Und wieder einmal sorgen Leaks über einen ÖVP-Politiker für Aufregung. Diesmal betroffen: Walter Ruck, Chef der Wiener Wirtschaftskammer und des ÖVP-Wirtschaftsbundes. Dieser soll sich – vornehm formuliert – einmal mehr verhaltensauffällig benommen haben.
Das legen zumindest "geheime" Gesprächsprotokolle nahe, die vergangenen Freitag in der "Krone" veröffentlicht wurden. Darin sind mehr als fragwürdige Aussagen des mächtigen Wirtschaftskammer-Bosses zitiert.
Worum geht’s? Konkret soll Ruck durch Druck auf eine ÖVP-Bezirkspolitikerin in Wien-Döbling seinem Sohn die Kandidatur als Gemeinderat ermöglicht haben. Diese hatte zugunsten des Ruck-Sprösslings auf eine eigene Kandidatur verzichtet.
Damit aber nicht genug. Der Wirtschaftskammer-Chef soll zudem bei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) interveniert haben, dass Manfred Juraczka einen Geschäftsführer-Posten in der Wiener Wirtschaftsagentur bekommt. Brisant: Juraczka war Chef der Wiener ÖVP, führte diese bei der Wien-Wahl 2015 auf ihr bis dahin historisch schlechtestes Ergebnis.
Die Liste der aufgezählten Verfehlungen ist damit aber noch nicht beendet. Zu allem Überdruss soll Ruck sich sexistisch geäußert und damit ein problematisches Frauenbild vermittelt haben. Betroffene in diesem Fall: Wiens SPÖ-Finanzstadträtin Barbara Novak. Über diese soll Ruck laut den Leaks gesagt haben: "Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen, was ist des?" Zur Erklärung: Im "Weinkeller" soll Ruck häufig "vertrauliche" Gespräche geführt haben.
Ruck selbst weist all diese Vorwürfe zurück. Inzwischen hat sich aber sogar die Wiener ÖVP von ihm distanziert.
Aber was sagt eigentlich der ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker zu dieser Causa? Der hüllt sich in peinliches Schweigen. Er wolle dazu "keine Meinung äußern", ließ er lediglich wissen. Nachsatz: "Das betrifft weder mich als Bundeskanzler, noch die Bundesebene."
Ob der Kanzler die Affäre in seiner Partei tatsächlich aussitzen kann, ist allerdings fraglich. Es soll ja schon vorgekommen sein, dass er seine politische Meinung in relativ kurzer Zeit geändert hat.
Nach dem "Heute"-Bericht über Stockers lautes Schweigen reagierte der Kanzler schließlich nach drei Tagen Schockstarre am Montag zu Mittag. "Die medial kolportierten Aussagen sind zutiefst irritierend und widersprechen dem Frauenbild und Politikverständnis der Volkspartei. Alle Vorwürfe müssen aufgeklärt werden. Sollten die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, kann das nicht ohne Konsequenzen bleiben", ließ er über die Presseabteilung seiner Partei ausrichten.