Der Juni 2026 geht als historischer Hitzemonat in die Wettergeschichte ein. Von insgesamt 277 Wetterstationen in Österreich registrierten 157 neue Rekorde. In Wien wurde etwa auf der Hohen Warte der bisherige Juni-Rekord gleich um 3,6 Grad übertroffen.
Erwartungsgemäß ist die Hitzewelle auch zum Politikum geworden. Grünen-Chefin Leonore Gewessler hat etwa Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gefordert. "Auch Menschen ohne Haus am See haben Hitzeschutz verdient", betonte sie in einer Aussendung. Temperaturen um 40 Grad und der Umgang damit würden die ungerechte Politik der Regierung aufzeigen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will wiederum ein bundesweites Hitzefrei gesetzlich ermöglichen. Er sprach sich für eine gesetzliche Grundlage aus, damit bei extremen Temperaturen künftig landesweit Hitzefrei möglich wird.
Auch in der ORF-Pressestunde am Sonntag wurden die extremen Temperaturen thematisiert. Zu Gast war ÖVP-Umweltminister Norbert Totschnig, der künftige Hitzewellen u. a. mit thermischer Sanierung von Gebäuden bekämpfen möchte, wie er im Gespräch erklärte. "Die Hitzetage sind einzigartig, historisch", so der Minister.
ORF-Urgestein Hans Bürger hakte daraufhin nach und konfrontierte den Umweltminister mit dem Fall seiner Mutter: "Herr Minister, verzeihen Sie. Meine Mutter wird im Herbst 90, bei ihr hat es im Wohnzimmer 39 Grad gehabt. Es geht ihr ganz schlecht. Was nützt ihr die thermische Sanierung bei der nächsten Hitzewelle?"
„Meine Mutter wird im Herbst 90, bei ihr hat es im Wohnzimmer 39 Grad. Was nützt ihr die thermische Sanierung?“ORF-Moderator Hans Bürgernahm ÖVP-Umweltminister Totschnig in die Zange
Totschnig entgegnete, dass die von ihm präsentierten Maßnahmen Wirkung zeigen würden. Es brauche jedoch einen Schulterschluss zwischen Bund und Ländern, um Hitzewellen auf mehreren Ebenen besser zu meistern.
Der Umweltminister erklärte, dass die Ausarbeitung eines Klimagesetzes im Regierungsprogramm festgelegt sei, aber noch Zeit brauche. Drei Punkte wären dabei wichtig: Klimaschutz, Klimawandelanpassung und Kreislaufwirtschaft. Es handle sich um eine Querschnittsmaterie, sagte der Minister, das Gesetz könne aber eine wichtige Grundlage schaffen. Grundsätzlich sei die Dreierkoalition mit SPÖ und NEOS eine Herausforderung, allerdings habe man schon einiges auf den Weg gebracht.
Neben "ambitioniertem Klimaschutz" will Totschnig auch für einen starken Wirtschaftsstandort eintreten. Die Landwirtschaft leide aktuell unter der Trockenheit, es gelte, bei Bewässerungssystemen nachzubessern. "Klimawandelanpassung ist das Gebot der Stunde in der Landwirtschaft." Im Bereich der Mobilität betonte der Minister, E-Autos würden sich mittlerweile auch ohne Förderungen gut verkaufen.