Die Causa um Walter Ruck eskaliert weiter. Nach Leaks über Postenschacher und sexistische Äußerungen gerät der Wiener Wirtschaftskammerpräsident zunehmend unter Druck.
Neue Enthüllungen setzen dem noch eins drauf: Laut von "Kronen Zeitung" und "profil" veröffentlichten Passagen aus dem Protokoll einer angeblichen Gesprächsaufnahme soll der Wiener Wirtschaftskammerpräsident unter anderem über seinen ÖVP-Parteifreund Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, die Industrie sowie Unternehmer aus Oberösterreich gelästert haben.
Ruck soll Hattmannsdorfer dabei als eine Art "Obersachbearbeiter" bezeichnet und dessen Arbeitstempo kritisiert haben ("Der kommt zu dir rein mit 300 Seiten, die er auswendig gestrebert hat, und will dir in zwei Minuten alle 300 Seiten erzählen").
Über Industrievertreter soll zudem die Formulierung "degenerierte Oberösterreicher" gefallen sein – die seien "dort gesessen und haben gescheit dahergeredet, vom Kaviar-Frühstück kommend".
Ruck erklärt, er könne die Aussagen nicht bestätigen. Ein Sprecher verweist auf eine nicht überprüfbare und möglicherweise rechtswidrig angefertigte Aufnahme.
Minister Hattmannsdorfer reagiert gelassen auf die Kritik an seiner Arbeitsweise. "Mit dem Vorwurf, ein hohes Arbeitstempo zu haben und inhaltlich gut vorbereitet zu sein, kann ich gut leben. Beides entspricht meinem Amtsverständnis als Bundesminister", erklärt er gegenüber "Heute".
Schärfer fällt seine Reaktion auf die weiteren kolportierten Aussagen aus: "Deutlich befremdlicher finde ich das kolportierte Politikverständnis sowie das Bild über Frauen und Unternehmerinnen und Unternehmer."
Auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) reagiert auf Rucks angebliche Aussagen rund um "degenerierte Oberösterreicher". "Wenn sich das alles als richtig herausstellt, ist eine solche Wortwahl klar abzulehnen. Sie richtet sich von selbst", so Stelzer zu "Heute".
Oberösterreich halte es lieber "mit Ergebnissen als mit Entgleisungen". Stelzer verweist auf die Spitzenposition des Landes bei Exporten, die Innovationskraft sowie die Entwicklung am Arbeitsmarkt: "Alles Weitere bedarf keiner Kommentierung."
„Wenn sich das alles als richtig herausstellt, ist eine solche Wortwahl klar abzulehnen. Sie richtet sich von selbst.“Thomas StelzerLandeshauptmann Oberösterreich (ÖVP)
Oberösterreichs Industrie reagiert empört auf die Ruck-Sager: "Ein Ruck an Fremdscham geht durch das Land", schreibt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung OÖ, auf LinkedIn. Und zeigt zugleich Humor, indem er ein Foto beim Brunch postet – Würstel und Cola statt Kaviar und Champagner.
Eine eindeutige Reaktion kommt auch seitens Industriellenvereinigung auf Bundesebene. Generalsekretär Christoph Neumayer bezeichnet die angeblichen Aussagen Rucks über Industrievertreter als "sehr erstaunlich, wenn nicht befremdlich".
Insbesondere, weil die Äußerungen offenbar gegenüber Wirtschaftskammer-Mitgliedern getätigt worden seien – und die Industrie einen beträchtlichen Teil zur Finanzierung der Kammer beitrage – auch in Wien, so Neumayer am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz. In diesem Zusammenhang sei das "respektlos", erklärte Neumayer.
Ob Ruck zurücktreten soll, wollte Neumayer nicht direkt beantworten. Das müsse Ruck selbst beziehungsweise die zuständigen Gremien des Wiener Wirtschaftsbundes und der Wirtschaftskammer entscheiden. Klar sei aber: "Das Vertrauen ist zutiefst erschüttert."
Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker forderte bereits eine "restlose Aufklärung", auch Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz ging auf Distanz und legte Ruck ziemlich deutlich den Rücktritt nahe.