trägt sie ein Erbe mit sich, das untrennbar mit dem Kampf gegen Dracula verbunden ist. Die Handlung spielt 23 Jahre nach den Ereignissen von "Castlevania III: Dracula's Curse" und knüpft damit an einen sehr bekannten Abschnitt der Seriengeschichte an. Die Bedrohung von Paris bildet den Ausgangspunkt. Im Verlauf wird auch Roses persönliche Entwicklung wichtig. Sie muss ihren Platz in der Familie finden und sich mit der Verantwortung auseinandersetzen, die mit dem Namen Belmont verbunden ist. Ausführliche Dialoge und zahlreiche Nebenhandlungen bleiben jedoch aus.
In "Belmont's Curse" ergänzen Musik, Geräusche und visuelle Gestaltung einander. Die Kompositionen verbinden mittelalterlich geprägte Klänge mit moderneren Einflüssen und geben den Schauplätzen einen eigenen Charakter. Der Soundtrack unterstützt sowohl die Erkundung als auch die Kämpfe. In ruhigeren Momenten kann die Umgebung ihre Wirkung entfalten, während die Musik in gefährlichen Situationen zusätzliche Spannung erzeugt. Auch die Geräusche der Kämpfe sind stimmig. Angriffe, Treffer und besondere Fähigkeiten lassen sich akustisch voneinander unterscheiden. Für die Sprachausgabe stehen Englisch und Japanisch zur Verfügung. Deutsche Untertitel gibt es auch, eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht.
Nach längerer Pause steht die traditionsreiche Spielreihe vor einer besonderen Herausforderung. Die Erwartungen sind hoch, gleichzeitig hat sich das Genre in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Zahlreiche Actionspiele verbinden inzwischen Erkundung, anspruchsvolle Kämpfe und präzise Plattformpassagen. "Belmont's Curse" antwortet darauf mit einer Mischung aus vertrauten "Castlevania"-Elementen und stärker betonter Bewegungsfreiheit. Die Peitsche als Erkennungszeichen der Reihe wird von der Waffe zusätzlich zum Werkzeug, zusammen mit den Waffen, den Tarotfähigkeiten und den Plattformpassagen entsteht ein abwechslungsreicher Spielablauf.
Die Bewegung, die Kämpfe und die Erkundung greifen im neuen Serienteil meist sinnvoll ineinander. Schwächen zeigen sich dort, wo anspruchsvolle Hindernisse den Spielfluss ausbremsen oder die Geschichte zu wenig Raum bekommt. Nicht jede Passage ist gleich spannend, und wiederholte Versuche können Geduld kosten. Auch die bekannten Genremechaniken werden nicht immer so überraschend eingesetzt, dass erfahrene Spieler ständig Neues entdecken. Trotzdem gelingt dem neuen "Castlevania"-Spiel eine überzeugende Rückkehr. Die Gestaltung ist eigenständig, Rose passt als neue Hauptfigur in das Universum und die Kämpfe verlangen mehr als bloßes Knopfdrücken.
"Castlevania: Belmont's Curse" führt die Serie zurück zu ihren 2D-Wurzeln und versucht zugleich, die bewährte Formel weiterzuentwickeln. Das gelingt vor allem mit einer beweglichen Hauptfigur, deren Peitsche sowohl im Kampf als auch bei der Fortbewegung eine zentrale Rolle spielt. Die Kombination aus präzisen Bewegungen, anspruchsvollen Gegnern und einer miteinander verbundenen Spielwelt funktioniert über weite Strecken gut. Die düstere Interpretation von Paris im Jahr 1499 gehört zu den Stärken des Abenteuers. Auch das Waffenarsenal und die zusätzlichen Fähigkeiten sorgen dafür, dass Kämpfe nicht dauerhaft gleich ablaufen. Gleichzeitig verlangt das Spiel Geduld.
Für langjährige Fans ist das Comeback eine Gelegenheit, in eine vertraute Welt zurückzukehren, ohne einfach denselben Helden noch einmal zu begleiten. Neulinge können ebenfalls einsteigen, müssen sich aber auf eine Reihe einstellen, deren Reiz aus Erkundung, Geschicklichkeit und anspruchsvollen Kämpfen entsteht. Wer ein gemütliches Abenteuer mit wenig Widerstand sucht, sollte die Einstellungsmöglichkeiten nutzen. Unterm Strich ist "Castlevania: Belmont's Curse" eine gelungene Rückkehr, die ihre Stärken vor allem im Spielgefühl zeigt. Das Abenteuer erfindet das Genre nicht neu, verbindet seine Elemente aber auf eine Weise, die zur Serie und zu ihrer neuen Heldin passt.