Lediglich 77.238 Kinder kamen im vergangenen Jahr in Österreich auf die Welt – diese Statistik markiert einen historischen Tiefststand. Betrachtet man die Gesamtfertilitätsrate, so bekam eine Frau durchschnittlich nur 1,32 Kinder. Für den Erhalt der Bevölkerung wären jedoch 2,1 Kinder pro Frau nötig – "Heute" berichtete.
Auffallend ist auch, dass Österreichs Mütter immer älter werden. 2024 lag das Durchschnittsalter einer Frau bei der Geburt des ersten Kindes bei 30,4 Jahren. Im Jahr 2010 waren es noch 28,5 Jahre. Blickt man noch weiter zurück – ins Jahr 1995 – so waren Frauen bei ihrer ersten Geburt im Schnitt 26,2 Jahre alt. Auch Teenagermütter scheinen heutzutage auszusterben.
Familienministerin Claudia Plakolm (ÖVP) sagte, dass dies "kein österreichisches Phänomen". Es sei vielmehr "eine Entwicklung in der gesamten westlichen Welt". Ihr zufolge könne die Politik lediglich die Rahmenbedingungen schaffen, die Entscheidung Kinder zu bekommen liege allerdings bei den Paaren selbst.
Bei den Rahmenbedingungen sieht die ehemalige Frauenministerin und jetzige Leiterin im Bereich "Soziales" bei der Arbeiterkammer (AK), Ines Stilling noch einiges an Aufholbedarf. Ihr zufolge seien Beruf und Familie bei Paaren, die Vollzeit arbeiten, fast nicht mehr vereinbar.
Im Ö1-Morgenjournal betonte Stilling, dass sie hier vor allem in ländlichen Raum Nachteile sehe. Dies betreffe "die Kinderbetreuung bei Kindern unter drei Jahren, aber auch bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen". In diesen Bereichen sieht sie einen "eklatanten Mangel". Auch im schulischen Bereich würde Österreich hinterherhinken. Was Nachmittagsbetreuung, Ganztagsschulen und entsprechende Förderungen angeht, habe man "massiven Aufholbedarf".
Auch die hohen Lebenshaltungskosten würden sich negativ auf die Geburtenrate auswirken. Wenn man sich zwischen einem Kind und einem leistbaren Leben entscheiden müsse, fiele die Entscheidung oft für das eigene Leben aus, so die Expertin. Auch der Spagat zwischen Job, Pflege älterer Angehöriger – auch dort fehlen Plätze – und der Betreuung eigener Kinder sei für viele nicht machbar.
Des Weiteren habe man hierzulande einen Aufholbedarf bei familienfreundlichen Betrieben. Als positives Beispiel nannte Stilling hier die skandinavischen Länder. Auch die Rolle der Väter in der Kinderbetreuung müsse man im Auge behalten. Laut der Expertin seien für sie die Anreize noch zu gering. Zudem käme hier die Angst des Jobverlustes hinzu. Viele Betriebe würden Vätern, die in Karenz gehen, mitteilen, dass sie danach nicht wiederkommen brauchen, beklagt die Ex-Frauenministerin.
Auch, dass die Zahl der Alleinerziehenden zurückgeht, sieht Stilling nicht unbedingt positiv. Es wäre zwar schön, wenn es daran liegen würde, dass die Beziehungen in Österreich glücklicher werden, aber die Expertin hegt hier einen anderen Verdacht. Ihr zufolge würden sich einige Paare die Scheidung oder Trennung nicht mehr leisten können und bleiben daher zusammen.
Auffallend ist in der Statistik auch, dass in Österreich knapp ein Viertel der Neugeborenen keinen österreichischen Pass hat. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 lag die Quote der Neugeborenen mit österreichischer Staatsbürgerschaft noch bei 96,8 Prozent. Auch diese Entwicklung betrachtet Stilling äußerst kritisch.
Ihr zufolge sei diese Entwicklung demokratiepolitisch bedenklich, da diese Kinder später auch keine Möglichkeiten haben mitzubestimmen. Hier sieht Stilling zu hohe Hürden für den Erwerb der Staatsbürgerschaft. Laut der Ex-Frauenministerin werde diese Quote noch steigen.