Landwirtschafts-, Umwelt- und Klimaschutzminister Norbert Totschnig (ÖVP) spricht im "Heute"-Interview (ganzer Talk im Video unten) unter anderem über Auswirkungen der extremen Temperaturen, Hitzeschutz-Maßnahmen, die Sicherheit der Wasserversorgung.
Ein tatsächlicher Wasserengpass zeichne sich derzeit nicht ab, so Totschnig – "Probleme können aber entstehen, wenn beispielsweise sehr viele Menschen gleichzeitig ihre Pools befüllen".
Der Minister sagt zudem an, wann es die nächste Förderwelle für den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme, die im Sommer auch kühlen können, gibt.
Norbert Totschnig über:
"Mit bis zu 40 Grad in Wien haben wir historisch heiße Tage erlebt. Diese Entwicklung hat die Wissenschaft seit Jahren prognostiziert. Wir müssen damit rechnen, dass Extremwetterereignisse häufiger werden. Es wird mehr Hitzetage und längere Trockenperioden geben. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Durchschnittstemperaturen deutlich angestiegen, im Waldviertel beispielsweise um rund drei Grad."
"Aktuell ist die Trinkwasserversorgung gesichert. Die Situation ist aber nicht überall gleich. Vor allem in Teilen des östlichen und südöstlichen Österreichs müssen Wasserversorger stärker miteinander verbunden werden. Wir investieren deshalb in neue Quellen, Brunnen und Wasserleitungen."
Allein im ersten Halbjahr 2026 haben wir Finanzierungen sichergestellt, mit denen mehr als 100 Quellen und Brunnen saniert oder neu errichtet werden. Zusätzlich werden mehr als 273 Kilometer Wasserleitungen gebaut oder erneuert."
"Ein tatsächlicher, flächendeckender Wasser-Engpass zeichnet sich derzeit nicht ab. Probleme können aber entstehen, wenn beispielsweise sehr viele Menschen gleichzeitig ihre Pools befüllen. Eine zeitliche Staffelung hilft den örtlichen Wasserversorgern.
Die niedrigen Grundwasserstände müssen uns dennoch eine Warnung sein. Wir müssen sorgsam mit Wasser umgehen und das Bewusstsein für diese kostbare Ressource stärken."
„Probleme können entstehen, wenn sehr viele Menschen gleichzeitig ihre Pools befüllen.“Norbert TotschnigMinister für Landwirtschaft, Umwelt- und KLimaschutz (ÖVP)
"Es ist wichtig, dass Seezugänge für die Öffentlichkeit erhalten und neue geschaffen werden. Viele Uferflächen sind privat, deshalb braucht es gezielte Maßnahmen. Wir arbeiten mit den Österreichischen Bundesforsten zusammen, die verfügbare Grundstücke an heimischen Seen kaufen und sie für die Bevölkerung zugänglich machen. Im vergangenen Jahr wurden zwei Projekte umgesetzt – auch am stark besuchten Wörthersee wurde eine zusätzliche Fläche für die Öffentlichkeit geöffnet."
"Vor allem in trockenen Regionen wird es notwendig sein, Bewässerungssysteme auszubauen. Im Marchfeld wäre es beispielsweise ohne Bewässerung sehr schwer, ausreichend Gemüse zu produzieren."
Werden in Österreich bedingt durch den Klimawandel künftig andere Obst- und Gemüsesorten gedeihen als bisher?
Totschnig: "Wir müssen neue Getreidesorten züchten, die trockenheitstoleranter sind und längere Trockenperioden besser aushalten. Auch beim Weinbau sehen wir bereits Veränderungen. Wein wird mittlerweile in Gebieten angebaut, in denen das früher kaum möglich war, etwa in Teilen Oberösterreichs oder Kärntens."
Der Klimawandel verändere die Bedingungen, daran müsse sich die Landwirtschaft anpassen, so der Minister: "Trotzdem setzen wir weiterhin auf heimische Produkte und Kulturen, die zu unseren Regionen passen."
„Wein wird mittlerweile in Gebieten angebaut, in denen das früher kaum möglich war, etwa in Teilen Oberösterreichs oder Kärntens.“Norbert TotschnigMinister für Landwirtschaft, Umwelt- und KLimaschutz (ÖVP)
"In den Städten ist die thermische Sanierung besonders wichtig. Eine bessere Dämmung und neue Fenster helfen nicht nur im Winter. Im Sommer sorgen sie dafür, dass Wohnungen länger kühl bleiben. Wir brauchen außerdem mehr Grünflächen, mehr Beschattung. Klimaanlagen allein sind nicht die Lösung."
"In den Budgetverhandlungen konnten wir Fördermittel in gleichbleibender Höhe für die Sanierungsoffensive sichern. Wir unterstützen den Tausch fossiler Heizkessel gegen klimafreundliche Systeme wie Wärmepumpen oder Biomasseheizungen. Mit der richtigen Wärmepumpe kann man im Winter heizen und im Sommer kühlen.
Unser Ziel ist es, 30.000 fossile Heizkessel auszutauschen. Die Mittel der aktuellen Förderperiode sind bereits ausgeschöpft. Das zeigt, wie groß die Nachfrage ist."
"Die frühere Bundesförderung lag bei rund 75 Prozent. Dazu kamen teilweise noch Förderungen der Bundesländer. Das waren mitunter die höchsten Förderungen in Europa.
Deshalb wurde die Bundesförderung heuer auf rund 30 Prozent reduziert. Jetzt arbeiten wir unter Einbeziehung der Branche die neuen Bedingungen für die Sanierungsoffensive 2027 aus, die noch effizienter und effektiver Umwelteffekte und Investitionsanreize auslösen soll. Wir gehen bei einer Reduktion auf etwa 20 Prozent weiterhin von einer hohen Nachfrage aus.“
"Wir wollen noch heuer Klarheit über die neuen Förderrichtlinien schaffen. Die Zeit ohne abrufbare Unterstützung soll so kurz wie möglich bleiben."
"Beim Umstieg auf neue Heizsysteme im mehrgeschossigen Wohnbau gibt es noch Hürden. Auch die Installation von Klimaanlagen ist rechtlich oft schwierig. Deshalb müssen das Wohnungseigentumsgesetz und das Mietrecht angepasst werden. Besonders in dicht bebauten Städten brauchen die Menschen bessere Möglichkeiten, sich vor extremer Hitze zu schützen."