Noch vor wenigen Monaten war Paris für Rachel Ojuromi ein Traum. Jetzt wurde die 22-jährige Nigerianerin selbst Teil der Pariser Modewelt: Bei der Chanel-Show im Grand Palais lief sie erstmals für das französische Luxushaus über den Laufsteg.
Dabei begann ihre Karriere nicht in einem Pariser Castingstudio, sondern auf den Straßen von Lagos. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin, Stylistin und Designerin Debby Fasingha, machte Ojuromi die nigerianische Millionenstadt zur persönlichen Bühne.
In ihren inzwischen viralen "Fit Check"-Videos zeigt Ojuromi extravagante Outfits und einen selbstbewussten Model-Walk – zwischen Marktständen, Verkehr und dem Alltag von Lagos.
Mal trägt sie einen fuchsiafarbenen Fransenrock, mal Animal-Prints, Korsettkleider oder lässiges Tailoring. Dazu kommen auffällige Farbkombinationen, Vintage-Teile und immer neue Layering-Ideen. Ihr Instagram-Account "Giverachelashot" – sinngemäß: "Gebt Rachel eine Chance" – zählt mittlerweile mehr als 200.000 Followerinnen und Follower.
Besonders spektakulär: Ojuromi stylte die Chanel-"Métiers d’Art"-Kollektion nach – allerdings nicht mit den Originalstücken des Luxuslabels. Gemeinsam mit Fasingha suchte sie gebrauchte Kleidung zusammen und setzte daraus eigene Interpretationen der Chanel-Looks zusammen. Das Video ging viral und erreichte schließlich auch Matthieu Blazy, den Kreativdirektor von Chanel.
Blazy reagierte auf den Beitrag mit einem roten Herz und dem Kommentar "Everything". Wenige Monate später folgte die Einladung zum Casting.
Aus dem Fanprojekt wurde damit plötzlich Realität: Ojuromi stand in Paris für genau jenes Modehaus auf dem Laufsteg, dessen Kollektion sie zuvor mit Secondhand-Kleidung nachgebaut hatte.
Das Erfolgsrezept hinter ihren Looks ist dabei erstaunlich bodenständig. Ojuromi und Fasingha kombinieren Kleidung aus ihren eigenen Schränken mit Fundstücken von Märkten in Lagos. Etwa die Hälfte der verwendeten Kleidung stamme vom Yaba Market, erzählte Ojuromi dem Magazin "Dazed". Andere Stücke fertigt Fasingha selbst an.
Aus Vintage, Y2K, Streetstyle und klassischen High-Fashion-Elementen entsteht so ein ganz eigener Stil. Für Ojuromi ist Mode dabei mehr als eine Spielerei: Ihre Mutter verkaufte Kleidung und Accessoires, las Modezeitschriften und legte bereits bei ihren Kindern großen Wert auf modische Outfits.