Vergangene Woche wurde Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) nach seiner Operation aus dem Spital entlassen. Er werde für "einige Zeit" von zu Hause aus seine Amtsgeschäfte erledigen, hieß es damals.
Auf seinem Whatsapp-Kanal gewährte der Kanzler einen ersten Einblick in das "Stockersche Home-Office" in Wiener Neustadt – Stocker im beigen Boss-Polo, im Hintergrund eine Österreich- und eine EU-Fahne. "Ich melde mich heute aus dem Home-Office. Ich habe mir zu Hause ein kleines Büro eingerichtet. Meine Arbeit für den Aufschwung geht derzeit von hier aus weiter", sagte der VP-Chef – "Heute" berichtete.
Am Mittwoch stand für Stocker ein wichtiger Termin an: der wöchentliche Ministerrat – diesmal allerdings virtuell. Ein Foto aus dem Kanzleramt zeigt die Ministerrunde an einem langen, grün gedeckten Tisch, Wasserflaschen und Aktenordner ordentlich aufgereiht. Unter anderem mit dabei: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Sozialministerin Korinna Schumann und Innenminister Gerhard Karner. Auf einem großen Bildschirm am Ende des Tisches ist der Kanzler zu sehen – im weißen Hemd, vor Österreich- und EU-Flagge, zugeschaltet aus seinem Home-Office in Wiener Neustadt.
Zum Ministerrat selbst: diese Woche durfte wieder die ÖVP den Schwerpunkt definieren. Statt dem lange erwarteten Elektrizitätswirtschaftsgesetz von Wolfgang Hattmannsdorfer stand allerdings ein Lückenfüller auf der Agenda – konkret das Thema digitale Souveränität. Ziel ist eine gemeinsame Europäische Erklärung zur digitalen Souveränität, die bis zum Gipfel am 18. November in Berlin verabschiedet werden soll.
Warum (erneut) ein Plan B nötig wurde? Das erfährst du im untenstehenden Backstage-Artikel von "Heute"-Chefredakteur Clemens Oistric.
Ob der Kanzler beim nächsten Ministerrat in einer Woche wieder persönlich vor Ort sein wird, ist noch offen. Fest steht: Neben den drängenden Problemen im Land wird er auch das wachsende Misstrauen in der Koalition zu beruhigen haben.